ArLan

Ein Überblick über Aktivitäten und Vorträge

 

9. Januar 2015

Neues zur Urnenfelderzeit aus dem Tal der Kleinen Laber

Dr.Husty Brunnen AttingIm Rahmen seines Vortrags "Neues zur Urnenfelderzeit aus dem Tal der Kleinen Laber" stellte der Straubinger Kreisarchäologe Dr. Ludwig Husty die wichtigsten und neuesten Funde dieses Gebietes vor. Neben der fundreichen Altsiedellandschaft des Gäubodens zählt das Tal der Kleinen Laber zu einer der wichtigsten Fundlandschaft im Landkreis Straubing-Bogen. Vom Eintritt der vom Landshuter Landkreis kommenden Kleinen Laber bis zur Mündung bei Atting reihen sich Fundpunkte über Fundpunkte quer durch alle Zeiten an beiden Seiten des stark mäandrierenden Flusses aneinander.

Dr.Husty_Bef.1Überregionales Aufsehen erregten die zwischen 2004 und 2013 freigelegten Holzbrunnen, die nicht nur zimmermannstechnische Fertigkeiten erkennen lassen sondern durch zahlreiche Dendrodaten bedeutende absolutchronologische Eckdaten für die urnenfelderzeitliche Chronologie erbrachten.
Neue, überraschend entdeckte und reich ausgestattete große Gräberfelder lassen die Bedeutung des Tals der Kleinen Laber zwischen dem 14. bis etwa 9. vorchristlichen Jahrhundert in neuem Licht erscheinen und deuten wichtige Verkehrswege zwischen dem Isartal und dem Raum jenseits der Donau bis ins Böhmische Gebiet an.

 

13. Februar 2015

Herkunft der ältesten Ortsnamen des Landkreises

Die spannenden Vorträge von Msgr. Schober wurden fortgesetzt mit dem Buchstaben “F”.
Durch seine umfangreiche Forschungsarbeit lässt sich die Herkunft der ältesten Ortsnamen des Landkreises oft bis zur ersten urkundlichen Erwähnung im 8. Jahrhundert zurückverfolgen. Wenn man die heutigen Ortsnamen mit ihrer ursprünglichen Bedeutung vergleicht, dann gibt es oft überraschende Ergebnisse:
Wie haben sich die Namen im Laufe der Zeit gewandelt?
Welche ursprüngliche Bedeutung hatten die Namen?
Welche geschichtlichen Hintergründe kann man aus den Namen ableiten?

An seinen über Jahrzehnte gehenden Forschungen ließ uns Monsignore Schober wieder teilhaben.
 

 

13. März 2015

Jahreshauptversammlung und Lichtbildervortrag “Schlösser und Burgen im Landkreis Landshut

Ein Bericht von Elmar Stöttner:

Neue Wege zu alten Straßen und Fundstätten

Hansjörg Eder, links, und Peter Geldner
Der Altdorfer Fotograf und Referent bei dem Vereinsabend Hansjörg Eder und der 1. Vorsitzende des Vereins ArLan, Peter Geldner. (Foto: Elmar Stöttner)
ArLan-Vorsitzender Geldner zieht auf Hauptversammlung stolze Bilanz der Vereinsarbeit. Der Verein ArLan - Archäologie in Stadt und Landkreis Landshut - wächst und gedeiht dank des Engagements seiner über 100 Mitglieder auch im zehnten Jahr seines Bestehens: Mit diesem Dank an die Geschichtsfreunde verband 1. Vorsitzender Peter Geldner bei der Hauptversammlung des Vereins eine sehr positive Bilanz der Arbeit von ArLan, in deren Mittelpunkt Vereinsabende mit Vorträgen stehen. Bei diesem Vereinsabend - gewissermaßen zum zehnten ArLan-Geburtstag - beleuchtete der bekannte Fotograf Hansjörg Eder die Heimatgeschichte mit phantastischen Infrarot-Aufnahmen aus einem völlig ungewohnten Blickwinkel.

