ArLan

Altstraßen, Römerstraßen, Spurensuche

In unserem Verein  ArLan gehen wir den Spuren der Altstraßen nach. Sie sind im Gelände noch häufig zu finden, manchmal  aber nur mit modernster Technik, wie Laserscanning, zu entdecken. Hilfreich sind oft auch Hohlwege, Luftbilder oder Flur- und Ortsnamen.
Besonders interessieren uns die durch unseren Landkreis laufenden römischen Militärstraßen. Das bedeutet suchen nach Relikten einstiger Trassenführungen im Gelände oder in Wäldern.

Altstraßenforscher berichten:

 

 

Salzsäumer auf ihrem Weg über Kraiburg nach Landshut
Sie versorgten seit 1339 den Freitag-Wochenmarkt in Landshut

Der Heimatforscher Meinrad Schroll aus Mühldorf am Inn beschreibt im Rahmen seiner umfangreichen Altstraßenforschung den alten Handelsweg der Salzsäumer von Traunstein über Kraiburg nach Landshut.
Am 18. Mai 1339 erlaubte Herzog Heinrich XIV. den Bürgern von Landshut für die neugegründete Freyung, also auf dem von der St. Jodoks-Kirche beherrschten Platz, einen Jahrmarkt, die spätere berühmte Bartholomä-Dult, und einen Wochenmarkt. Dieser Wochenmarkt durfte dort jeden Freitag stattfinden und wurde neben den üblichen Marktwaren von den Salzsäumern mit Reichenhaller Salz beliefert. Das Salz wurde auf dem Rücken von Saumpferden, ab dem 15. Jahrhundert auch mit Salzwagen, innerhalb von zwei Tagesmärschen vom Salzstadel in Traunstein über Kraiburg, Buchbach und Velden nach Landshut transportiert. Der Weg entspricht rund 90 Kilometern.

Anschaulich beschreibt Meinrad Schroll in einzelnen Etappen die Straßenführung an Hand heute noch gut erkennbarer Altstraßen und Hohlwege und nennt die Flussübergänge, die Maut- und Zollstellen und die Tafernen.
Die letzte Etappe vor Landshut führte über Hinterskirchen, Wendsberg, Vils, Hagenau, Narrenstetten und Untergangkofen zu der aus Geisenhausen kommenden Altstraße, dann über Salzdorf und Berg zum Oberen Tor der Stadt Landshut

Den ausführlichen Bericht des Heimatforschers und Kreisarchivpflegers Meinrad Schroll, Mühldorf,
PDF-Datei öffnenkönnen Sie nachlesen in der PDF-Datei:Landshut.

 

 

Altwege zwischen Abens, Donau und Isar

Überreste eines Hohlweges bei Mitterfecking, Lkrs Kelheim
Überreste eines Hohlweges
Eine umfangreiche wissenschaftliche Arbeit über dieses Thema stammt von Johann Auer, Landwirt und Heimatkundler aus Passion, aus Dünzling, Gemeinde Bad Abbach.

Auf der Basis von mehr als 20 Jahre andauernden intensiven Begehungen und akribischer Kleinarbeit, hat Johann Auer das gesamte Altstraßennetz zwischen dem Donau- und Isartal im Gelände aufgenommen und seine kartographischen Ergebnisse durch Literatur-, Archiv- und Katasterplanstudien kritisch überprüft. Er ist dadurch in der Lage, das Altstraßennetz in römerzeitliche, mittelalterliche, früh- und neuzeitliche Routen und Systeme zu gliedern und stellt 21 verschiedene Trassen vor.
Erstmals wird mit dieser Arbeit ein flächendeckendes Altstraßennetz für den Untersuchungsraum seit der Römerzeit aufgrund überzeugender Geländebefunde fassbar, wobei sich ein ganzes Bündel von Römerstraßen von Eining, Weltenburg, Regensburg und Straubing in Richtung Süden ergibt, die z.T, wie beispielsweise im Falle Straubing, sogar noch zeitlich zu differenzieren sind.
Ein Anliegen von Johann Auer ist auch, darauf hinzuweisen, dass die fast ausschließlich in den Wäldern gelegenen Überreste der Altwege, Geleisbündel mit bis zu 40 einzelnen Fahrrinnen, Hohlwege bis zu einer Tiefe von 10 m und mehr, oder Dammstücke, heute allenthalben zugeschüttet und eingeebnet werden. Dadurch wir ein kulturelles Erbe vernichtet, das genauso wertvoll und deshalb ebenso schützenswert ist wie alte Bauten und andere Bodendenkmäler.

