ArLan

Ein Überblick über Aktivitäten und Vorträge

 

Freitag, 9. Dezember 2016

Vortrag: Monsignore Schober

Herkunft der ältesten Ortsnamen des Landkreises, diesmal nach Wunsch.

Monsignore Johann Schober ließ uns wieder an seinen umfangreichen Forschungsarbeiten zur Herkunft unserer Ortsnamen im Landkreis teilhaben. Diesmal ging es nach Wunsch und nicht nach alphabetischer Reihenfolge.

Dazu hatten uns einige Mitglieder ihre Wunschliste zu Ortsnamen in ihrer engeren Region übermittelt. Es geht also um deren ursprüngliche Bedeutung und wie sich die Namen im Laufe der Jahrhunderte gewandelt haben.

Die Ortsnamenforscher geben uns auch interessante Hinweise auf die geschichtlichen Hintergründe, die für die Entstehung eines Ortes verantwortlich waren. Wobei die erste urkundliche Erwähnung nicht mit der Gründung des Ortes gleichzusetzen ist  sondern durchaus Interpretationen zulässt, die weit über das Gründungsdatum zurückreichen.

 

 

Freitag, 11. November 2016

Vortrag: Christoph Stein

Gotische Giganten - die Stadtkirchen der altbayerischen Herzogsstädte

Das "lange 15. Jahrhundert" brachte in Altbayern eine große Vielzahl von Kirchenbauten hervor. Die gotische Sakralbaukunst wurde dabei zu einer besonderen, europaweit bedeutsamen späten Blüte gebracht. Die Stadtkirchen der miteinander konkurrierenden Herzogsstädte Landshut, München, Straubing und Ingolstadt sind hierbei die wichtigsten Exponenten.
Der Vortrag stellte diese Bauwerke vergleichend vor, ging ihren Gründungsabsichten nach und zeigte die architektonischen und zeitlichen Zusammenhänge sowie die jeweiligen stilistischen Besonderheiten und deren Bedeutung in der bayerischen und deutschen Architekturgeschichte des späten Mittelalters auf.

Mit kühner Eleganz dem Himmel entgegen
Gotik-Kenner Christoph Stein auf Spuren der Schöpfer der spätgotischen Kirchen Altbayerns

Von Elmar Stöttner

Sie sind Wunderwerke der Ingenieurs- und der Baukunst, Zeugnisse der Religiosität der Menschen in einer Epoche tiefgreifenden Wandels; sie spiegeln Wirtschaftskraft und politische Macht wider – und zeugen von der Schöpferkraft, dem Gestaltungswillen und dem Können der Architekten, Baumeister und Handwerker, die sie geschaffen haben: die phantastischen Kirchen der Gotik. Sie prägen bis heute unverkennbar die Stadt- und Ortsbilder der Region Landshut: Viele „kleine Martinskirchen“ finden sich aber auch in anderen Teilen des einstigen Herzogtums Bayern-Landshut. Beim Verein Arlan zeichnete Landschaftsarchitekt Christoph Stein anhand herausragender Kirchenbauten die spezifisch bayerische Geschichte jener Epoche nach.

Christoph Stein, Beiratsmitglied des Vereins Arlan (Archäologie in Stadt und Landkreis Landshut), zeigte die Entwicklungslinien, Besonderheiten und Gemeinsamkeiten der Baukunst jener Epoche auf. Er ging dabei, unter dem Titel „Gotische Giganten“, aber auch auf neue Forschungsergebnisse zum Leben der Baumeister ein.
Auf die Biographie von Baumeister Hans von Burghausen (gestorben 1432) etwa, dessen Bildnis bis heute in einem Epitaph an der Südseite der Landshuter St. Martinskirche zu sehen ist. Der „Star-Architekt“, nach Steins Worten „maßgeblicher Baumeister und Ideengeber“ für die Spätgotik in Altbayern, wirkte gleich im Auftrag von drei Herzögen, in Straubing, Landshut und Wasserburg (Teilherzogtum Bayern-Ingolstadt) und fand noch Zeit, auch für Bauten des Fürstbischofs von Salzburg verantwortlich zu zeichnen.
Peter Geldner, der 1. Vorsitzende von Arlan, konnte zu dem Vortrag über 80 Zuhörer begrüßen.