In einer Jahresschrift sind erstmals zehn der Vorträge, die ArLan-Mitglieder in den vergangenen Monaten gehalten haben, in Kurzform zusammengefasst, wie Geldner ausführte: „Der Jahresbericht wurde von Thomas Richter gestaltet, Hefte können unter www.arlan.de angefordert werden.“ Einen besonderen Dank richtete Geldner an Alfred Geisselmann für die Betreuung und den stetigen Ausbau des Informationsangebots auf der ArLan-Internetseite.

Im Rückblick auf das "Geburtsjahr" 2005 stellte Geldner mit Stolz fest, dass man seinerzeit mit zwölf Mitgliedern begonnen habe. Heute zähle der Verein über 100 Mitglieder, von denen freilich acht keine natürliche Personen sind - nämlich vier Gemeinden, drei archäologische Vereine (Freising, Erding, Fürstenfeldbruck) sowie der Heimatverein Vilsbiburg, "mit denen wir uns regelmäßig austauschen", wie Geldner sagte und damit diese wichtigen Kontakte unterstrich.
Besonders liegt Geldner, aber auch weiteren Mitgliedern die historische Altstraßen- und Altwege-Forschung am Herzen, also die Suche nach uralten Verkehrs-, Handels- und sonstigen Wegen, die sich zum Beispiel noch in den Wäldern oder in Feld und Flur nachweisen lassen. Auch hier haben ArLan-Mitglieder (nach einem kleinen Feldversuch vor einigen Jahren) im letzten Jahr neue Wege beschritten - und eine kleine Grabung bei Rohrberg (Stadt Rottenburg) vorgenommen.
Dabei sei man aber nicht auf eine Römerstraße gestoßen, wie man es sich natürlich gewünscht hätte, bemerkte Geldner schmunzelnd: Als Ausbeute seien leider nur ein paar Metallgegenstände zu Tage gekommen, deren Alter nach archäologischen Zeitmaßstäben getrost vernachlässigt werden darf.
Einen besonderen Dank sagte Geldner den Mitgliedern der Vorstandschaft und den Beiräten von ArLan. In einem Ausblick auf die kommenden Monate erklärte er, dass ein paar Ausflüge geplant seien, zu romanischen Kirchen im vorderen Bayerischen Wald und ins Altmühltal. Ein Höhepunkt für archäologisch Interessierte werde sicher das internationale Flint-Symposium vom 8. bis 10. Mai im Bürgerhaus in Altdorf sein, zu dem Feuerstein-Experten aus ganz Europa und zum Beispiel auch aus den USA, Japan und Korea erwartet werden.
Auch die Jahrestagung der Gesellschaft für Archäologie in Bayern findet heuer im Oktober in Altdorf statt, wie Geldner berichtete und auf eine entsprechende Initiative des Kreisarchäologen Thomas Richter hinwies. Nach 2003, als die jetzigen ArLan-Beiräte Dr. Bernd Engelhardt und Elmar Stöttner die Landestagung nach Vilsbiburg holen konnten, findet dieses Fachtreffen des über 3000 Mitgliedern zählenden Verbandes nun zum zweiten Mal im Landkreis Landshut statt.
Viel Geld fließt in den nächsten Jahren durch das Förderprogramm Leader in den Landkreis, wie Geldner ausführte: Unter dem Motto „Bürger gestalten ihre Heimat“ soll unter anderem eine Stärkung der regionalen Identität bewirkt werden. Die 2. Vorsitzende von ArLan, Monika Weigl, sei im Leader-Lenkungsausschuss vertreten, er hoffe, dass der Verein vielleicht das eine oder andere Projekt mitinitiieren könne.
Der Verein steht auch finanziell auf soliden Füßen. Das ging aus den Berichten der Schatzmeisterin Susanne Weigl und der Kassenprüfer Rupert Wimmer und Rupert Forster hervor.

Hansjörg Eder, Burg Trausnitz Landshut, infrarotIm Anschluss an die vereinsinternen Regularien schlug der Fotograf Hansjörg Eder seine Zuschauer und Zuhörer in den Bann:
Unter dem Titel „Schlösser und Burgen im Landkreis Landshut“ nahm Eder, dessen Fotografien unter anderem auch durch die Landshuter Zeitung und Publikationen des Landkreises Landshut weithin bekannt sind, die ArLan-Mitglieder mit auf eine Rundreise zu bekannten Kulturstätten der Region.