Prof. Dr. D.-J. Manske, Universität Regensburg, hat die Veröffentlichung der Arbeit tatkräftig unterstützt und in den Publikationen des Instituts für Geographie an der Universität Regensburg veröffentlicht. Der Bericht erschien in seiner Reihe „Regensburger Beiträge zur Regionalgeographie und Raumplanung“, Band 5/1999, Hrsg. R. Ehrig, D.J. Manske, E. Werner, Verlag M. Laßleben, Kallmünz.

PDF-Datei öffnenDas gesamte Werk mit zahlreichen Bildern und Karten können Sie nachlesen in der PDF-Datei.

 

 

Befestigungen und Burgen im Landkreis Kelheim vom Neolithikum bis zum Spätmittelalter

Der Altstraßenforscher Johann Auer zeigt mit seinem Buch die Besiedlungsgeschichte im Landkreis Kelheim auf. Eine Geschichte, die bereits im Neolithikum beginnt und sich bis in unsere Zeit weiter entwickelt. Die Kontinuität dieser Besiedlung wird von ihm eindrucksvoll mit der Beschreibung der Bodendenkmäler und insbesondere der Burgställe in alphabetischer Reihenfolge aufgezeigt, sodass sein Buch auch zu einem interessanten Nachschlagewerk für Bodendenkmal- und Burgenforscher geworden ist.

Er beschreibt aber nicht nur die heute noch im Gelände nachvollziehbaren Bauformen, sondern hat akribisch das Wissen über die einzelnen Denkmäler zusammengetragen und in den Archiven selbst erforscht. Die erste Beurkundung zahlreicher Orte reicht zum Teil bis ins 8. Jhdt. zurück. Damit ist aber nur nachgewiesen, dass zu diesem Zeitpunkt der Ort bestand, wie lange seine Gründung zurückreicht bleibt offen. Mit den Urkunden lassen sich Familien nachweisen, die bereits damals Macht und Einfluss hatten und zum Teil über Jahrhunderte gewirkt haben. Es ist anzunehmen, dass sich die Machtbasis dieser Familien zu einem frühen Zeitpunkt, evtl. sogar in der Römerzeit,  entwickelt hat.

Ausführlich geht Auer auf die zahlreichen Alt-Wege ein, die auch heute noch erkennbar und häufig mit angenommenen Ur-Wegen deckungsgleich sind. Dazu passt auch seine Feststellung, dass an den Trassen, insbesondere an deren Kreuzungspunkten, häufig frühgeschichtliche Wallanlagen und Burgen zu finden sind. Damit deutet sich ein Zeitpunkt der Entstehung ab, der deutlich vor der ersten Beurkundung anzusetzen ist.
Alt-Wege bezeichne ich gerne als Lebensadern für die Entwicklung einer Region. Diese enden nicht an den Landkreisgrenzen, sondern gehen auch über unseren Landkreis Landshut hinaus, auch darauf geht Auer immer wieder ein.

Ich bedanke mich bei Johann Auer, dass er sein Wissen in diesem großartigen Werk zusammengetragen und sein Einverständnis zur Veröffentlichung in unserer Homepage gegeben hat.

Peter Geldner

Das gesamte Werk mit zahlreichen Bildern und Karten können Sie nachlesen in der PDF-Datei.
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1. Römerräder in Rätien und Noricum. Unterwegs auf römischen Pfaden
2. Weitere Begehungen von römischen Straßen in Rätien, Noricum und Pannonien

