ArLan

Landshuter Höhenwanderweg, Exkursionen

 

Der Landshuter Höhenwanderweg, Teil 1, von Buch am Erlbach bis Landshut

Der Verein ArLan plante seit längerem einen archäologischen Wanderweg. Diese Idee hat erfreulicherweise der Landkreis Landshut aufgegriffen und auch die Finanzierung sichergestellt. Frau Eva Brunner vom Tourismusbüro und der Kreisarchäologe Thomas Richter sowie viele weitere Helfer, unter anderem Studenten der Universitäten München und Erlangen,  haben nun den ersten Abschnitt des Landshuter Höhenwanderweges verwirklicht.

Er führt entlang den Isarhangleiten von Buch am Erlbach  bis Landshut. Nicht nur die interessanten archäologischen Bodendenkmäler unseres Gebietes sondern vor allem auch Geschichte und Kultur sollen dem Wanderer näher gebracht werden. Später soll der Wanderweg über Frauenberg bis nach Niederaichbach weitergeführt werden

Der erste Abschnitt ist 18 km lang und kann dank einer übersichtlichen Wanderkarte in bequeme Abschnitte aufgeteilt werden. Zusätzlich gibt es noch 10 kleine Rundwanderwege. Zum Teil sind die Wanderwege sogar für Kinderwagen oder Rollstuhlfahrer geeignet.
36 Schautafeln führen den Wanderer zu vielen Aussichtspunkten und Sehenswürdigkeiten. Allein die Überschriften der Infotafeln verführen schon zum Wandern, z.B.: Römisches Mausoleum, Eisenzeitliche Hügelgräber, Burg der Urnenfelderzeit, Schloss Kronwinkl, Keltische Viereckschanze, Bentonitabbau, Ringwälle, Burgställe usw.

Auf der Website des Landratsamtes www.tourismus-landshut.de  gibt es eine interaktive Landkarte mit ausführlicher Beschreibung der Wanderwege. Außerdem kann auf dieser Seite im Online-Shop die Wanderkarte kostenfrei angefordert werden.

Wanderkarte Landshuter Höhenwanderweg

(aus Faltkarte “Landshuter Höhenwanderweg”, Landratsamt Landshut / Galli-Verlag)

Landshuter Höhenwanderweg, Teil 1

Kreisarchäologe Thomas Richter, der federführend bei diesem Projekt “Landshuter Höhenwanderweg” war, erklärt bei einer geführten Wanderung den Reichtum dieses Teils der südlichen Isarhangleite an archäologischen und naturkundlichen Denkmälern.

 

Der Landshuter Höhenwanderweg, Teil II, von Landshut bis Hüttenkofen

Der Landshuter Höhenwanderweg II – Wandern in Zeit und Raum

Bereits bei der Eröffnung des ersten Abschnittes des Landshuter Höhenwanderweges von Buch am Erlbach nach Landshut im Jahr 2012  (Denkmalpflege Informationen Nr. 154)  bestand der Plan, den Weg von der westlichen Stadtgrenze Landshuts, durch das Gebiet der Stadt Landshut und die Gemeinde Niederaichbach bis zur östlichen Landkreisgrenze fortzusetzten. Getreu dem Motto „was lange währt wird endlich gut“ – in diesem Falle „sehr gut“ – wurde dieser Plan umgesetzt und schließlich am 11. Mai 2016 der zweite Abschnitt des Landshuter Höhenwanderweges auf der Burg Trausnitz in Landshut eröffnet.

Wie bereits der erste Abschnitt gliedert sich auch der zweite Teil in eine Hauptroute und insgesamt sieben kürzere Rundwanderwege. Diese Rundwanderwege bieten sich als Sonntagsspaziergänge an und sind teilweise auch für einen kurzen Spaziergang nach Feierabend geeignet. Auch entlang der Wegstrecke des zweiten Teils finden sich Schautafeln, die den Wanderer auf Besonderheiten der älteren und jüngeren heimischen Geschichte sowie der Natur und Kultur hinweisen. Die insgesamt 28 Tafeln sind leicht verständlich aufgebaut und vermitteln bereits anhand ihrer eingängigen Farbgebung die zeitlichen Dimensionen der verschiedenen archäologischen Fundstellen von der Jungsteinzeit bis heute. Die gut verständlichen Texte werden durch aussagekräftige Abbildungen unterstützt und ermöglichen so dem Besucher, Geschichte am Ort ihres Geschehens zu erkunden.