Solche Bilder hatten die wenigsten bisher gesehen: Bei der Infrarot-Fotografie nutzt man Wellenlängen des Lichts, die außerhalb des für menschliche Augen sichtbaren Lichtspektrums liegen. Das Grün der Blätter erscheint auf den Fotos weiß, blühende Gärten oder Parks muten den Betrachter an wie eine verschneite Winterlandschaft. Blauer Himmel erscheint nachtschwarz, sonnenbeschienene Wolken als grauweiße Schwaden.

Schloss Oberköllnbach, ehem. Hofmarkschloss Lichtenhaag
Infrarot-Foto des Schlosses von Oberköllnbach: Das Grün der Blätter erscheint wie Schnee. Infrarot-Fotografie arbeitet mit einem Wellenbereich des Lichts, das das menschliche Auge nicht wahrnehmen kann. (Foto: Hansjörg Eder)
rechts.: Das ehemalige Hofmarksschloss von Lichtenhaag (Gemeinde Gerzen): Auf Infrarot-Aufnahmen zeichnet sich, wie hier gut erkennbar, blauer Himmel als nachtschwarz ab.
Oben: Burg Trausnitz (Fotos: Hansjörg Eder)
Die Sensoren moderner Digitalkameras sind sehr empfindlich für infrarotes Licht, erläuterte Hansjörg Eder – und er gab gleich ein paar Tipps für die digitale Bearbeitung der Bilder. Die Schlösser von Gerzen und Bayerbach, von Kapfing, Oberlauterbach, Niederhornbach und Lichtenhaag und viele andere hat Eder in den letzten Jahren somit nicht nur in herausragenden Farbaufnahmen abgelichtet, sondern nunmehr auch in Infrarot.
Gelegentlich kamen während des Vortrags nicht nur seine Zuhörer ins Schwärmen, sondern der Fotograf selber noch einmal, obwohl er ja alle abgelichteten Bauten aus unterschiedlichsten Perspektiven kennt: Zum Beispiel bei seiner Bilderserie der Burg von Kirchberg (Gemeinde Hohenthann). Der Innenhof, so Hansjörg Eder, sei einfach nur traumhaft.

Elmar Stöttner

 

 

 

10. April 2015

Altstraßen (Römerstraßen)-Forschung

Referent des Abends war Hans Jell , sein Thema "Altstraßen (Römerstraßen)-Forschung".
Welche Hinweise auf der Suche nach Altstraßen stehen uns heute außer der Archäologie und der Laserscan-Technik noch zur Verfügung? Nun, es gibt durchaus auch nach so langer Zeit Spuren entlang solcher Entwicklungsachsen, die heute noch erkennbar sind. Hans Jell konnte eine Reihe von wichtigen Fakten dazu aufzeigen.

 

 

8. Mai 2015: Vereinsabend entfällt wegen Flintknapping-Symposium

8. Internationales Flintknapping - Symposium in Altdorf

Die Gemeinde Altdorf/Landshut war im Mai 2015 Ausrichter des 8. Internationalen Flintknapping-Symposiums.
Der öffentliche Teil der Veranstaltung war am 15. und 16.05.2015.

Im Museum Adlhoch-Haus fanden sich die kompetentesten Feuerstein-Schläger, Archäotechniker und Experimentalarchäologen aus Europa (Schweden, Spanien, Schweiz, Ungarn, Polen, Italien, Frankreich, Österreich,Estland, Dänemark...) und weiter über die USA bis Japan ein.
Zum öffentlichen Vortragsabend, sowie dem "Publikums-Tag" mit wechselnden, sehr interessanten Vorführungen und Workshops, waren alle herzlich eingeladen, die Interesse am Thema Feuerstein haben.
Es ist das erste Mal, dass eine derartige Veranstaltung in Bayern quasi vor der eigenen Haustüre stattfand, was so schnell sicher nicht wieder passieren wird.

 

 

12. Juni 2015

Hafnergeschirr vom Kröning und von der Bina

Der Leiter des Heimatmuseums Vilsbiburg, Lambert Grasmann,  berichtete über die Geschichte der Hafnerfamilien vom Kröning und an der Bina, - von der Blüte bis zum Niedergang.