Hans Jell, Josef Stern, Walter Mayer
Hans Jell, Josef Stern, Walter Mayer
Seit fast vierzig Jahren beschäftigt sich Josef Stern aus Wimpasing in Österreich mit der Erkundung des Verlaufes römischer Straßen in seiner Heimat in Österreich und in Südbayern mit großem Erfolg. Seine Erkenntnisse hat er in zwei Werken: 1994 „Wo Römerräder rollten“ und 2002 „Römerräder in Rätien und Noricum“ (RÖ 25) zusammen mit der Österreichischen Gesellschaft für Archäologie in Wien veröffentlicht.
Sein Beruf als Landwirt kam ihm dabei sicher maßgeblich zu Hilfe, denn er forscht nicht nur im stillen Kämmerlein, vielmehr ist er hauptsächlich im Gelände unterwegs und hat so einen besonderen Blick für die Geländeformationen entwickelt. Dadurch konnte er viele Spuren ehemaliger römischer Straßen im Gelände feststellen.
In manchen Publikationen werden die Entfernungsangaben der Tabula Peutingeriana und das Itinerarium Antonini in einen Topf geworfen und miteinander verglichen. Diese Vorgangsweise bringt oftmals falsche Ergebnisse. Josef Stern der Praktiker nimmt allerdings die überlieferten Meilenangaben ernst und versucht, diese in das Gelände umzulegen.
2014 brachte er den Ergänzungsband „Weitere Begehungen von römischen Straßen in Rätien, Noricum und Pannonien“ heraus. In diesem Bändchen hat er nun Ergänzungen festhalten, die sich nach erneuten Geländebegehungen in den letzten zehn Jahren ergeben haben.

Wir danken Josef Stern für seine Genehmigung, die Forschungsergebnisse welche unsere Region betreffen, in Auszügen aus seinen Büchern auf unsere Website zu übernehmen.

Hans Jell

In den PDF-Dateien finden Sie Auszüge aus den Büchern:
PDF-Datei öffnenRömerräder in Rätien und Noricum. Unterwegs auf römischen Pfaden.
PDF-Datei öffnenWeitere Begehungen von römischen Straßen in Rätien, Noricum und Pannonien

 

 

Römische Militärstraßen,  Spuren und Geschichte antiker Straßenzüge

Zur Ost- Westverbindung der sog. Isartalstraße.

(Auszug aus dem Buch von Werner Hübner „Römerstraßen im Isartal“ Seite 22)
“In der Mitte des 1. Jhdt. entstand dann von Augsburg aus eine Fernstraße über Freising ins Isartal, das Isartal abwärts zum Donausüdufer bei Moos-Burgstall südl. Plattling. Dort traf die sog. „Isartalstraße“ auf die von Burghöfe-Oberstimm über Eining-Weltenburg-Kumpfmühl-Straubing-Künzing nach Passau und Noricum führende Donausüdstraße.”

Zur Nord- Südverbindung über den Brenner kommend nach Regensburg
(Auszug aus dem Buch von Werner Hübner „Römerstraßen im Isartal“ Seite 22)
“Die zweite römische Fernstraße überquerte ca. 130 Jahre später das Isartal unterhalb östlich der späteren Stadt Landshut von Süd nach Nord und kreuzte dabei die bereits seit Mitte des 1. Jhdts. bestehende Isartalstraße.”

Werner Hübner gibt in seinem Buch deutliche Hinweise die für diese Wegführungen, insbesondere für die der Nord- Südverbindung, sprechen. Er zeigt auf, dass aber mit den veränderten Bedingungen - Regensburg wurde im Jahr 357 n.Chr. durch die Juthungen zerstört und das Legionslager nach Vallatum (Manching) verlegt - , die Wegführung unterhalb von Landshut als Fernstraße an Bedeutung verlor. Erst ab diesem Zeitpunkt erscheint eine Wegführung durch das heutige Landshut über das Kumhauser Tal als sinnvoll. Einen Hinweis für diese Theorie brachte die Ausgrabung (1996) durch Prof. Dr. Bender, der bei Ohu eindeutig eine Nord-Süd orientierte, also in Richtung der Straßburg zeigende, Römerstraße nachweisen konnte.
Eine Gruppe in unserem Verein versucht durch Begehungen und Literaturrecherchen, aber auch insbesondere über Kontakte mit geschichtlich Interessierten, weitere Indizien für diese beiden römischen Miltärstraßen und für die so zahlreich vorhandenen Altstraßen zu finden. Wir wollen damit einen Beitrag leisten, dass diese uralten Kulturgüter nicht endgültig verloren gehen und freuen uns über jede Unterstützung.