Vortrag Christof Stein, gotische Giganten
Der Referent Christoph Stein, ein begeisterter Hobby-Architekturhistoriker. (Foto: es)
Der 1. Vorsitzende von Arlan, Peter Geldner, führte durch den Vortragsabend. (Foto: es)
Die Martinskirche von Geisenhausen im Frühling: Bis heute prägen gotische Kirchen, von denen viele unter der Leitung von Meistern der „Landshuter Bauhütte“ errichtet worden sind, Stadt- und Ortbilder im Landkreis Landshut – und weit darüber hinaus. (Foto: Johann Jungbauer)
Handschrift eines Herzogs

Die vier Prachtkirchen: Da ist, nach dem Datum der Grundsteinlegung geordnet, zunächst die Landshuter St. Martinskirche (Bauzeit: 1385-1500), bei der die scheinbare Schwerelosigkeit und kühne Eleganz gotischer Baukunst auf die Spitze getrieben worden ist. Ihr folgt die St. Jakobskirche (1400-1590) in Straubing, eine zu Stein gewordene Manifestation von Gemeinsinn und Bürgerstolz in der einstigen Residenzstadt des Herzogtums Straubing-Holland.
Die dritte im Bunde war das Frauenmünster von Ingolstadt (1425-1779), das nach Steins Worten unauslöschlich die Handschrift des auftraggebenden Fürsten trägt, des Ingolstädter Herzogs Ludwig VII., des Gebarteten (1368-1447): Sie sei Ausdruck seines „ausgeprägten Sinnes für Repräsentation, aber auch seiner Sorge um sein Seelenheil“, sagte Stein.
Und schließlich richtete er den Fokus auf die Liebfrauenkirche von München (1468-1525) mit ihren zwei, von „welschen Hauben“ gekrönten Türmen: Sie ist heute die berühmteste der vier Kirchen, was sie aber vor allem der Tatsache verdankt, dass es die Stadt München war, die nach dem Ende vieler bayerischer Bruderkriege als einziges Machtzentrum übriggeblieben war und 1506 Hauptstadt des wiedervereinigten Altbayern wurde.

Ein viergeteiltes Land

Baustil und Besonderheiten der vier Gotteshäuser erschließen sich einem nur dann ganz, wenn man sich auch die politische Geschichte der Entstehungs- und Bauzeit vor Augen hält. Alt-Bayern war ein geteiltes Land, war zeitweise aufgeteilt auf vier Herzogtümer: Bayern-Landshut, Bayern-München, Bayern-Ingolstadt, Bayern-Straubing-Holland.
Diese Zersplitterung brachte die Wittelsbacher zuverlässig um ihr Ziel, im Ringen mit den Habsburgern im Ringen um die Kaiserwürde dauerhaft an die Spitze des Reichs aufzusteigen: Nur ein einziger Wittelsbacher bestieg diesen Kaiserthron. Bayern blieb eine europäische Mittelmacht, ist es, unter anderen Vorzeichen letztlich bis heute.
Aber die Teilung barg damals Vorteile wie der deutsche Föderalismus bis heute: Es gab mehrere Zentren, Kristallisationspunkte von Wirtschaftsmacht und Schaffenskraft; die Konkurrenz untereinander wurde zur Triebfeder von Wettbewerben – auch für das Streben nach der repräsentativsten Großkirche.

Finanzkraft und Bautechnik

Bereits mit dem ersten der großen Kirchenbauten, mit der St. Martinskirche in Landshut, setzten die Baumeister der Spätgotik bis dahin nicht gekannte Maßstäbe – vor allem „in der Aufwärtsbewegung von Kirchenschiff und Turmbauwerk“, legte Stein dar. Hinter diesen Ansprüchen wollte man beim Bau der später begonnenen Kirchen nicht zurückbleiben.
Das für die Bürgerschaft des zeitgenössischen München deutlich überdimensionierte Kirchenschiff der Liebfrauenkirche ist so groß gebaut worden, weil die Oberbayern partout nicht hinter den reicheren niederbayerischen Vettern mit ihrer Martinskirche anstehen wollten. So etwas kam überhaupt nicht in Frage für den Münchner Herzog jener Zeit, Albrecht IV. (1447-1508), den Weisen, der ein ambitionierter Gegenspieler seiner Landshuter Vettern war.
Die Münchner, die am spätestens mit dem Bau ihrer spätgotischen Kirche begannen, profitierten von allen Fortschritten und stetig dem wachsenden Wissensschatz in Bautechnik und Architektur. Dem Baumeister der Liebfrauenkirche, Jörg von Halsbach, gelang es „die spätgotische Baukunst noch einmal neu zu artikulieren und einen monumentalen Großbau in Rekordzeit zu vollenden“, urteilt Stein.
Dass das Herzogtum Bayern-München, zeitlich betrachtet, das Schlusslicht bildete beim Bau einer Großkirche der Spätgotik, erklärt sich auch aus einem Blick auf die Staatseinnahmen des Teilherzogtums: Sie lagen weit unter denen der sprichwörtlich „Reichen Herzöge von Niederbayern“ und auch noch weit unter der Finanzkraft des geographisch arg zerfledderten Ingolstädter Teilherzogtums