Über Jahrhunderte waren für die Hafner auf dem Kröning und an der Bina der Handel und der Verkauf von Hafnergeschirr von existenzieller Bedeutung. Da die großen Mengen an produziertem Geschirr nicht in der engeren Region abgesetzt werden konnten, sahen sich die Hersteller zu besonderen Verkaufsstrategien genötigt, die von der staatlichen Obrigkeit, aber auch vom eigenem Handwerksrecht gesteuert und reguliert wurden. Ebenso sahen die Handwerksordnungen der Kröninger Hafner von 1428 und dann verstärkt von 1646 Bestimmungen zum Verkauf der Hafnerware ab Werkstatt vor. Dabei sollte der gleichmäßige Absatz bei den Hafnereibetrieben geregelt und gesichert, Übervorteilung ausgeschlossen sein. Inzwischen konnte der Wissensstand über den Handel und den Verkauf von Hafnerwaren wesentlich erweitert werden. So galt die Hafnerei als eine Hausindustrie mit erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung, die zahlreichen Familien den Nahrungsstand sicherte und die Haushalte in nah und fern mit Koch- und Vorratsgeschirr für den Alltag versorgte

Den Handel mit Hafnergeschirr zu weit entfernten Gebieten dokumentieren so das Südtiroler Volkskundemuseum in Dietenheim bei Bruneck, weiter Museen in Salzburg, Innsbruck und Bozen, wie auch das Volkskundemuseum in Wien. Nicht unerwähnt bleiben sollen die aus oberbayerischen Seen durch Sporttaucher geborgenen Kröninger Funde.

In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts erwuchs den Hafnern im Kröning und an der Bina bedeutende Konkurrenz mit dem bleifreien Braungeschirr aus Schlesien (Bunzlau) und der sächsischen Oberlausitz, dem grauen Steinzeug aus dem Westerwald, dem Porzellan und vor allem mit dem Emaillegeschirr (z.B. Baumann Amberg), sowie veränderte Gebrauchsgewohnheiten und fehlender Nachwuchs.

Lambert Grasmann

 

 

10.Juli 2015

Stadtbildwandel: Landshut in alten und neuen Ansichten

Nichts ist so beständig wie der Wandel. Dies gilt auch für eine Stadt wie Landshut. Über die Jahrhunderte veränderte die Stadt ihr Gesicht, doch erst ab dem 19. Jahrhundert lassen sich die einzelnen Stufen dieses stetigen Wandlungsprozesses auch veranschaulichen. Die neuen Bauvorschriften des Königreiches Bayern forderten die Einreichung von Bauplänen, deren Zweitausfertigungen archiviert wurden, mit der Erfindung der Photographie entstand ein völlig neues Corpus bildlicher Überlieferung. Zugleich beschleunigte sich der Stadtumbau seit dieser Zeit zunehmend. Bevölkerungsvermehrung, Industrialisierung und technischer Wandel bildeten die wesentlichen, bis heute wirksamen Antriebskräfte.

Der Vortrag verfolgte anhand von alten Ansichten, Plänen und Karten sowie historischen Photographien beide Stränge der Veränderung: Den Wandel des Bestehenden und das Entstehen eines neuen Landshut rund um die alte Stadt.

Max Tewes

 

 

14. August 2015

Drachenschwert und Buckelring

Keltische Bewaffnung und Mode in den Jahrhunderten vor der Zeitenwende in Südbayern und den angrenzenden Gebieten

Die letzten fünf Jahrhunderte vor Christi Geburt sind in Südbayern wie auch in weiten Teilen Mittel- und Westeuropas durch die gemeinhin mit den Kelten in Verbindung gebrachte Latènekultur geprägt. Vor allem in den zahlreichen Grabfunden des 4.-2. Jahrhunderts v. Chr. treten uns die Menschen dieser letzten vorgeschichtlichen Epoche unmittelbar entgegen.
Ihr oftmals reicher Schmuck und die Waffen, die wir in diesen Gräbern finden, erlauben Rückschlüsse auf Kleidung und Moden dieser Zeit und zeugen von dem handwerklichen Vermögen ihrer Schöpfer. Aber auch z. B. überregionale Kontakte sowie Aspekte der geistigen Vorstellungswelt oder individuelle Schicksale spiegeln sich in den Grabfunden wider und erfüllen so das Bild einer längst untergegangenen Kultur erneut mit Leben.