Das Buch ist nicht mehr erhältlich, daher hat uns Werner Hübner erlaubt, die gesamte Ausgabe als PDF-Datei auf unserer Website zu veröffentlichen. Seit der Veröffentlichung im Jahr 1996 gibt es zu einigen Aussagen im Buch neue Forschungsergebnisse. Entsprechende aktuelle  Ergänzungen werden ggf. nachträglich noch eingefügt.
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Römische Münzen auf dem Acker in Ellermühle

Ein Vortrag von Vitus Lechner und Sabine Zeitner-Kumpfmüller über die Geschichte von Bruckberg und Gündlkofen im Rahmen des Veranstaltungsprogramms des Vereins Arlan, war der Anlass für Rudi Sagberger aus Ellermühle über einen Fund vor 45 Jahren auf einem Acker zu berichten. Es handelte sich um vier alten Münzen, deren Herkunft und Bedeutung damals nicht festgestellt werden konnte. Sie wurden fast vergessen, aber bis heute aufbewahrt.

Er übergab sie nun dem Arlan-Vorsitzenden Peter Geldner, der sie im Landesamt für Denkmalpflege genauer untersuchen ließ. Das Ergebnis war eindeutig und ist ein weiterer Baustein bei der Suche nach dem genauen Verlauf der römischen Militärstraße.

PDF-Datei öffnenDen ausführlichen Bericht von Gabi Lössl in der Landshuter Zeitung vom 17. März 2015 finden Sie in der PDF-Datei:

 

 

Spurensuche nach den römischen Militärstraßen im Raum Landshut

Grundsätzliches zu den römischen Militärstraßen im Raum Landshut:

Römische Militärstraße 1 – die Ost-Westverbindung -

Auszug aus dem Buch von Werner Hübner
Kaiser Claudius 41-54 n.Chr. erbaute die römische Militär- und Fernstraße von Augsburg-Niedererlbach (archäologischer Nachweis Übergang bei Weixerau) über die Isar auf das Nordufer bei Peterau / Münchnerau - äußerer Rennweg - St. Nikola - Hofmark-Aich zur jetzigen Bundesstraße bei Piflas – Albing – Gaden – Ohu – Ahrain - Wörth / Isar (archäologischer Nachweis siehe Bayernatlas) zum Donausüdufer bei Moos/Plattling. Diese Trasse ist teilweise auch im Raum Landshut archäologisch gesichert.

Römische Militärstraße 2 – die Nord-Südverbindung -

Die 2. bedeutende Militär- und Fernstraße in unserer Region entstand um 170 n. Chr. und führte vom Brenner kommend nach Regensburg. Diese überquerte die Isar mit hoher Wahrscheinlichkeit hier an oder in der Nähe der Straßburg. Archäologische Nachweise zu dieser römischen Straße finden wir im Moment nur bei Haag / Wasserburg, als nächsten nördlichsten Punkt, dann am westlichen Ortsausgang von Ohu und als nächsten südlichsten Punkt lt. Bayernatlas in Schierling und dann weiter bis Regensburg.
Weiter schreibt Werner Hübner:
Diese Nord-Südverbindung verlor ca. 300 n. Chr. ihre Bedeutung, da in spätrömischer Zeit das Kastell in Regensburg von den Römern weitgehend aufgegeben wurde.  Der römische Präfekt befehligte ab diesem Zeitpunkt seine Legion von Vallatum, dem heutigen Manching, aus. Ab diesem Zeitpunkt könnte die angesprochene Nord-Südverbindung von Manching kommend aus dem Pfettrach- oder Further Tal über Altdorf, Hascherkeller  zum Isarübergang, vermutlich bei der Heiliggeistkirche, dann weiter über Achdorf geführt worden sein, um im Raum Hohenegglkofen wieder auf die alte römische Nord-Südverbindung zu stoßen.
Dieser Ansatz wird durch einige wenige Funde im Raum Weihmichl gestützt. Der neuere, also um 300 n.Chr. angelegte Trassenverlauf  könnte dann  durch das heutige Landshut gegangen sein. Als Beweis dafür wird von Prof. Dr. Spitzlberger der Fund einer römischen Münze in Achdorf angeführt.

