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Stadt und Landkreis Landshut - Brennpunkte der Geschichte

Über Jahrtausende war der heutige Landkreis Landshut eine der am dichtesten besiedelten Gegenden Mitteleuropas. Um 5600 v. Chr. wanderten die ersten Bauern ein, rodeten Siedlungsinseln in die Wälder und gründeten die ersten Dörfer. Aus allen Epochen, die seither ins Land gegangen sind, haben die Forscher großartige Funde geborgen und faszinierende Entdeckungen gemacht.
Hier in Stadt und Landkreis Landshut  gibt es besonders viele Bodendenkmäler und zahlreiche archäologische Funde. Immer wieder kommen sie mehr oder weniger zufällig durch Bodenbearbeitung zu Tage. Es handelt sich  zum Beispiel um Fundamentreste, Steingeräte, Silexwerkzeuge (Feuerstein), Keramik, Metallschlacken (Eisenschmelzen), Hüttenlehm (neolithische Siedlung, Wandreste).
Auch wenn es sich oft nur um Bruchstücke handelt, lassen sie sich häufig bestimmten Perioden und einzelnen Kulturen zuordnen. Unterscheidungsmerkmale sind die typischen Formen, Muster und Materialien.


Eine Auswahl interessanter archäologischer Funde und Fundorte in Stadt und Landkreis Landshut:
 

Altdorf

Ein halbfertiges Steinbeil aus Altdorf
Ein Stein aus der Steinzeit – aber ein Werkstattfund

Halbfertiges SteinbeilFeldbegehungen sind immer wieder spannend. Selbst Plätze, die man schon hunderte Male abgegangen ist, erbringen oft noch neue interessante Funde. So ist ein völlig unscheinbarer Stein dann plötzlich eine spannende Angelegenheit, wenn man zuhause die Erde abgewaschen hat. Auf der einen Seite sieht das Fundobjekt noch recht einfach aus, kantig mit groben Absprengungen. Dreht man es ein wenig hin und her, entdeckt man einige wenige, aber dafür sehr glatt polierte Stellen. Schon bald kann das geübte Auge den „gewollten Gegenstand“ erahnen. Es hätte ein Dechsel, ein Schuhleistenkeil werden sollen. Alle Grundformen sind schon grob geschlagen, nur die Feinarbeit stand noch an. Warum das Steinbeil aber nicht mehr fertig gestellt wurde, ist und bleibt für immer ein Rätsel.
Hier im Isartal sind an sich sowieso alle Steine, die keine Isarkiesel sind, schon verdächtig und verlangen ein genaues Betrachten. Die Finderin Christina Wolf von arLan, Verein für Archäologie Stadt und Landkreis Landshut, die im Museum Adlhoch-Haus in Altdorf in der Museumspädagogik mitarbeitet, erzählt, dass es speziell für Kinder sehr aufschlussreich ist, wenn man derartige Funde herzeigen kann. Die schönen fertigen Originale liegen in Museumsvitrinen, nur zum Anschauen. Den Herstellungsweg aber kann man mit so einem Stück sogar noch selber nachempfinden. Mit einem einfachen Granitbrocken kann der Versuch gemacht werden ein Beilchen nachzuarbeiten und so zu erfahren, wie unendlich viel Schweiß, Mühe und Geduld es braucht, um ein für uns heute so einfaches Werkzeug wie ein Steinbeil herzustellen.
Das leicht  grün-schwärzliche Material ist noch nicht bestimmt, die Zeitstellung ist auch noch nicht klar, denn der Fundort war die gesamte Jungsteinzeit lang bekannt.

Monika Weigl, Kreisheimatpflegerin für Archäologie im Landkreis Landshut

 

Ein winziges Obsidian-Teilchen  vom Acker bei Altdorf - klein, aber sensationell!