Christiana Later

 

 

9. September 2015

Die Heimat im Wandel

Wie aus dem einstigen „Bauernland“ Niederbayern ein moderner Wirtschaftsstandort wurde.
Kreisheimatpfleger Stefan Rieder (rechts), Peter Geldner
Der Historiker und Kreisheimatpfleger Stefan Rieder (re.) referierte über den tiefgreifenden Wandel Niederbayerns von einem „Armenhaus“ Deutschlands zu einer Vorzeige- und Wohlstandsregion: links im Bild Arlan-Vorsitzender Peter Geldner
Referent des Abends war der Kreisheimatpfleger Stefan Rieder, sein Thema: Die Heimat im Wandel - Wie aus dem einstigen „Bauernland“ Niederbayern ein moderner Wirtschaftsstandort wurde.
Der studierte Wirtschaftswissenschaftler, Historiker und Heimatpfleger des nördlichen Landkreises beschäftigte sich in seinem Vortrag mit dem Strukturwandel in Niederbayern und zeiget auf, wie sich der Regierungsbezirk vom einst katholisch-konservativen Bauernland zum gesellschaftlich-pluralen Wissenschafts- und Industriestandort entwickelt hat.  Dabei spürt er auch den niederbayerischen Identitäten und unterschiedlichen Sichtweisen auf den Strukturwandel nach: So findet er die modernisierungskritische Sehnsucht nach unversehrter Heimat ebenso vor wie den ungetrübten Fortschrittsglauben.

Ein Bericht von Elmar Stöttner:

Ländliche Idylle, wirtschaftliches Kraftpake
Historiker Stefan Rieder referierte bei Arlan über Wirtschaftsge-schichte Niederbayerns

Nur wenige Landstriche in Deutschland haben nach dem Zweiten Weltkrieg einen so tiefgreifenden Wandel durchgemacht wie Niederbayern, der Bezirk, der aus einer hinterleitigen Region, wie man das im Dialekt so anschaulich benennen kann, zu einem Wirtschafts-Standort erster europäischer Güte geworden ist: „Vom Armenhaus zur Aufsteigerregion“ – dieser Titel einer Monographie des Historikers, Betriebswirts und Kreisheimatpflegers des Landkreises Landshut Stefan Rieder bringt diese Karriere auf einen sachlich wie sprachlich griffigen Nenner. Wie haben diese Veränderungen auch die Menschen bewegt, sie selber verändert und geprägt? Solchen Fragen ist Rieder bei einem Vortrag beim Verein Arlan vor zahlreichen Zuhörern nachgegangen, die er mit der Lebendigkeit und inhaltlichen Tiefe seiner Schilderungen begeisterte.

Es war einmal ein Land, in dem die Bürgermeister zuverlässig aus dem Kreis der Großbauern kamen, in den Städten aus den Reihen der Inhaber von Handwerks- und Gewerbebetrieben; ein Land, in dem die Hälfte der Bürger in der Landwirtschaft ein oft dürftiges Auskommen fand, in dem man selbstverständlich am Sonntag in die – selbstverständlich katholische – Kirche ging und der Pfarrer am Ort die unangefochtene Autorität war: So war die Welt in Niederbayern, wie auch er sie noch in den 1950er Jahren kennengelernt hat, stimmte Peter Geldner, der 1. Vorsitzende des Vereins Arlan (Archäologie in Stadt und Landkreis Landshut), dem Referenten zu. Heute ist Niederbayern eine Vorzeige- und Wohlstandsregion mit den niedrigsten Arbeitslosenquoten der Republik und einer blühenden Wirtschaft, Sitz vieler Unternehmen, die auf Märkten rund um den Globus aktiv und hoch erfolgreich sind.

Die Wissenschaft hat lange das Augenmerk nur auf „harte Fakten“ gelegt, aber wenig darauf geschaut, was ein solcher Strukturwandel für das tägliche Leben, das Denken, Handeln und Streben der Menschen bedeutete, führte Rieder aus. Als junger Mann (Jahrgang 1986) kennt er das untergegangene alte Niederbayern mit langen Schulwegen und Kirchgängen, harter Feldarbeit und kargen Löhnen nur noch aus Erzählungen.