Ausschnitte aus Faltkarte “Landshuter Höhenwanderweg II”, Landratsamt Landshut / Galli-Verlag:
Kartenausschnitte LA, Frauenberg, Hüttenkofen
Landshut: historische Altstadt, Prachtbauten, Kirchen,  Burg Trausnitz, herzögliche Gärten
 Rund um Frauenberg: Naturschutzgebiet ehemaliger Standortübungsplatz und Isarhangleiten mit einzigartiger Fauna und Flora; Burgställe Straßburg, Neudeck, Schaumburg, Wolfstein; Wallfahrtskirche, Archäologische Funde
Hüttenkofen: Hügelgräber, Burgställe, Kalktuffquelle, Schautael Fische in der Isar

PDF-Datei öffnenDie gesamte Wanderkarte Teil 2, Landshut - Hüttenkofen, können Sie als PDF-Datei öffnen:
(4,9 MB, bitte längere Ladezeit beachten!)

 

Grabungsfläche am Dreifaltigkeitsplatz im Jahre 2004
Blick auf die Grabungsfläche am Dreifaltigkeitsplatz im Jahre 2004. Die Mauern der ehemaligen Bebauung sind noch mehr als einen Meter hoch erhalten. (Foto: Richter).

Durch die alte Herzogsstadt Landshut

Gleich zu Beginn des „Landshuter Höhenwanderweges II“ zieht die alte Herzogstadt Landshut den Wanderer mit ihren gewaltigen Bauten wie der Basilika St. Martin und der hoch über der Stadt thronenden Burg Trausnitz in ihren Bann.  Entlang seines Weges taucht der Besucher in der Altstadt in das Mittelalter ein und erwandert, vorbei an prachtvollen Bürgerhäusern, auf seinem Rundweg auch die Dimensionen einer mittelalterlichen Stadt.
Neben den sichtbaren wird auch auf bereits verschwundene, mittelalterliche Strukturen hingewiesen: Direkt am Eingang der Stadt, am Dreifaltigkeitsplatz, klärt eine Informationstafel den Besucher über die Ergebnisse archäologischer Ausgrabungen auf. Heute zeigt sich der Dreifaltigkeitsplatz als weiter Raum mitten in der Stadt. Dass dieser Raumeindruck nicht immer so war zeigten Untersuchungen im Jahr 2004. Damals erforschte eine internationale Schülergruppe unter der Leitung des Landesamtes für Denkmalpflege die Reste der jüdischen Siedlung die im 14. Jh. niedergelegt wurde und heute unterhalb einer grünen Wiese liegt. Vom Dreifaltigkeitsplatz führt der „Ochsenklavier“ genannte Fußweg zur Burg Trausnitz und hinein in die herzöglichen Gärten, die als grüne Lunge der Stadt den Besucher mit zahllosen heimischen und exotischen Pflanzen und einem Wildtiergehege verzaubern.

 