ObsidianFeldbegehungen erbringen immer wieder überraschende Dinge. Helmut Böhm, ein Mitglied von arLan – Verein für Archäologie und Bodendenkmalpflege im Landkreis Landshut, fand bei einer routinemäßigen Begehung auf einem Altdorfer Acker ein kleines graues Glasteilchen. Die eigenartige Farbgebung von durchsichtigem Grau bewog Helmut Böhm, genauer hinzuschauen. Normalerweise ist für einen erfahrenen Feldbegeher so ein kleines „Silex“-Teilchen so wenig spektakulär, das es sich kaum lohnt, es aufzuheben. Daheim aber, nach dem Waschen, war es plötzlich kein Feuerstein mehr .....
Das Material war durchscheinend, stark glänzend, somit anders als die im Landkreis Landshut anzutreffenden gängigen Silexfunde.
Auf dem monatlichen Archäologiestammtisch gingen die Meinungen der Amateurarchäologen dann auch in alle Richtungen, keinem war bisher Derartiges etwas bekannt.
So traf es sich gut, dass auf dem Ende Oktober in Wien statt gefundenen internationalen ÖGUF-Symposium einige Experten steinzeitlicher Werkstoffe anwesend waren und Kreisheimatpflegerin Monika Weigl diesen den Fund vorlegen konnte. Magister Michael Brandl, Mitglied der Prähistorischen Kommission der Akademie der Wissenschaften, Ur- und Frühgeschichte der Uni Wien und seine Kollegin Dilek Cetin-Draskovits begutachteten das nur 3 cm x 1,5 cm große Bruchstück einer Klinge. Beide bestätigten sofort „Obsidian“. Aufgrund  der Farbe, der Einschlüsse und der Bänderung dieses vulkanischen Glases, musste es Obsidian sein. Michael Brandl bestimmte das hierzulande sehr selten anzutreffende Obsidianteilchen als Fragment eines Messers. Den Bearbeitungsspuren nach datierte er es in die Jungsteinzeit. Klingen aus diesem vulkanischen Glas sind zwar in ganz Europa bekannt, für Niederbayern ist es jedoch eine absolute Rarität. Wie Dr. Bernd Engelhardt von Denkmalamt Niederbayern bemerkte, ist nur noch ein weiteres Obsidianstück bekannt. Im Institut von Prof. Dr. Ernst Pernitzka sollen Analysen zu Materialeigenschaften und dem eigentlichen Herkunftsort durchgeführt werden, vieles deutet auf Nord-Ost-Ungarn.  Die archäologische Ausstellung im Museum Adlhoch-Haus Altdorf ist erneut durch einen überregional bedeutenden Fund reicher. Dieses kleine Obsidianstückerl bestätigt die herausragende Lage Altdorfs am Rande des Isartals mit ihren West-Ost und Nord-Süd- Handelskontakten, die schon vor rund 5500 Jahren bestanden haben.

 

Altheim

Fund eines christlichen Kreuzes aus Goldblech

Über Jahrtausende war der heutige Landkreis Landshut eine der am dichtesten besiedelten Gegenden Mitteleuropas - und ein Brennpunkt der Geschichte. Um 5600 v. Chr. wanderten die ersten Bauern ein, rodeten Siedlungsinseln in die Wälder und gründeten die ersten Dörfer. Aus allen Epochen, die seither ins Land gegangen sind, haben die Forscher großartige Funde geborgen und faszinierende Entdeckungen gemacht.

In Altheim wurden alemannische und ostgotische Fibeln in bajuwarischen Gräbern gefunden, außerdem ein christliches Kreuz aus Goldblech, eines der ältesten Zeugnisse des Christentums in unserer Heimat.