Mit dem Bild einer Fronleichnamsprozession im Jahr 1950 auf einem Dorf illustrierte Rieder die Welt jener Zeit: Das ganze Dorf ging mit, den Baldachin trugen selbstverständlich die „größten Bauern“, die natürlich im Gemeinderat saßen und auch sonst im Ort das Sagen hatten. Über 46 Prozent der Erwerbstätigen waren in der Landwirtschaft beschäftigt, mehr als die Hälfte der Menschen ging am Sonntag in die Messe. Im Jahr 2008 lagen diese Anteile bei 4,9 Prozent und bei knapp 20 Prozent (Zahl für das Bistum Regensburg).

Der Wirtschaftsaufschwung Niederbayerns ist untrennbar verbunden mit einem Namen und einem Konzern – mit den Bayerischen Motorenwerken, BMW. Aufbauend auf der Erbmasse der Autofirma Glas (die mit den legendären „Goggomobilen“) und, vor 50 Jahren keineswegs ohne Bedenken, abgesichert durch eine Bürgschaft des Freistaats wurde BMW zum Motor des Aufstiegs Niederbayerns. Und die Autobahn 92 wurde zur Wirtschaftsschlagader der Region, an der auch das weltweit größte, das Dingolfinger BMW-Werk (rund 17.500 Mitarbeiter) und das Landshut-Ergoldinger Werk liegen.

Zusammen mit vielen Zulieferfirmen habe sich dadurch eine große Abhängigkeit von der Automobil-Industrie entwickelt: Rieder zitierte dabei den bekannten Spruch, dass, wenn BMW hustet, Niederbayern krank sei. Andererseits werde oft übersehen, dass Niederbayerns wirtschaftlicher Erfolg der letzten Jahrzehnte auch maßgeblich auf das Konto des Tourismus (Stichworte: Bayerischer Wald, Thermalbäder) sowie auf das von „Hidden Champions“ geht, von Spitzenfirmen, die in ihren Marktsegmenten oft sogar führend sind (Beispiele: Eterna, Joska, Bulthaup, Ballistol).
Der prägende bäuerliche Charakter Niederbayerns ist im Zuge dieser Entwicklung vergangen – woran auch eine ganze Reihe anderer „Mega-Trends“ (Rieder) und Ereignisse Anteil hatten, die gleichzeitig und wechselseitig wirksam waren und sind: An erster Stelle ist dabei der Zuzug der Heimatvertriebenen zu nennen, von Deutschen aus dem Osten, die sich eine neue Existenz aufbauten, und die 1950 rund ein Viertel der Bevölkerung ausmachten. Aber gerade auch die Akademisierung, der Zugang breiter Kreise zu höherer Bildung, und, weniger bedeutsam für Niederbayern, die Anwerbung von Gastarbeitern kommen hier ins Spiel.
Dies alles hat die Gesellschaft Niederbayerns vielschichtiger, offener und flexibler gemacht, legte der Referent dar: Aus dem uniform katholisch-konservativen Bauernland wurde ein pluraler Industrie- und Wissenschafts-Standort. Kein Wunder, dass dies viele Menschen bewegte, dass sie sich damit auch mental auseinandersetzen – und nostalgische Rückblicke auf die „gute alte Zeit“ ebenso ins Kraut schossen wie bei anderen manch blanker Fortschrittglaube.
Es gibt aber auch Kontinuitäten, feste Anker in Zeiten raschen Wandels: 90 Prozent der Niederbayern identifizieren sich mit ihrem Heimatort, auch die diversen Gebietsreformen haben daran nichts ändern können, schilderte  Rieder. Die Vereine spielen hier nach seinen Worten und nach den Ergebnissen aller einschlägigen Untersuchungen eine ganz wichtige Rolle.
Ein weiterer „mentaler Ankerpunkt“ des Lokalpatriotismus in Niederbayern, wo auch der Dialekt noch nicht so viel Boden verloren hat wie anderswo, ist ein regionales Bewusstsein – dass man sich als Hallertauer fühlt, als Rotttaler, als Waldler oder einer aus dem Gäuboden. Im Wandel der Zeiten, aber auch nach der politischen Grundausrichtung von Menschen unterscheiden sich freilich die Motivationsstränge, die einem größeren Engagement für die Heimat zugrunde liegen: Stand in den 1950/60er Jahren der Wunsch nach Erhalt von „ländlicher Idylle“ im Vordergrund, gewann nach 1970 die Anti-Atom- und Umweltschutz-Bewegung einen kräftigen Aufschwung.
Dem Vortrag schloss sich eine lange und sehr engagiert geführte Diskussion an. Unter anderem ging man der Frage nach, wie man Instrumente von Bau- und Kommunalrecht nutzen kann, um die Heimat lebens- und liebenswert zu erhalten für die kommenden Generationen von Niederbayern.