Im unter Kaiser Caracalla (211-217 n.Chr.) angelegten Straßenverzeichnis (Itinerarium Antonini) wird die römische Straßenstation (JOVISURA/JOVISARA/AD ISARAM) aufgeführt. Diese Station wird im Raum Landshut vermutet, allerdings gibt es zu ihrem Standort verschiedene Ansätze.

Drei Lesarten sind für diese Straßenstation geläufig:

Dazu wieder aus dem Buch von Werner Hübner Römerstraßen im Isartal Seite 25

Das Itinerarium Antonini:
Straßenstationsverzeichnis nach Kaiser Caracalla  (211-217 n.Chr.) als mittelalterliche Handschrift. Dort findet sich die namentliche Bezeichnung einer Straßenstation „AD ISARA(M)“ oder anders gelesen „JOVISURA“ im Strecken-verlauf der Straße Brennerpaß-Innsbruck-Pons Aeni (bei Rosenheim)-Turum (Haag?Dorfen?)-Ad Isara(m)-Regensburg.

Ad Isaram = Ort östlich des heutigen Landshut?
Eine Urkunde, in welcher Isaram aufgeführt wird, zeigt, dass noch im Jahre 990/1000 der Name Isaram eine geläufige Ortsbezeichnung war. Dazu findet sich auf unserer Homepage  / Ortsgeschichten / Landkreis und Gemeinden / Vilsbiburg / unter “Die Grenzbeschreibung des Bistums Freising und der Urpfarrei Hohenegglkofen vom Jahr 990/1000” eine interessante Ausarbeitung von Peter Käser.
Wenn man die anhängende Pdf-Datei öffnet, stößt man  auf Seite 3 in Zusammenhang mit der Beschreibung der Bistumsgrenzen um 990/1000 auf  eine Aufzählung von  Orten in dieser Urkunde. Es werden u.a. Widnipach = Bettenbach, Suenpach = Schweinbach, und et super Isaram ad Hohstraza ……. aufgeführt.
Der Schluss Isaram östlich von Landshut anzusetzen wird dadurch gestützt. Allerdings gibt es weiter eine Interpretation, welche Isaram westlich von Landshut sieht.
Yupinpah = Eugenbach Ort südlich von Landshut.
Prof. Dr. Spitzlberger interpretiert „JOVISURA“ wie folgt:
Er glaubt, dass hinter der Bezeichnung „JOVISURA“ der röm. Gott Jovis steckt und geht davon aus, dass durch Lautverschiebungen aus Jovisura  Yupinpah wurde. Er setzt dann diesen Name mit  Eugenbach gleich und verweist auf die Möglichkeit einer Lautverschiebung. Nach seiner Vorstellung könnte auf dem Berg in Eugenbach, wo heute die Kirche steht, ein römisches Heiligtum gestanden haben. Die Spuren einer allerdings mittelalterlichen Burg sind heute noch deutlich sichtbar.Mit dieser Annahme kommt er zu der Auffassung, dass die 170 n.Chr. erbaute römische Militärstraße im Raum Eugenbach zu finden ist.

Persönlich glaube ich, dass man durchaus von einem römischen Fixpunkt bei der Kirche von Eugenbach ausgehen kann, den ich allerdings eher in Zusammenhang mit der bereits erwähnten römischen Isartalstraße sehe.
Jovisura = Juvisara = juv isara
Eine weitere Möglichkeit zur Ortsfindung zeigt uns Josef Stern in seinem Buch „Römerräder in Rätien und Noricum“ auf.  Bei der Wegführung vertritt er wie Werner Hübner die Auffassung, dass die Römerstraße bei Frauenberg über die Isar Richtung Regensburg gegangen ist. JOVISURA betrachtet er als verschriebenes JOVISARA. also eine Station auf der Anhöhe bei der Isar. Sieht man die handschriftliche überlieferte Notiz   (siehe Römerstraßen im Isartal Seite 25), dann ist auch diese Interpretation nicht von der Hand zu weisen.
Interessant ist auch die Ableitung die Josef Stern trifft:
Juv leitet er von dem keltischen Wort iuv = „Berg“ ab und nennt als Beispiel u.a. juvavum = Salzburg. Er schließt daraus, dass man Jovisara als (juv = berg isara = Isar also Berg an der Isar) durchaus in/oder bei Frauenberg annehmen kann.
Meines Erachtens könnte man aber auch durchaus Juvisara mit dem Platz auf dem die Straßburg stand verorten. Immerhin tauchen auf dem Gelände der Straßburg, wenn auch nur sehr wenige, römische Funde auf. (siehe Bayernatlas)