 

Essenbach

Fund eines römischen Ziegelbrennofens

Über Jahrtausende war der heutige Landkreis Landshut eine der am dichtesten besiedelten Gegenden Mitteleuropas - und ein Brennpunkt der Geschichte. Um 5600 v. Chr. wanderten die ersten Bauern ein, rodeten Siedlungsinseln in die Wälder und gründeten die ersten Dörfer. Aus allen Epochen, die seither ins Land gegangen sind, haben die Forscher großartige Funde geborgen und faszinierende Entdeckungen gemacht.
In Ergolding und Essenbach gab es zwei römische Landgüter (villae rusticae). In Essenbach wurde ein kompletter römischer Ziegelbrennofen ausgegraben.
 

Hornsteinknollen, FlintsbachEine empfehlenswerte Wanderung:

Der römische Ziegelbrennofen wurde komplett in einem Stück in das Ziegel- und Kalk-Museum Flintsbach (94577 Winzer, Tel.: 08545/91041) transportiert und dort wieder originalgetreu eingegraben.
Dort kann außerdem ein imposanter Ringofen, mit einer Grundfläche von mehreren hundert qm, begangen werden, in dem bis 1968 Kalksteine und Ziegel gebrannt wurden.
Eine kleine Wanderung führt zu einem ehemaligen Kalksteinbruch und den steinzeitlichen Silexabbaustellen. Die bedeutenden Vorkommen an Kieselnierenkalken (oder Hornstein, Feuerstein, Flint, Silex, häufig in Knollenform) waren sehr begehrt zur Herstellung von Werkzeugen und Waffen.

 

Bruckberg

Küchenmesser der frühen Keltenzeit aus Bruckberg, Mooswiesen
(Jüngere Hallstattzeit, ca. 550 v. Chr.)

Keltisches Messer1984 untersuchte das Bayer. Landesamt f. Denkmalpflege in der Flur "Mooswiesen" bei Bruckberg einige durch den Pflug gefährdete, sehr stark verebnete Grabhügel. Im Zentrum einer dieser planierten Grabhügel entdeckte man das Skelett einer jungen Frau. Die Verstorbene lag in einer hölzernen, 3,3 m x 3,3 m großen Grabkammer.  Zusammen mit der Frau hatte man ein sechs- bis siebenjähriges Kind brandbestattet, wobei man die aus dem Scheiterhaufen ausgelesenen, verbrannten Knochenflitter neben dem rechten Unterschenkel der Frau ins Grab gestreut hatte.
Die Frau war in ihrer Festtagstracht beerdigt worden, wovon sich freilich nur der Schmuck erhalten hatte.  So trug sie an jedem Ohr einen Satz aus sieben kleinen Ringlein, auf jeder Schulter eine Brosche, um den Hals eine gedrechselte Bernsteinperle und an jedem Arm drei gerippte Ringe. Zusätzlich schmückte den Gürtel ein großes Zierblech aus Bronze. Die Grabausstattung vervollständigte ein Satz Prunkgeschirr. So fand sich in der Nordwestecke der Grabkammer ein großer Topf mit einem Schöpfgefäß darin für das Getränk, ein kleinerer Topf wohl für die Beilage und eine Schale zum Kredenzen des Fleisches. Zu Füßen der Toten stand ein Topf, das persönliches Essgeschirr der Verstorbenen.
Was im Jenseits gespeist werden sollte ließ sich auch feststellen: Kalbsbraten. Dies belegen die Knochen der besten Fleischteile eines Kalbes, die gegenüber der Verstorbenen an der Grabkammerwand lagen.  Das abgebildete Messer hatte man zwischen der Toten und dem aufgestapelten Kalbfleisch gelegt. Damit wird die Funktion des Messers deutlich: das Messer sollte zum Portionieren des Kalbfleisches dienen und war somit ein Küchenmesser.
Das 32 cm lange, leicht geschwungene Küchenmesser ist aus Eisen geschmiedet. Die beiden mit Kreisaugen verzierten Griffschalen aus Knochen befestigen fünf Nieten am Messer. Am Griffende befindet sich ein kleine Öse. So konnte etwa mit einem Lederriemen das Messer am Gürtel befestigt werden.
Grabbau wie auch Grabausstattung ordnet die verstorbene junge Frau einer gehobenen Mittelschicht zu. Vielleicht war sie die Besitzerin eines durch Luftbilder und Geomagnetik erschlossenen, unfern entdeckten Gutshofes dieser Zeit.