Türme, Chöre, Rippennetze

Die spätgotischen Kirchenbauten der vier Herzogsstädte haben laut Stein „die geistigen, finanziellen, technischen und gestalterischen Möglichkeiten ihrer Zeit neu definiert“. Wie sich dies in vielen Einzelheiten in den vier Kirchen darstellte, das machte der Referent deutlich, indem er sie detailliert darstellte, verglich und beleuchtete – die Grundrisse ebenso wie die Aufrisse (Ansichten im Profil), die Langhäuser, die Mittel- und Seitenschiffe, die Seitenkapellen und die Chorbereiche der Kirchen ebenso wie die Türme und Turmfassaden, die Gewölbe und Rippennetze.
Drei der vier Großbauten sind „reine Hallenkirchen“ – nur das Ingolstädter Frauenmünster ist eine „Staffelhalle“, bei der die Kirchenschiffe in der Höhe abgestuft sind: Das Mittelschiff ist höher als die Seitenschiffe, bildet aber keine eigene Etage mit einer Fensterzone, wie dies für die Basiliken der Romanik charakteristisch ist. Solche Staffelhallen findet man an verschiedenen Orten im bairischsprachigen Raum – in Eggenfelden und Braunau, in Eferding und in Wien (St. Stephansdom).

Fürstenmacht und Bürgertum

Stein zeichnete Lebenslinien der Baumeister nach, der Schöpfer dieser, wie es viele Kunsthistoriker nennen, „himmelstrebenden“ Kirchen, deren Türme in bis dahin ungeahnte Höhen wuchsen. Er zeigte auf, dass manche verwandt oder verschwägert waren oder anderweitig in Verbindung standen: Hans und Stephan Krumenauer, Hans und Stefan Burghauser, Hans Stetheimer, Friedrich Spies, Hans und Lukas Rottaler, Jörg Halsbach, Erhard und Ulrich Heydenreich.
Enge Beziehungen spielten auch auf der Seite der Bauherren eine Rolle, wie das Beispiel des Ingolstädter Herzogs Ludwig zeigt: Seine Schwester war Königin von Frankreich, er selber mit einer französischen Adeligen verheiratet und Mitglied des Pariser Kronrats. Kein Wunder, dass er sich an Vorbildern aus Nordfrankreich orientierte, dem Ursprungsgebiet der Gotik: Viele französische Kathedralen haben zwei Türme; die Doppeltürme der Großkirchen von Ingolstadt und in der Nachfolge München spiegeln diesen Einfluss wider.
Aber nicht nur „baukünstlerische Ansprüche“, sondern auch politisch-soziale Komponenten kommen in der Architektur zum Ausdruck, legte Stein dar: Das Ingolstädter Frauenmünster war nach seinen Worten Abbild der „Präsentations-, Heils- und Memorial-Absicht eines einzelnen Fürsten“. Ganz anders St. Jakob: Das Straubinger Gotteshaus, maßgeblich von reichen Bürgern finanziert, sei mit vielen „familien- oder zunftbezogenen Kapellenräumen“ Prototyp einer „Bürgerkirche“. Fürstenmacht und aufstrebendes Bürgertum am Vorabend der Neuzeit – selbst diese bestimmenden Kräfte der folgenden Jahrhunderte finden somit ihren Niederschlag in der Sakral-Architektur der Spätgotik in Bayern.