Was ist noch über die 170 n.Chr. angelegte römische Militärstraße bekannt?

Als nördlichsten Punkt in Richtung Regensburg ist sie bei Haag / Wasserburg im Bayernatlas eingezeichnet.
Von da ausgehend verfolgen unser Vereinsmitglied Hans Jell und der österreichische Straßenforscher Josef Stern eine mögliche Trassenführung in Richtung Norden (also Regensburg) unabhängig voneinander.

Hans Jell hat dazu im Verein ArLan über seine Annahmen zu Möglichkeiten der Trasse-führung bereits des Öfteren referiert. Er konzentriert sich insbesondere auf geologische Gegebenheiten, sowie auf die in diesem Gebiet zahlreichen Altwege, denen er schon seit Jahrzehnten nachgeht. (Dazu auf unserer Homepage unter Archiv 2011 sein Vortrag über „Römische Militärstraßen“ von Haag bis Landshut)

Josef Stern kommt in seinem Buch „Römerräder in Rätien und Noricum“  zu ähnlichen Überlegungen. Seine Trasse endet bei Frauenberg - genauer Eisgrub - und weist dann über die Isar. Eine ideale Wegführung, in welche man die bereits erwähnte Fundstelle bei Ohu einbinden kann.

So nähern sich sozusagen Josef Stern und Hans Jell gemeinsam von Süden her kommend dem Isartal.
Auf der anderen Seite der Isar bis zur Donau sind wir mit Hans Auer ebenfalls auf einen Altstraßenforscher gestoßen, der sich u.a. auch mit möglichen Trassenführungen in diesem Bereich seit Jahrzehnten auseinandersetzt.  Sein Buch über seine Forschungsergebnisse wird im Moment, mit seiner Genehmigung, in unsere Homepage übernommen.
Die ersten gemeinsamen Begehungen zeigen, dass wir mit seiner Hilfe bei unserer Spurensuche wertvolle Hinweise erhalten. Altstraßenstücke im Raum Rohrberg, Sachsendorf und in Hofendorf ermutigen zu dieser Aussage.

Fundort Ohu:

Ohu betrachte ich im Moment als einzigen gesicherten Punkt im Landkreis Landshut für die Nord-Südverbindung. Hier hat Prof. Bender am westlichen Ortsausgang von Ohu die Römerstraße Richtung Frauenberg weisend archäologisch nachgewiesen. (Siehe Grabungsbericht des Landesdenkmalamtes und einen Film, den ich über diese Ausgrabung drehen konnte.)
Diese Wegverbindung über die Isar hat im Übrigen für das Werden von Landshut eine wichtige Bedeutung. Das zeigt sich in der Tatsache, dass Herzog Ludwig der Kelheimer im Jahr 1203 die bischöfliche Straßburg zerstören ließ. Sicherlich um die über die Isar gehende Wegverbindung - und die damit verbundenen Zölle - in seine Hand zu bekommen.
Bei diesem Gewaltakt könnte sich Herzog Ludwig durchaus an Heinrich den Löwen orientiert haben, der einige Jahre zuvor eine bischöfliche Brücke bei Oberföhring zerstörte und den Übergang in seinen Einflussbereich in das heutige München verlegte.
Wie wichtig diese Straße für den Herzog war zeigt u.a. die Tatsache, dass er in der Nähe bei Altheim eine aus Flechtwerk bestehende burgähnliche Anlage wohl zur Sicherung der Abzweigung in Richtung Landshut anlegen ließ.
Im Übrigen kam damit aber die uralte Wegverbindung über die Isar am Fuß von Frauenberg nicht endgültig zum Erliegen, dazu später.