Bernd Engelhardt

 

Frauenberg

Einige besonders interessante Fundstücke aus Frauenberg

Wir leben im Raum Landshut in einem archäologisch sehr interessanten und fundreichen Gebiet. In der Jungsteinzeit, vor etwa 7000 Jahren, begannen die Menschen hier sesshaft zu werden, betrieben Ackerbau, entwickelten handwerkliche Fähigkeiten, und haben ihre Spuren hinterlassen. Besonders die Bergrücken hoch über dem Isartal gelegen, waren günstige Siedlungsorte, boten Schutz und gutes Ackerland, zum Beispiel um Frauenberg, Reithof, Sittlkofen, Birnkofen, Stallwang.
Hier gibt es zahlreiche Bodendenkmäler und immer wieder Oberflächenfunde, wie Steingeräte, Silexwerkzeuge (Feuerstein), Keramik, Metallschlacken oder Hüttenlehm, die seit mehreren tausend Jahren im Boden liegen und mehr oder weniger zufällig durch Bodenbearbeitung zu Tage kommen.
Einen materiellen Wert haben diese Funde zwar nicht, aber sie sind für den Archäologen wertvoll, weil sie sich auf Grund von Material, Form, Muster etc. bestimmten Kulturen zuordnen lassen und damit beweisen, dass die Gegend seit der ältesten Jungsteinzeit, der Linienbandkeramischen Kultur, über die Altheimer Kultur bis hin zu Hallstatt- und Latenezeit durchgehend besiedelt war.

Ein Silexdolchblatt aus Frauenberg

Ein außergewöhnlicher und seltener Fund ist ein Silexdolchblatt aus der Altheimer Kultur um 3600 v. Chr., welches nicht aus dem üblichen einheimischen Silexmaterial (Feuerstein, Flint, Hornstein) hergestellt wurde sondern aus norditalienischem Silex, was beweist, dass schon vor vielen tausend Jahren Handelsbeziehungen über die Alpen bestanden.

Silex-Dolchblatt, Frauenberg

Ein besonders profunder Kenner dieser Silexvarietäten und der Süd-Nord-Verbindungen zwischen Südbayern und Oberitalien  im späten Jungneolithikum ist Dr. Andreas Tillmann, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, der das Fundstück begutachtete und im Jahresbericht „Das Archäologische Jahr in Bayern 2011“ Seite 29, ausführlich beschreibt.

Ein kurzer Auszug daraus:

Grüße aus bella Italia –
Ein jungneolithisches Silexdolchblatt aus Frauenberg
Stadt Landshut, Niederbayern
….
Seit vor etwa zwanzig Jahren eine erste Kartierung jung- und endneolithischer Gastgeschenke des 4./3. Jahrtausends v. Chr. aus dem nördlichen Italien im bayerischen Alpenvorland vorgelegt wurde, gelten Handelsverbindungen über nahezu alle Alpenpässe als gesichert und konnten vereinzelt auch anhand botanischer Großreste italienischer Provenienz in Pfahlbausiedlungen des Bodensees bestätigt werden.
Der Handel über die Alpen zu jener Zeit stellt also ein Phänomen dar, das sich keineswegs auf Südbayern beschränkte, sondern auch von der Ostschweiz bis nach Kärnten straff organisiert war.