PDF-Datei öffnenDen Bericht der Landshuter Zeitung können Sie in der PDF-Datei nachlesen:

 

 

Freitag, 14. Oktober 2016

Vortrag: Prof. Dr. Fischer (Mainburg)

Von den Römern zu den Bayern
Zur Kontinuität von der Spätantike zum frühen Mittelalter in Ostbayern

Die Zeitspanne zwischen der spätrömischen Provinz Raetia Secunda und dem agilolfingischen Stammesherzogtum im 6. Jahrhundert n. Chr. gilt als dunkel und noch nicht ausreichend erforscht. Hier besteht zunächst einmal ein methodisches Problem: Die schriftlichen Quellen sind sehr spärlich und reichen nicht zur Klärung der Situation aus, sie werden sich auch kaum vermehren lassen. Hier können allerdings bis zu einem gewissen Grad die Ergebnisse der archäologischen Forschung einspringen. Doch sind diese noch längst nicht alle angemessen bearbeitet, außerdem besteht ein steter Zuwachs an einschlägigen Bodenfunden.

Nur in wenigen Regionen weiß man etwas mehr: In Regensburg ist die kontinuierliche Nutzung  des Platzes alleine schon durch die bruchlose Tradierung des Namens von Castra Regina über Reganespurc zu Regensburg erwiesen, inzwischen kann diese Kontinuität auch durch entsprechendes archäologisches Fundmaterial abgesichert werden. Während sonst für das römische Voralpenland im 5. Jh. die schriftlichen Quellen weitgehend schweigen, steht für den Osten Raetiens ab Künzing und für das östlich anschließende Ufernoricum in den letzten Jahre der römischen Herrschaft, die hier inselartig sogar über das Jahr 476 hinaus andauerte, eine einzigartige schriftliche Quelle zur Verfügung. Es handelt sich um die von dem Abt von Eugippius 511  im Kloster Lucullanum bei Neapel verfaßte Lebensbeschreibung des heiligen Severin. Eugippius ist als Schüler Severins vielfach direkter Zeuge dessen gewesen, was er beschreibt. Zunehmend können archäologische Quellen diese Überlieferung stützen.

Der Vortrag nahm auf aktuellem Forschungsstand zu diesen wichtigen Fragen, die letztlich den Ursprung des heutigen Freistaates Bayerns klären können, Stellung.

 

 

Freitag, 9. September 2016

Vortrag: Hans Jell

Vom Thingplatz bis zum Justizpalast,
kleine bayerische Rechtsgeschichte, von den Stammesrechten bis heute

Die ältesten Rechtsdenkmäler auf bayerischem Boden sind die im 7. und 8. Jahrhundert in lateinischer Sprache aufgezeichneten Stammesrechte (Volksrechte) der Baiuwaren und Alemannen in der “Lex Baiuvariorum” und der “Lex Alumannorum”. Beide Gesetze sind nur beschränkt Gesetze der Stammesherzöge. Sie wurden auch beeinflusst von den Fränkischen Herrschern. Das Thema des Vortrags war: Was wissen wir über germanisches Stammesrecht und Gesetze und Verordnungen, die unter Einbeziehung von Teilen des römischen Rechtes die Beziehungen der Menschen untereinander regelten ?

 

 

Freitag, 8. Juli 2016

Vortrag: Thomas Richter

Wie viele Menschen lebten damals eigentlich?
– Die Frage nach der Bevölkerungsdichte in der Urgeschichte.

Eine zentrale Frage, die sich bei der Betrachtung urgeschichtlicher Lebenswelten immer wieder stellt, ist die nach der Bevölkerungsdichte zu einer bestimmten Zeit. Wie viele Menschen lebten also beispielsweise zur Zeit der Linienbandkeramik um 5.200 v. Chr. in Niederbayern, wie viele zur Zeit der römischen Besatzung oder wie viele zu Lebzeiten der Bajuwarischen Herzöge aus dem Hause der Agilolfinger?
So einfach die Frage ist, so schwer ist sie für den Archäologen zu beantworten.
Zwar kennt man mittlerweile aus nahezu jeder archäologischen Epoche Gräberfelder und Siedlungen, doch wie viele Leute lebten in einer Siedlung, wie viele in einem Haus? Und lässt sich durch die Bestattungen auf den Gräberfeldern wirklich die gesamte Bevölkerung eines Ortes fassen? Mit Hilfe neuester Methoden ist es heute möglich in bestimmten Regionen die Bevölkerungszahlen für einzelne Epochen zu errechnen.
Die Frage „ wie viele Menschen lebten damals eigentlich?“ kann also mit konkreten Zahlen beantwortet werden. Im Rahmen des Vortrages wurden einige dieser, teils überraschenden Zahlen vor- und zur Diskussion gestellt.