Weiter über die Isarhangleiten bis Niederaichbach und Hüttenkofen

Infotafel bei Niederaichbach
Eine Informationstafel am Landshuter Höhenwanderweg bei Niederaichbach (Foto: Brunner)
Die weitere Strecke bis Niederaichbach begeistert mit vielfältiger Natur im Naturschutzgebiet des ehemaligen Standortübungsplatzes. Auf den Informationstafeln entlang des Wanderweges wird der Besucher über Renaturierungen von Bachläufen aber auch über die Siedlungen aufgeklärt, die bei der Anlage des Standortübungsplatzes weichen mussten.
In der Gemeinde Niederaichbach warten zahlreiche noch heute obertägig sichtbare Bodendenkmäler darauf, entdeckt zu werden. So findet sich in Lehen bei Hüttenkofen ein großes Hügelgräberfeld der sogenannten Hügelgräberbronzezeit (zwischen 1.600 und 1.300 v. Chr.) dessen Grabhügel eindrucksvoll bis zu 3m hoch erhalten sind. Auf dem Schlösselberg liegen die Reste einer frühmittelalterlichen Burg deren Innenbereich mit einem mächtigen Wall-Graben System vom Hinterland abgeriegelt war.
Bauphasen der Kirche St. Margareta
Darstellung der Bauphasen der Kirche St. Margareta, Reichersdorf (Kreisarchäologie Landshut)
(Rot: vorromanische Holzkirche, Grün: romanische Kirche,
Lila: gotische Kirche, Blau: Verlängerung 1874,
Gelb: Gräber der Königsfelder)
Besonders detaillierte Erkenntnisse liegen über die Kirche St. Margareta in Reichersdorf vor. Anhand von Grabungsergebnissen lässt sich die Baugeschichte der kleinen Kirche des 14. Jh. exakt rekonstruieren. Unterhalb der steinernen Grundfesten der romanischen Vorgängerkirche befanden sich die Reste einer frühmittelalterlichen Holzkirche, einer der ältesten des Landkreises.

Die Hauptroute des zweiten Abschnitts des Landshuter Höhenwanderweges erstreckt sich über eine Länge von 31km, davon zweigen weitere 39km Rundwege ab. Der erste und zweite Abschnitt des Höhenwanderweges kombiniert bieten dem Wanderer ein insgesamt 128km umfassendes, bestausgebautes Wanderwegenetz mit zahlreichen Informationen zu Geschichte, Natur und Kultur der Umgebung.

 

 

Wanderkarten

Kostenlose Wanderkarten für beide Abschnitte des Landshuter Höhenwanderweges sind beim Büro für Tourismus des Landkreises, beim Verkehrsverein Landshut sowie unter www.tourismus-landshut.de erhältlich.

Thomas Richter

 

Zur Website "Landshut-Frauenberg"Zusätzliche Informationen

Es gibt noch mehr Interessantes zu entdecken, vor allem auch rund um Frauenberg:
Der Wanderer interessiert sich sicher auch für die Geschichte der einzelnen Orte, Hofnamen, Kirchen, archäologische Funde oder geschichtliche Persönlichkeiten oder zahlreichen seltenen Pflanzen und Tiere, die dank der unterschiedlichen Bodenstrukturen besonders im Bereich des Naturschutzgebietes “ehemaliger Standortübungsplatz” und in den Isarhangleiten rund um Frauenberg Lebensräume gefunden haben.

Mehr dazu auf der Website  Frauenberg

 

 

 

 

 

Kulturlandschaft Landshut erleben - Wanderungen in die Zeit

Wanderungen in die ZeitVereinsmitglied Werner Hübner war einer der besten Kenner der Vor- und Frühgeschichte Niederbayerns und hat rund um Landshut über 200 archäologische Fundstellen entdeckt. Er war Ehrenmitglied der Gesellschaft für Archäologie in Bayern und erhielt für sein Engagement viele Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und die Bayerische Denkmalschutz-Medaille.

In einem kleinen Buch mit zahlreichen Bildern und Wanderrouten hat er vierzehn spannende Wanderungen in und um Landshut beschrieben, die zu Hügelgräbern, Burgställen, “Schwedischen” Schanzen und vielen weiteren kultur- und kunstgeschichtlichen Zielen führen.
 

 

PDF-Datei öffnenDas Buch ist nicht mehr erhältlich, daher hat uns Werner Hübner erlaubt, das gesamte Buch als PDF-Datei auf unserer Website zu veröffentlichen.

 

 

Werner Hübner ist am 1.6.2013 verstorben. Wir haben mit ihm einen Freund und unser Gründungs- und Ehrenmitglied verloren. Er hat unseren Verein entscheidend mit initiiert und uns an seinen von der Wissenschaft anerkannten Erkenntnissen über das Werden unserer Region teilhaben lassen.