Im Berichtsjahr ist nun ein weiterer Mosaikstein dieses transalpinen Fundbilds im 4. Jahrtausend v. Chr. hinzugekommen. Am südlichen Ortsrand von Frauenberg, wenige Kilometer nordnordöstlich von Landshut, fand Alfred Geisselmann ein filigran gearbeitetes Dolchblatt, dessen seltener Werkstoff und fremdartige Form es als Importstück ausweisen. Kennen wir nun schon Dolchblätter aus gelben und roten Varietäten, so changiert beim Frauenberger Dolch die Farbe in allen Grautönen. Auffällig sind weiterhin einige mehrere Millimeter große, fast schwarze Einschlüsse sowie zahlreiche weiße, silifizierte Fossilienreste. Greifbar ist außerdem seine überaus feine Homogenität, die selbst winzigste Aussplitterungen erkennen lässt – ein Merkmal, das bei bayerischen Silexvarietäten bestenfalls an Arnhofener Plattensilex zu beobachten ist.

Ein abschließendes Urteil zur chronologischen Stellung des Dolchblattes ist nur schwer möglich; zu selten sind die wenigen Stücke absolut datiert, zu individuell ist ihre Formgebung. Seine reine Form erinnert in etwa an das Stück aus der Altheimer Siedlung Ergolding/ Fischergasse. Gegenständige Kerben an der Griffplatte und ein tatsächlich ähnliches Rohmaterial finden sich auch bei einem Dolch aus Pestenacker im Landkreis Landsberg a. Lech. Beide genannten Exemplare datieren in die Altheimer Kultur des 36./35. Jahrhunderts v. Chr.; etwa in diesem Zeitraum dürfte auch unser Frauenberger Stück beheimatet sein.

(Den vollständigen Text finden Sie in “Das archäologische Jahr in Bayern 2011”, herausgegeben vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und von der Gesellschaft für Archäologie in Bayern.


Steinwerkzeuge und Silexgeräte aus Frauenberg und Umgebung

Silex war das wichtigste Werkzeugmaterial der Steinzeit. Aus Kernstücken und Platten wurden Werkzeuge gefertigt. Für die hier gefundenen steinzeitlichen Silex-Werkzeuge wurde fast ausschließlich Jura-Hornstein (Hornstein / Silex / Feuerstein) verwendet. Von den  bläulich-grau gebänderten Platten oder Knollen, die damals zum Beispiel in Abensberg - Arnhofen gefunden oder abgebaut wurden, sind durch Abschläge scharfkantige Teile abgetrennt worden, die als Messer, Sichelklingen, Schaber oder Bohrer  wichtige Werkzeuge waren. Nach Weiterbearbeitung entstanden auch Beile, Dolche oder Pfeilspitzen.

Arch830x208silex2Neu
Arch_830x208Steinbeile

Aus zähem Gestein, zum Beispiel Amphibolit, wurden in der Jungsteinzeit (ca. 5000 bis 2200 v. Chr.) Werkzeuge und Waffen hergestellt (Axt, 12cm;  kleines Einsatzbeil, 6 cm;  Schuhleistenkeil, 10,5 cm und Steinbeilfragment;  Einsatzbeil, als Klopfstein verwendet, 7,5 cm).

 