 

 

Freitag, 10. Juni 2016

Vortrag Monika Weigl

Unsere Kulturtechniken – Erfindungen der Steinzeit

Kulturtechniken sind Strategien um Probleme zu bewältigen, seien sie für technische Anwendungen oder kultureller Natur. Typische Entdeckungen oder Erfindungen sind beispielsweise Feuer machen, Hausbau oder auch die Landwirtschaft. Dabei sind viele der Kulturtechniken nicht in der „Schrift-Zeit“ entstanden, sondern schon viel früher in der viele Hunderttausend Jahre dauernden Steinzeit.
Die Referentin Monika Weigl stellte die entscheidenden Kulturtechniken vor, welche wir heute noch in unveränderter Form benützen, welche nicht nur die Grundlagen für unser technischen Wissen sind, sondern auch in sozio-kultureller Hinsicht entscheidend waren.

 

 

Freitag, 13. Mai 2016

Vortrag: Dr. Timm Weski, München

Kunstschätze, Wracks, Taucher - Unterwasserarchäologie im Mittelmeer

Das Mittelmeer bildete in der Antike keine kulturelle Grenze, sondern der griechische Raum sowie das Punische Reich mit ihren Kolonien und besonders das Römische Reich schlossen es mit ein. Der Handel zwischen den einzelnen Regionen erfolgte auf dem Seeweg, wobei zahlreiche Schiffe verloren gingen, deren Überreste sich teilweise bis heute erhalten haben.
Neben Funden, die zufällig in Fischernetze gelangten, waren es vor allem Schwammtaucher, die Gegenstände, besonders Kunstwerke, vom Meeresboden heraufholten.
Auch wenn einige dieser Objekte sich heute in Museen befinden, handelte es sich dabei nicht um archäologische Untersuchungen im eigentlichen Sinne. Erst 1907 gehörte erstmals ein Archäologe bei dem Bergungsprojekt Mahdia vor Tunesien mit zum Grabungsteam, obwohl er selbst nicht tauchte. Auch nach Einführung des Sporttauchens mit Geräten (Scuba-Diving) nach 1945 änderte sich zunächst wenig an dieser Situation. Erstmals 1960 bei den Untersuchungen der Wracks von Cape Gelidonya und Yassi Ada, Türkei, arbeiteten Archäologen selbst an den Fundstellen. Sie adaptierten grabungstechnische Methoden für Untersuchungen unter Wasser und entwickelten zusätzliche Hilfsmittel.

In den nachfolgenden Jahrzehnten kamen technische Hilfsmittel wie z.B. Side-Scan-Sonar zum Einsatz, die archäologische Erkundungen des Meeresbodens auch ohne Taucher ermöglichten. Dank dieser intensiven Forschungstätigkeit verfügen wir heute über umfassende Kenntnisse nicht nur über die verschiedenen Schiffsbaumethoden in der Antike, sondern auch über die transportierten Waren und andere Fragestellungen. Schriftliche und bildliche Quellen ergänzen die archäologischen Funde und ermöglichen es so auch, Aussagen über Gegenstände zu gewinnen, zum Beispiel über Segel und Takelung der Schiffe, die nur anhand des archäologischen Fundguts nicht möglich wären.

Timm Weski

 

 

Freitag, 11. März 2016

Jahreshauptversammlung

Anschließend Vortrag: Monika Weigl

Vorgeschichtliche Fasern und Textilien

Zu den ältesten Erfindungen und Kulturtechniken der Menschheit gehört das Anfertigen von Fäden, Garnen und Seilen mittels Verspinnen von tierischen oder pflanzlichen Fasern. Uralt sind  Werkzeuge wie Pfriem und Nadel. Sie sind aus unserer mitteleuropäischen Menschheitsgeschichte nicht wegzudenken und für unsere Kulturentwicklung fundamental wichtig.  Die angewendeten Techniken, wie Spinnen, Weben und Knüpfen wurden durch mesolithische Funde, spätestens jedoch seit der Besiedelung steinzeitlicher Bauern nachgewiesen. Die Referentin, Kreisheimatpflegerin  Monika Weigl stellte in ihrem Vortrag die verschiedenen Materialien und Geräte vor und zeigt ihre Herstellung bzw. Benützung auf. Gleichzeitig wurden verschiedenste pflanzliche und tierische Originalmaterialien, sowie davon angefertigte Garne und Textilien präsentiert.