PDF-Datei öffnenBericht in der LANDSHUTER ZEITUNG, Nachruf, 5.6.2013

PDF-Datei öffnenBericht in der LANDSHUTER ZEITUNG, “Funde von Feldern”, 7.6.2013

PDF-Datei öffnenBericht in BAYERISCHE ARCHÄOLOGIE 2/2013 “Werner Hübner, Arlan-Ehrenmitglied

 

 

 

Wanderungen, Exkursionen, Tagebuchnotizen

Ende einer Freundschaft?

Aus dem Tagebuch eines archäologisch Interessierten.
Freitag, 16. August 2013.

Feldbegehung in FrauenbergTreffe mich heute mit meinen Freunden Peter und Alfred um über die Felder zu ziehen. Scherberlsuchen in der Nähe von Frauenberg. Wie viele Tage davor ist es genau das richtige Wetter, trocken und verdammt heiß. Mein Vorschlag die Suche in einen Biergarten zu verlegen wird abgelehnt. Peter mag die Hitze und anscheinend auch Alfred. Ich denke darüber nach, für welche Bemerkung von mir sich die beiden rächen wollen. Alfred führt uns zu einem Feld, über dem die Hitze nur so flimmert. Er versichert, dort und im näheren Umkreis schon gute Funde gemacht zu haben.
Keramikscherbe, Münchshöfener KulturDen Blick starr auf den Boden gerichtet gehen wir das Terrain systematisch ab. Ein paar kleine mittelalterliche Scherben sind der Lohn, besser gesagt werden dem Acker wieder geschenkt. Alfred vermerkt dazu, dass die Ausbeute sicherlich größer wäre, wenn es geregnet hätte. Wie tröstlich. Ich erinnere mich daran, dass der letzte Regen Ende Juni gefallen ist. Mich dürstet es schon beim Gedanken daran. Unsere Unaufmerksamkeit nutzt Alfred aus und präsentiert stolz eine Scherbe aus der Stichbandzeit. Vielleicht hat er sie auch nur von zu Hause mitgebracht um uns zu ärgern.
Wir machen gute Mine zum ...... Spiel, gratulieren dem Finder und fotografieren das Teil, um auch etwas mit nach Hause  zu bringen. Das Angebot von Alfred, es auf einem anderen Feld zu versuchen, nehmen wir dankend an, da es in der Nähe eines Biergartens liegen soll. Alfred erzählt uns eine Geschichte über Funde von steinzeitlichen Beilen ganz am Rande des Feldes, welches wir jetzt erreicht haben.
Zumindest die Sache mit dem Biergarten scheint zu stimmen, da er im Blickfeld auftaucht.
SchuhleistenkeilAlfred führt uns nun über die Mitte des Feldes. Ich werde misstrauisch; sagte er nicht "...Funde ganz am Rande". Ich finde ein Stück Silex, das Misstrauen schwindet. Alfred weist auf eine dunkle Stelle im Acker hin und versucht uns dafür zu interessieren. Das Misstrauen wächst wieder, da finde ich ein riesengroßes Silexteil, so ca. 3 x 3 x 3 cm. Stolz präsentiere ich den Fund. Ich werde heftig gelobt. Ich werde äußerst misstrauisch. Alfred bemerkt so nebenbei und etwas spitz, Peter habe auch einen Fund gemacht, den ich fotografieren könnte. Ich denke mir, vielleicht ein noch größeres Silex-Stück oder gar eine Scherbe. Peter öffnet gelangweilt die Hand und zeigt mir  -  einen Schuhleistenkeil. Alfred steht etwas abseits und wirkt irgendwie desinteressiert. Ich fotografiere Peters tollen Fund und ärgere mich, nicht schneller gegangen zu sein. Ich erinnere mich an den Satz von Professor Murray, nur wer langsam geht findet etwas - stimmt - Silex.
Alfred drängt, jetzt endlich den Biergarten aufzusuchen. Ich gehe voraus, seitlich hinter mir bückt sich Peter und hebt etwas auf. Er kommt näher, öffnet die Hand und wieder  -  ein Schuhleistenkeil. Tapfer fotografiere ich wieder, ich gratuliere aber nicht mehr so herzlich. Alfred stapft Richtung Biergarten und ich glaube etwas Gemurmel von ihm zu hören, ich verstehe es aber nicht. Wird wohl nicht so wichtig sein denke ich mir und folge eilig dem glücklichen Finder und Alfred zum Biergarten. Dort zeigt Peter stolz seine Funde den anwesenden Einheimischen, die diese bewundernd betrachten. Ich tröste mich mit einem frischen Weißbier und einem exzellenten Wurstsalat. Alfred spendiert abschließend noch einen Fund- bzw. Frustschnaps. In der Nacht habe ich zwei seltsame Träume. Im ersten erhalten Peter und ich eine E-mail ohne Absender mit folgendem Inhalt:
Biergarten, Frauenberger StubnZur Steinbeilsuche: Leider wird das schwierig werden. Ein Landwirt hat schon Holz geschlagen, ich glaube für einen Zaun, und außerdem sind schon Wachhunde gesichtet worden....
ganz abgesehen davon, dass Kunstschätze nicht ins Ausland... usw...
Im zweiten bin ich eine Wespe und  bewundere Peters Fund und möchte ihn vielleicht doch stechen - nein..... Als ich am nächsten Morgen die Fotos von der Exkursion betrachte, bin ich mir nicht mehr sicher ob Träume nur Schäume sind.