Von Ohu Richtung Regensburg findet man im Bayernatlas die nächste Markierung zur röm. Militärstraße bei Schierling.
Diese Trasse hat Hans Auer gefunden, der in seinem Buch über Altstraßen im Raum zwischen Donau und Isar auf zahlreiche Trassenführungen verweist, denen nachzugehen ist. Dieses Buch ist ebenfalls auf unserer Homepage zu finden und wird uns sicherlich weitere wertvolle Hinweise für unsere Spurensuche geben.

Römische Fundorte zwischen Haag und Regensburg:

Eine weitere Möglichkeit Spuren der Römerstraße Brenner – Regensburg in unserer Region zu finden, könnte die Betrachtung von römischen Fundorten in diesem Raum sein. Dazu habe ich zunächst 18 Jahrgänge der Bayerischen Vorgeschichtsblätter nach römischen Fundorten entlang einem Korridor zwischen Rosenheim und Regensburg durchgesehen.
Ergebnis:
Landkreis Rosenheim  60 Fundorte:  9 Villa rusticae, 6 Verweise auf römische Straße
Landkreis Landshut 30 Fundorte:  9 Villa rusticae, 3 Verweise auf römische Straße.
Landkreis Regensburg 36 Fundorte:  18 Villa rusticae, 1 Verweis auf römische Straße.
(Richtung Landshut)

Das Erfassen von römischen Fundorten kann sicherlich ein besseres Bild über die gesuchte Trasse bringen und wird fortgesetzt.
Auffällig ist, dass es im Landkreis Landshut, genauer im Raum Essenbach, Altheim und Ergolding auffallend viele römische Funde gibt.
Hervorzuheben  u.a. sind die Funde von Lanzenspitzen römischer  Benifiziarier in Essenbach / Ammerbreite.

Dazu aus Wikipedia  „Die Benefiziarier (auch Beneficiarier; lat. beneficiarius von lat. beneficium, dt. „Vorteil, Wohltat“) dienten entweder in einer Legion als Sekretäre oder waren außerhalb des normalen Dienstes (munera) eine Art Straßenpolizei im Römischen Reich“.
Diese Funde verweisen also auf römische „Pioniere“,  welche hier evtl. einen Stützpunkt hatten und für den Erhalt der römischen Militärstrassen (Nord-Süd und Ost-West)  zuständig waren.

Werner Hübner hat immer wieder zu bedenken gegeben,  dass beim Bau des Kraftwerkes von Altheim, ebenso in der Nähe von Straß bei Hohenegglkofen Eichenpfähle geborgen wurden, die leider verloren gegangen sind und evtl. römischen Ursprungs gewesen sein könnten.
Orientiert man sich an dem angesprochenen Korridor, so kann man auch diese Funde auf sich wirken lassen.

Nochmals zurück zur Brücke am Fuße von Frauenberg über Gretlmühle Richtung Ohu,

auch wenn dies nicht mehr unmittelbar mit der Römerstraße zusammenhängt. Gesichert ist, dass bei Gretlmühle eine Brücke über die Isar führte, eine Wegverbindung, welche noch bis in die Nachkriegszeit mit einer Fähre aufrechterhalten worden war.
Interessant ist auch der „Erhardistein“ (Altar- oder Opferstein) an der Kirche bei Frauenberg, auf diesem soll der hl. Erhard (680/690) über die Isar vor den Bauern in Duniwang Richtung Frauenberg  geflohen sein (Brücke!? ). (Siehe unter Geschichte / Landshut /Frauenberg).

Werner Hübner hat immer wieder darauf verwiesen, dass die uralte evtl. bereits vor den Römern bestehende Wegverbindung ganz wesentlich das Werden unserer Region geprägt hat. Diese Verbindung blühte nach seiner fundierten Meinung mit der zunehmenden Bedeutung von Regensburg im frühen Mittelalter wieder auf, da sie die kürzeste Verbindung zwischen Regensburg und Rom war.

In der Zwischenzeit konnte ich bereits erste Gespräche mit dem Landesdenkmalamt in Regensburg führen und um Unterstützung für unsere „Spurensuche“ werben.
Stand Landshut im Juli 2014

Peter Geldner

 

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