 

 

12. Februar  2016

Vortrag von Peter Geldner, Vorsitzender Verein  Arlan

Über die römischen Militärstraßen im Raum Landshut

Werner Hübner beschreibt in seinem Buch „Römerstraßen im Isartal“ seine Vorstellung über den Verlauf der beiden römischen Militärstraßen, welche durch unsere Region führten. Nachzulesen unter http://www.arlan.de/html/altstrassen.html  (Rubrik Altstraßen).
Unter Kaiser Claudius (41-54 n. Chr.) entstand  die sogenannte Isartalstraße. Sie ist archäologisch von Niedererlbach bis Weixerau und dann erst wieder in Oberahrain nachgewiesen. Der Verlauf durch das Stadtgebiet von Landshut ist ungeklärt, aber auch dazu hat Werner Hübner nachvollziehbare Möglichkeiten beschrieben.
Die zweite vom Brenner kommende und nach Regensburg führende römische Militärstraße wurde unter Kaiser Marc Aurelius (161-180 n.Chr.) angelegt. Den einzigen archäologischen Nachweis einer von Süd nach Nord verlaufenden römischen Trasse in unserem Landkreis fand Prof. Dr. Bender im Jahr 2000 bei einer Ausgrabung am westlichen Ortsrand von Ohu.
Die beiden Altstraßenforscher Hans Auer und Josef Stern geben in ihren Publikationen über Altwege, auf unserer Homepage nachzulesen, weitere Hinweise zu möglichen Trassenführungen sogar über unseren Landkreis hinaus.

Mit diesem Vortrag wurde das vorhandene Wissen über die beiden Militärstraßen zusammengefasst und aufgezeigt, wie man mit Hilfe modernster Mittel (PC/GPS) bei der Spurensuche unterstützt wird.

 

 

8. Januar 2016

Vortrag: Hans Jell

1021 Jahre Seeon von der Aribonen Klostergründung bis zum Kultur- und Bildungszentrum des Bezirks Oberbayern

Im Jahre 994 gründete der Pfalzgraf „Aribo I.“ das Kloster Seeon, das bedeutendste Kloster im ganzen Chiemgau, das am 22. März 1803 durch die Auflösung sein jähes Ende fand. Nach vielen unterschiedlichen Nutzungen der Klostergebäude entstand nun ein Bildungszentrum des Bezirks Oberbayern, das  in gewisser Weise als Fortsetzung des Benediktinischen Bildungsauftrags gesehen werden kann.

Ein Bericht von Monika Weigl:

Kloster Seeon
Seit Jahrhunderten unverändert zeigt sich das Kloster Seeon mit den beiden Zwiebeltürmen der Kirche.
Beim monatlichen Archäologiestammtisch des Archäologischen Vereins Arlan  berichtete Hans Jell, Archivar aus Taufkirchen,  über die Klostergründung von Seeon. Aribo I., Sohn des Grafen Chadalhoch aus dem Geschlecht der Aribonen,  Nachfahr der Huosi (eins der fünf Edelgeschlechter) wird Mitte des 10. Jahrhundert geboren und  erstmals 958 urkundlich erwähnt. Nachdem Aribo  um 985 die Pfalzgrafenwürde erlangte, nahm er die Stiftung eines Klosters in Angriff. Es schien der Position, sowie  dem Rang seiner Familie angemessen, ein „Hauskloster“ als geistlichen Mittelpunkt und auch als Erbgrablege zu gründen.

Die  persönliche Freundschaft mit  Bischof Wolfgang von Regensburg (972- 994), bewog ihn, bei Seeon ein Kloster zu gründen. Darauf verlieh Kaiser Otto III. diesem,  auf Eigengut gestifteten Kloster die Stellung einer freien Reichsabtei für alle dazu gehörenden Höfe, Besitzungen, Güter  und Orte.  Pfalzgraf Aribo selber sollte bis zu seinem Lebensende Vogt und Richter für das Kloster bleiben. Papst Silvester  erließ, dass das Kloster „zu Ehren des Märtyrers Lampert“ zu errichten sei und Aribo die freie Abtwahl hatte, auch setzte er einen Zins von 12 Pfennigen fest, der jährlich an den hl. Stuhl in Rom zu entrichten war.