Siegfried Ramsauer

 

 

"Wer suchet der findet?" oder "Die Bibel hat nicht immer recht"

Aus dem Tagebuch eines archäologisch Interessierten.
Feldbegehung KäufelkofenDienstag, 16. April 2013.

Dunkle Regenwolken peitscht der Westwind über den Himmel, als ich an diesem typischen Apriltag zum Einführungskurs für Feldbegeher und die es werden wollen, fahre. Irgendwie verheißt der finstere Himmel nichts Gutes. Halt, nur nicht vergessen den 1. Vorsitzenden abzuholen, sonst sieht es noch düsterer aus.
Als ich Käufelkofen erreiche, sehe ich einen sportlich wirkenden, mir bekannten E-Biker, der mit wehendem grauem Haar und einem elegantem Schlenker in die Hauptstraße Richtung Landshut einbiegen will. Geldners Peter wird doch nicht bei diesem Wetter, bei dem die Wolken gerade noch ihr Wasser halten können, mit dem Radl nach Kopfham fahren. Ich überlege kurz, ob ihn mitnehmen soll  oder ganz unauffällig vorbeifahr...., aber ich bin ja nicht nachtragend. Ich "schneide" ihn gekonnt vom Radl und weise auf die Wolkenpracht über seinem Haupt hin. Er mosert kurz, dass ich angeblich wieder einmal zu  spät dran sei, wendet aber dann doch sein Elektrovehikel. Ich fahre zurück zur Geldnerischen Villa und warte ............ Da, endlich kommt er schiebender Weise schnaufend die Steigung herauf. Wer sein Radl liebt, ..... bemerke ich bedauernd. Peter wirkt etwas genervt, gibt aber dann mit einem etwas gequälten Gesichtsausdruck zu, ohne Akku gestartet zu sein, was ihm aber erst bei der Rückfahrt zu seinem Haus unangenehm aufgefallen sei. "Da hab`ich jetzt aber etwas gut, da du sonst die ganze Strecke hättest fleißig strampeln müssen", bemerke ich gutgelaunt. Peter teilt meine gute Laune nicht. Das soll jemand verstehen.
Nach kurzer Fahrt biegen wir bei Kopfham links ab und warten auf einer Seitenstraße auf die restlichen Scherberlsucher. Als die ersten eintreffen, beginnt es zu regnen. Na prost. Insgesamt finden sich nach und nach die Hobbyarchäolologen ein und auch unser Lehrer Thomas Richter, seines Zeichens Kreisarchäologe, trifft ein. Der Weg der Gruppe führt nun zu einem Feld östlich des Weilers Reitberg. Dort werden wir vom Kreisarchäologen genau instruiert, was man bei den Feldbegehungen beachten muss, angefangen von Betretungsregeln der Grundstücke wie z.B. Beachtung der Vegetationszeiten bis hin zum richtigen Erfassen der Funde mittels GPS. Nach der Theorie freuen sich schon alle darauf, endlich das Erlernte praktisch umsetzen zu können.