Elmar Stöttner

 

 

Freitag 9. Oktober 2015

Frühes Christentum im Raum Landshut

Vortrag: Pfarrer Johann Schober, Adlkofen

Ab wann kann man von Christen in unserer Gegend sprechen? Antworten findet man aus den Erkenntnissen der Archäologie (ab Mitte des 7. Jahrhunderts), aus Urkunden (ab Mitte des 8. Jahrhunderts), aus der Ortsnamenforschung, den Römerstraßen und den neuesten Erkenntnissen der bayerischen Kirchengeschichte.
Welche Bedeutung hat die Sage vom hl. Erhard, der um 700 in Rainertshausen, Altheim und Frauenberg gepredigt haben soll? Stand in Münchnerau, Obermünchen und Münster ein Urkloster? Auf diese Fragen will der Referent begründete Antworten geben.

 

 

Freitag, 13. November 2015

Das römische Alltagsleben in Niederbayern

Vortrag: Frau Veronika Fischer M.A., Archäologin, München,

zum neuesten Stand der Wissenschaft über die Römer in unserem Raum.

 

 

 

Freitag, 11. Dezember 2015

Nahrung für die Götter

Ergebnisse archäologischer Untersuchungen an einem urnenfelderzeitlichen Felsturmopferplatz an den „Schellnecker Wänd“ im Altmühltal

Vortrag: Frau Dr. Sabine Mayer Landesamt für Denkmalpflege

Schellnecker Wänd_Vortrag11.12.2005In der Archäologie sind solche Fundplätze und Befunde besonders interessant, die sich auf den ersten Blick nicht als gewöhnliche Siedlungs- oder Grabfunde erklären lassen und mit rituellen Handlungen bzw. Kult in Verbindung zu bringen sind. Hier bieten sich die wenigen Möglichkeiten, der Gedankenwelt vorgeschichtlicher Menschen näher zu kommen, die aus Mangel an schriftlicher Überlieferung ansonsten kaum zu fassen ist.
Am Fuß der „Schellnecker Wänd“ bei Altessing im Altmühlal befindet sich eine solche Fundstelle. Es handelt sich um einen sog. Felsturmopferplatz - eine auffallende, reizvolle Felswand die bereits die mesolithische Jäger und Sammler sowie Menschen der Münchshöfener Kultur anzog, die den Platz jeweils auf verschiedene Weise nutzten.
In der Urnenfelderzeit – vor ca. 1.100 - 750 v. Chr. – hinterließen Menschen am Fuß des Felsens eine seltsame Abfallschicht, die als Überrest eines Opferplatzes zu deuten sind. Die Fundstelle war lange Zeit der einzige archäologisch im Detail untersuchte Befund seiner Art; neuer Ergebnisse an anderen Felstürmen bestätigen die dort gewonnenen Erkenntnisse. Im Zuge der eigentlichen wissenschaftlichen Auswertung wurden die angenommenen Opferhandlungen in einem Experiment mit erstaunlichem Ergebnis nachgestellt. So lässt sich an dieser Stelle ein vergleichsweise detailliertes Bild der Vorgänge vor 3.000 Jahren gewinnen und in die Gedankenwelt des bronzezeitlichen Menschen eintauchen.
Abbildung:
Ein winterlicher Blick auf die Schellnecker Wänd von Osten. Foto: M.M. Rind.

 

 

 

 

 

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