Ein frühmittelalterliches Benediktinerkloster, das im Zuge der Klosterreform von Karl d. Großen gegründet wurde, besitzt nicht nur Kirche mit Sakristei und Friedhof, es ist mit dicken Schutzmauern umgeben, hat Werkstätten, Rüstkammern, eine Brauerei, eine Bäckerei, sowie Wassermühlen. In den  Getreidekammern lagern das vom Kloster angebaute Getreide, sowie die Kornabgaben der zinspflichtigen klostergrundherrschaftlichen Bauern. Zu einer Klosteranlage gehören neben Kirche, Kreuzgang, Mönchszellen und Refektorium vor allem auch eine Schule, in der Schreiben, Lesen, Musik, Mathematik, Astronomie,  natürlich Theologie, hier speziell die Heilige Schrift sowie die Schriften der Kirchenväter gelehrt wurden. Es war ein Kosmos mit Gebet, Arbeit, Forschung und Kunst, in dem Geistliches wie Weltliches eng miteinander verbunden waren. Klöster stellten als Vorratszentrum, Hospiz, Apotheke und Armenversorgung zugleich die Grundlagen für das, was man heute soziale Fürsorge nennt.

Die „Cella St. Lamberti“ der Gründungszeit war wohl kaum mehr als eine bescheidene Unterkunft mit einer hölzernen kleinen Kirche. Erst Ende des 11. Jahrhunderts wurde mit dem weiteren Ausbau des  Klosters zur  flachgedeckten, dreischiffigen Basilika mit Vorhalle, achteckigem Wehr- und Kirchturm im Westen, Langhaus und Ostchor, diese noch ohne Krypta. Um den südlich gelegenen Kreuzgang gruppierten sich die Sakristei, der Kapitelsaal als Sitzungsraum der Klostergemeinschaft, weitere Gemeinschaftsträume, sowie eine Schreib- und Studierschule. Um das Jahr 1200 wurde die Kirche in Seeon geweiht. Ein Kruzifix, das sich heute in der Pfarrkirche von Forstenried befindet, wurde um 1180 durch Abt Alban beschafft.

Zu den Einnahmen des Klosters Seeon zählte die jährliche Stiftsreichnis der Grundholden (Bauern). Sie bestand aus einem Stift (Geldbetrag), die Gilt (Naturalabgabe) bestand beispielsweise aus Lämmern, Gänsen, Hühnern, Fischen, aus Eier und Schmalz, sowie Hafer und Korn. Für die Scharwerke  (Frondienste) mussten die Bauern Getreide, Weinfässer, Ziegel und Brennholz transportieren, erhielt dafür als Gegenleistung 1/2 Metzen Hafer, 4 schwarze Laibe Brot und eine schwarze Suppe.

Nach der Aufhebung der Klöster am 22. März 1803 war der bayerische Staat nun Grund- und Zinsherr beinahe aller ehemaligen Klosteruntertanen. Der Übergang vom grundherrschaftlich gebundenen zum freien bäuerlichen Eigentum begann mit einer Verordnung vom 27. Juni 1803, nach der die Grunduntertanen der aufgehobenen Klöster binnen Jahresfrist das Eigentum ablösen konnten. Die Ablösesumme wurde auf 600 Florentiner Gulden für den ganzen Hof festgesetzt. Damit fand die über Jahrhunderte erfolgreiche Tätigkeit des Klosters St. Lambert in Seeon mit dem Reichsdeputaten-Hauptschluss in Regensburg ein trauriges Ende. Infolge der Säkularisation im Jahr 1802 wurden vom bayerischen Staat die meisten Klöster aufgelöst, deren gesamtes Vermögen und Grundbesitz eingezogen. Auch der Kirchenbesitz musste bis auf die für die Liturgie notwendigen Messgewänder und Gerätschaften teilweise abgeführt werden. Zwischen Staat und Kirche fand nun eine Trennung statt, auch die alten Fürstbistümer wurden aufgelöst, der alte Bischofssitz von Freising nach München verlegt. Wertvolle Gemälde, Gold-und Silberschätze, sowie kostbare Bücher in den Bibliotheken wurden vom Staat konfisziert und in die Residenzhauptstadt München gebracht. Die Staatsbibliothek, sowie andere Bibliotheken besitzen tausende wertvoller Handschriften aus bayerischen Klöstern, darunter auch viele mit wunderbaren Miniaturen aus Kloster Seeon.

Am 23. März im Jahre 1803 wurde dem letzten Seeoner Abt Lambert Neusser die Aufhebung des Klosters verkündet, im Jahre 1817 verstarb er. Über 8 Jahrhunderte war Seeon ein bedeutender Faktor in der Klosterlandschaft des südostbayerischen Raumes gewesen.