FeldbesprechungLeider müssen wir  aber feststellen, dass das zu untersuchende Feld für unsere Zwecke äußerst unordentlich abgeerntet und immer noch mit einem fast undurchdringlichen Restbewuchs bedeckt ist. So wird es eher die berühmte Suche im Heuhaufen als ein erfolgversprechendes Absuchen nach Artefakten der Vorzeit. Und das Volk murrt. Um es wieder milde zu stimmen, organisiert Thomas Richter eine Betretungsgenehmigung eines anderen Feldes, das etwas südöstlich von Reitberg in der Nähe einer Villa Rustica, also eines römischen Gutshofes, liegt. Nach kurzem Marsch erreichen wir das "gelobte Land", zumindest scheint es uns so, da hier nicht nur sauber abgeerntet ist, sondern der nette Bauer auch schon alles wunderbar für die Aussaat hergerichtet hat. Auch der Wettergott scheint mittlerweile auf unserer Seite zu sein und hat die dunklen Regenwolken vom Himmel gefegt. Alles scheint perfekt, wie uns dies, im wahrsten Sinne des Wortes, die Sonne gerade wohlig warm vermittelt. Alles? Nach einiger Zeit denke ich mir, irgend etwas fehlt, während wir, wie vor kurzem erst gelernt, in genau vorgegebenen Abständen das Feld generalstabsmäßig absuchen. Genau!! - archäologische Artefakte - wie Terra sigillata, Nägel von römischen Sandalen oder gar eine römische Münze. Die Scherben die ich dann doch finde und unserem Lehrer Thomas zeige, werden von diesem als höchstens mittelalterlich, meist aber sogar als neuzeitlich eingestuft. Obwohl ich anderer Meinung bin, besteht der Kreisarchäologe auf seinem Urteil. Um endlich etwas Spektakuläres vorweisen zu können schalte ich sportlich einen Gang höher und überhole meine männliche Konkurrenz. Geht doch, bin erster. Auch die weiblichen Teilnehmer liegen bereits weit hinter mir. Leider bringt auch meine Turbosuche nicht den gewünschten Erfolg. Gott sei Dank geht es manch anderem (langsameren) des Lehrgangs auch nicht besser mit dem Finden. Nur die Damen, die ich flott überholt habe, sollen nach Aussage unseres Lehrmeisters römische "Sachen" gefunden haben, weil sie angeblich so genau und langsam gesucht haben. Sie hatten halt mehr Glück, denke ich mir.
Als wir näher zu dem Gelände, in dessen Umfeld sich die Villa Rustica befindet soll, kommen, gibt unser Kursleiter das Kommando zum Umkehren. Meine Meinung: Äußerst verdächtig. Dafür dürfen wir jetzt unsere Funde per GPS einmessen. Wer nichts gefunden hat, darf zum Trost die GPS-Technik mit Funden der Finder lernen. Vermutlich eine sehr subtile Art der Erziehung. Mein Argument, dass das ausgewählte Feld nicht besonders viel Vorgeschichtliches enthalten würde, wird dann auch von Herrn  Richter mit dem lapidaren Satz "Das schärft die Aufmerksamkeit und Suchgenauigkeit" abgetan. Wenigstens scheint die Sonne....
Fazit: Schön ist es allemal mit Gleichgesinnten Neues zu lernen, an Erfahrungen reicher zu werden und dabei noch an der frischen Luft zu sein.