Landshut

Ausgrabungen vor dem Turm von St. Martin in Landshut

Ausgrabung Landshut1983/84 mussten die unterirdisch verlegten Rohre und Kabel unter dem großen Straßenmarkt "Altstadt" in Landshut erneuert werden. Hierfür wurde der Straßenbelag großflächig entfernt und an vielen Stellen tiefer in den Boden eingegriffen. Dabei zeigte sich, dass das Straßenniveau zur Zeit der Stadtgründung 1204 mehrere Meter tiefer lag als heute.
Eine noch größere Überraschung aber war die Entdeckung der Fundamente mehrerer größerer Gebäude mitten in der heute unbebauten Fläche des Straßenmarktes.
Das größte dieser Gebäude fand man unmittelbar westlich des Turmes von St. Martin. Es erstreckte sich ursprünglich auch noch in das Areal des heutigen gotischen Kirchturms. Das stattliche Gebäude maß 16,5 m x 37,5 m.  Auf dem vom Martinsturm aus aufgenommenen Photo ist ein Teil der westliche Längsmauer dieses Hauses zu sehen. Nahe der Südwestecke erkennt man eine kleine Treppe, die von außen in das Gebäude hineinführt. Dieser Eingang war ursprünglich ebenerdig, wurde dann aber, als das Straßenniveau der Altstadt angehoben wurde, mit einer Treppe weiterhin zugänglich erhalten.
1989  wurden die Fundamente des Martinsturmes saniert, was es erlaubte, die Spuren des Gebäudes bis ganz zum Turm hin zu untersuchen. Es zeigte sich nun, dass das Gebäude einen breiten Mittelgang besaß, der längs durch das ganze Haus reichte. Dieser Gang ermöglichte es, Fuhrwerke in das Gebäude hinein und an der anderen Schmalseite wieder heraus zufahren.
Die Funktion des Baues wurde so offensichtlich: es handelte sich um die Reste einer Zehentscheuer oder Schranne, in dem die Bauern ihre Naturalsteuern ablieferten.
LA Modell SchranneDiese Schranne bildete zusammen mit dem campanileartig vom romanischen Langhaus von St. Martin abgesetzten Turm das Zentrum Landshuts im 13. Jahrhundert. Die drei Bauteile dieses Zentrums beziehen sich auch architektonisch aufeinander. So treffen sich die Längsachse des Kirchenschiffes mit der Querachse der Schranne im Turm, der seinerseits mit seinen Achsen eine Mittelstellung zwischen Schranne und Langhaus einnimmt.
Eine Vorstellung vom möglichen Aussehen dieser Trias gibt ein vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege nach den Grabungsplänen angefertigtes Modell. Übrigens kann eine ähnliche Kombination aus Kirchenschiff, abgesetzten Turm und Schranne heute noch in Erding besichtigt werden.
Bei dem abgebildeten Fund handelt es sich um eine Matrize aus massivem Kupfer. In der Matrize sind zahlreiche Motive eingetieft, in die Metallfolien gedrückt wurden, die so zu preiswerten Ornamenten geformt werden konnten. Dieser Folienschmuck wurde hauptsächlich für Devotionalien aber auch für den profanen Gebrauch hergestellt.
Die Matrize stammt aus einem Raum im Nordwestteil der Schranne. Die Schranne wurde beim großen Stadtbrand von 1342 in Mitleidenschaft gezogen. Da wenige Jahre nach dem Stadtbrand auch noch die Pest ausbrach, konnte sie nicht sofort wieder aufgebaut werden. Als dann endlich die Mittel hätten aufgebracht werden können, waren die Pläne für einen gotischen Neubau von St. Martin so weit gediehen, dass man erkannte, dass eine wiederhergestellte Schranne dem geplanten Kirchenbau im Wege stehe. Also richtete man lediglich den Westteil des Gebäude wieder her, von dem der Nordwestraum noch in der Zeit um 1500 von einer Werkstätte für Metallfolienarbeiten benutzt wurde.

Dr. Bernd Engelhardt, Landshut

 

Niedererlbach

Fund eines keltischen Bernstein-Kolliers

Über Jahrtausende war der heutige Landkreis Landshut eine der am dichtesten besiedelten Gegenden Mitteleuropas - und ein Brennpunkt der Geschichte. Um 5600 v. Chr. wanderten die ersten Bauern ein, rodeten Siedlungsinseln in die Wälder und gründeten die ersten Dörfer. Aus allen Epochen, die seither ins Land gegangen sind, haben die Forscher großartige Funde geborgen und faszinierende Entdeckungen gemacht.

Eine Fürstin aus der Hallstattzeit (750 - 450 v. Chr.) wurde bei Erlbach mit einem prächtigen Kollier aus rund 500 Bernstein-Perlen bestattet.

PDF-Datei öffnenUnser Vereinsmitglied Elmar Stöttner schrieb darüber einen interessanten Bericht, illustriert mit vielen Fotos:

 

 

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