Kloster Seeon Klostergarten
Blick in den Klostergarten

Eine neue Phase begann unter Georg Reichenwallner. Er nutzte eine heilkräftige Quelle, ein Bad wurde eröffnet, Seeon war nun Kurort. Als er verstarb, verkauften im Jahr 1852 seine Kinder den Besitz an „Dona Amalia“, Kaiserinwitwe von Brasilien, Herzogin von Braganza, geborene Prinzessin Leuchtenberg, welche nur ein Jahr später auch noch den Seeoner See vom Staat erwarb.

Nach der Renovierung der Anlage kamen wieder Kurgäste nach Seeon. Das Ende zeichnete sich nach dem Tode des Fürsten ab. Dessen Söhne Nikolaus und Georg verkauften den Besitz an den Grafen von Arco-Zinneberg. Die Klostergebäude, noch in Besitz derer von Leuchtenberg, waren einem wechselvollen Schicksal ausgesetzt.  1969 kamen Kirche und Friedhof durch Schenkung in Besitz der Gemeinde Seeon.  1934 ersteigerte Dr. Max Wiskott die Klosteranlage, die zeitweise als SA-Schule, als Arbeitsdienstlager, dann als Lazarett und ab 1945 als Flüchtlingslager für fast 700 sudetendeutsche Heimatvertriebene diente. 1953 erwarb die Familie Hirschfeld Kloster Seeon. Es entstanden eine Polstermöbelfabrik und ein Hotel, später eine Bundesgrenzschutzschule und der Standort einer Hundertschaft der Bayerischen Bereitschaftspolizei. Ab 1987 gingen die heruntergekommenen Gebäude in den Besitz des Bezirks Oberbayern über, der hier nach einer Renovierung ein Bildungszentrum plante.
Nach einer Innenrenovierung konnte die Erzdiözese München-Freising  im Herbst 1993 die Einweihung des Bildungszentrums feiern. Die Klosterkirche St. Lambert erstrahlt im alten Glanz, das Kloster sieht wie zu seiner Blütezeit aus und bietet für Kurse und Lehrgänge, Vorträge, Lesungen und Ausstellungen ideale Voraussetzungen. Träger sind der Bezirk Oberbayern, die Gemeinde Seebruck und der Landkreis Traunstein.

Das alte ehemalige Kloster Seeon ist wieder ein lebendiger, kultureller Mittelpunkt geworden, wie er achthundert Jahre lang zur Zeit der Benediktinermönche war. Der Referent Hans Jell bemerkte dazu: „Man kann sagen, dass eine gewisse geistige Tradition nach zwei Jahrhunderten mit sehr wechselvoller Geschichte  wieder hergestellt wurde“.

 

 

1. Januar 2016:

Neujahrswanderung

Zwischen Grabhügelfeldern und ehemaligen Burgen

Ein Bericht von Monika Weigl

Neujahrswanderung-2016Die Neujahrs-Wanderung mit Vitus Lechner  am 1. Januar führte wieder zu einigen interessanten Plätzen, von der Keltenburg über Altstraßen zum ehemaligen Stammsitz der Wölfe, zu einer Kirche mit besonderer Strahlung zu einem früheren Bergfriedhof im Wald. Mit der Wanderung zu den Schauplätzen unserer Geschichte konnten die Teilnehmer unsere Heimat erkunden und kennenlernen.

Beginn war am Neujahrstag um 12.30 Uhr in der Michaelskirche von Schatzhofen. Mit einer kurzen Information über die Kirche und ausgestattet mit dem Neujahrssegen begann die Rundtour, die sich an beiden Seiten des Further Bachtales erstreckte. Mit einem mobilen Brotzeitstand boten Mitglieder des Heimatpflegevereins  wieder eine Stärkung an.

Vitus Lechner wanderte mit den 150 Teilnehmern durch 7000 Jahre Regionalgeschichte. Interessante Stationen waren zum Beispiel Punzenhofen, Galleneckerhof, Bocksberg, Geberskirchen, Nikolauskirche, Hügelgräber, Keltenschanze und Burgställe.

PDF-Datei öffnenDen ausführlichen Bericht in der Landshuter Zeitung vom 9. Januar 2016 können Sie nachlesen in der PDF-Datei:

 

 

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