Siegfried Ramsauer

 

 

Hügelgräber - Verbindung zwischen gestern und heute

Aus dem Tagebuch eines archäologisch Interessierten.
Dienstag, 21. Juni  2013.

HügelgrabFrage: Was ist das Beste, um ein Hügelgrab, insbesondere in einem Wald gut darstellen zu können bzw. es fotografisch herauszustellen? Nun, ganz einfach; man nehme einen noch lebenden Menschen und bitte ihn sich vor, hinter oder auf ein Hügelgrab zu stellen. Und schon hat man einen aussagekräftigen Bezugspunkt zu dem Objekt Hügelgrab, zum Ersten für Höhe, Ausdehnung oder auch der Einebnung (Verschwinden oder gar Zerstörung).
Aber es entsteht für mich noch ein weiterer  Bezug. Auf der einen Seite ein einfacher Erdhügel, auf der anderen Seite ein Mensch unserer Tage. Ein Grab unserer Vorfahren und wir, die darauf blicken. Eine Situation die wir auch heute des Öfteren erleben, wenn auch wesentlich direkter. Wir erinnern uns an verstorbene Menschen, vor allem die uns nahe gestanden haben, noch sehr intensiv. Aber je länger der Zeitpunkt sich in die Vergangenheit verschiebt, desto weniger wissen wir über diese Menschen. Ab den Großeltern kennen wir persönlich nur noch Fragmente bzw. das was uns erzählt worden ist.
Hügelgräber_GebersdorfDanach sind es Aufzeichnungen in Wort und Bild und dann nur noch mündliche Überlieferungen. Und auch diese fehlen ab einer bestimmten Zeit. Dann bleiben nur noch die stummen Zeugen der Vergangenheit wie Gebäudlichkeiten, Siedlungsspuren, Felszeichnungen, Werkzeuge und Knochen.
Eine Sonderstellung nehmen die Bestattungen der Menschen ein, die sich bis in die Zeit vor rund 100.000 Jahren (Qafzeh, Israel) zurückverfolgen lassen. Bestattungen in Hügelgräbern sind bis in die Steinzeit nachgewiesen. Hügelgräber in unserer Gegend stammen meist aus der Hallstattzeit, 800 bis 475 v.Chr.
Um diese nicht nur auf der Karte zu lokalisieren,  sondern vor Ort zu suchen und zu fotografieren unternehmen Peter Geldner und meine Wenigkeit im Juni diesen Jahres einen kleinen Ausflug in die Nähe von Gebersdorf, Gemeinde Rottenburg a.d. Laaber. In einem großen Waldstück ca. 1 km nördlich des Ortes, sind in der Karte einige Gräberfelder vermerkt, die wir erkunden wollen.
Hügelgräber_GPSDabei behilflich ist uns das GPS, das nicht nur zur Orientierung und Suche, sondern auch zur Fixierung der Koordinaten sehr nützlich ist. Eine weitere Hilfe auf der Suche nach den Hügelgräbern ist Peters Spürhund Maxi. Dank GPS und Maxis Nase finden wir alle auf der Karten vermerkten Gräber, die meist sehr gut erhalten und auch von der Größe her äußerst imposant sind. Leider müssen wir feststellen, dass einzelne Gräber durch den Straßenbau angeschnitten sind und ein weiteres anscheinend von Raubgräbern heimgesucht wurde, da sich genau in der Mitte ein verdächtiger Trichter befindet.
Alles in allem ist es ein interessanter und etwas nachdenklich stimmender Ausflug.  Man kann nur hoffen, dass diese Zeugen einer längst vergangenen Kulturepoche, weiterhin durch den Wald vor Erosion und Pflug geschützt werden. Vor allem aber sollten wir uns immer bewusst sein, es sind nicht nur Bodendenkmäler, sondern Gräber von Menschen, die letzten Ruhestätten unserer Vorfahren, die wir mit gleichem Respekt behandeln sollten, wie die Friedhöfe unserer Zeit.

Siegfried Ramsauer

 

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