ArLan

Ein Überblick über Aktivitäten und Vorträge

 

 

 

 

14.12.2012, Arlan Vereinsabend, Gasthaus Proske, Ergolding

Referent: Monsignore Johann Schober

Ein Bericht von Susanne Hollmayer

Ortsnamenforschung: Detektivarbeit mit Überraschungen
Monsignore Johann Schober referierte bei ArLan über Ortsnamen des Landkreises


Wer meint, der Name Essenbach habe zu tun mit einer wie auch immer ausgeprägten kulinarischen Vergangenheit des Ortes, der irrt. Auch wer beim Dorf Abraham Bezüge zum Stammvater Israels im Alten Testament vermutet, der täuscht sich. Die wirkliche Bedeutung der Ortsnamen im Landkreis Landshut ist oft überraschend, wie die Gäste des letzten Vereinsabends von ArLan – Archäologie in Stadt und Landkreis Landshut – erfuhren. Zahlreich waren sie im Ergoldinger Gasthaus Proske erschienen, um den Vortrag „Orts- und Flurnamen im Landkreis Landshut und ihre Bedeutung“ von Monsignore Johann Schober zu hören. Der aus Arth stammende Geistliche, seit Herbst 2012 Pfarrer in der Pfarrei St. Thomas in Adlkofen, erforscht seit vielen Jahren in seiner Freizeit die Ortsnamen des Landkreises. Bei seinem Vortrag erläuterte er die Bedeutung einer großen Auswahl an Ortsnamen der Region, und er vermittelte, wie spannend es sein kann, wenn man sich auf die Suche nach den sprachlichen Wurzeln der Worte macht.

Ortsnamenforschung, Vortrag von Monsignore Johann Schober

Zur Ortsnamenforschung kam Monsignore Johann Schober eigentlich über sein Interesse an der frühen Geschichte und der Kirchengeschichte des Landkreises Landshut. Schon manches Mal gaben ihm Ortsnamen Aufschluss, wo die Historiker nicht mehr weiter wussten. Mittlerweile, so der Referent, findet er sein ungewöhnliches Hobby spannender als jeden Krimi.
Monsignore Johann Schober erklärte zunächst, wie er bei seinen Forschungen methodisch vorgeht. Die moderne Bezeichnung eines Ortes lenke vom ursprünglichen Sinn meist nur ab. Um diesem nahezukommen, sei die Dialektform der Ortsbezeichnung hilfreich, denn der Dialekt ist älter als die Schriftsprache. Der Adlkofener Pfarrer befasst sich intensiv mit den schriftlichen Quellen: Er sucht nach Urkunden, die den betreffenden Ortsnamen erwähnen, und kann daraus dessen Entwicklung ablesen. Die einstige Bedeutung lässt sich am ehesten entschlüsseln, wenn man die Urkunden so weit wie möglich zurückverfolgt, bis zur frühesten Erwähnung des Ortes, dem sogenannten „Erstbeleg“. Auch Bodendenkmaler im Umkreis des Ortes werden in die Forschungen miteinbezogen, da sie Aufschluss geben können über die frühe Geschichte.

Von den insgesamt 1500 Orts- und Flurnamen, die es im Landkreis Landshut gibt, hatte Monsignore Johann Schober für seinen Vortrag eine Fülle an besonders interessanten Fällen ausgewählt. In alphabetischer Reihenfolge stellte er sie vor, wobei er die wichtigsten der von ihm zusammengetragenen schriftlichen Belege ansprach, die Herkunft der Wortbestandteile erläuterte und zeigte, wie die Ortsnamen sich im Lauf der Zeit veränderten. Eine ganz ungewöhnliche Bezeichnung trägt der Ort Abraham in der Gemeinde Obersüßbach. Abraham, am frühesten erwähnt im Landshuter Urkundenbuch, hieß in den schriftlichen Quellen jahrhundertelang Oberheim oder – in Dialektform – Oberham, erst im 18. Jahrhundert erscheint es als Abraham. Es steckt darin das „Heim“ oder das „Haus oberhalb des Tales“, also des Süßbachtales. Der nahe gelegene Burgstall weist darauf hin, dass hier möglicherweise einst ein Ortsadeliger ansässig war, der schon in einem gemauerten Gebäude hauste.
Viele Ortsbezeichnungen, deren Bedeutung man auf den ersten Blick ganz woanders gesucht hätte, bergen eine Überraschung in sich: Sie gehen auf Personennamen zurück, so Alkofen, Allmannsdorf, Andermannsdorf, Armannsberg, Asenkofen, Attenhausen, Backlreuth, Baldershausen, Berndorf, Beutelhausen, Bietersdorf, Dasching, Dürrenhettenbach, Ebenhausen, Eberspoint, Eching, Eggersdorf, Eiselsdorf, Engelsdorf, Engkofen, Ergolding, Essenbach, Ettenkofen und Eugenbach. Der Name setzt sich hier häufig aus der Genitivform eines alten Personennamens und den Objekten zusammen, die dieser Person zugeordnet waren, durch Abschleifungen entstanden die heutigen Formen. Alkofen zum Beispiel bedeutet „bei den Höfen des Albilo“, Attenhausen „bei den Häusern des Apato“, Backlreuth „Rodungsland des Patucho“, Ergolding „bei den Leuten des Ergelt“. In Essenbach steckt der Personenname „Ezzo“, in Eugenbach, wo auch ein römischer Gutshof nachgewiesen ist, möglicherweise sogar ein römischer Personenname.
Zwei Orte im Landkreis gehen auf Frauennamen zurück, nämlich Achldorf auf „Arhild“ und Gundihausen auf „Guntwihe“. So mancher Ort mit dem Anhang „-kirchen“ lässt sich auf eine germanische Eigenkirche zurückführen, wie Bodenkirchen, in dem der Name „Puopo“ oder „Pubo“ steckt, der die Kirche einst besaß. Germanische Eigenkirchen entstanden in etwa zwischen dem 9. Jahrhundert und 1200, wie Monsignore Johann Schober erläuterte. Sie wurden von germanischen Großgrundbesitzern gegründet, die selber Kirchen errichteten und Priester einstellten – unabhängig von den Bischöfen, denen diese Praxis ein Dorn im Auge war.
Eine große Anzahl der Ortsnamen weist auf geographische sowie natur- und siedlungskundliche Merkmale hin. Häufig gingen auf die Siedlungen frühere Flurnamen über, wie bei Albing und Ast. Albing lässt sich in etwa mit „Siedlung bei den Weißpappeln“ übersetzten, Ast geht zurück auf das althochdeutsche Ovist oder Avist, was „Weideplatz“ bedeutet. In Bruckberg, wo sich eine Burg zum Schutz eines 1377 erwähnten Isarübergangs befand, steckt die Brücke. In den Ortsbezeichnungen von Altdorf und Altheim spiegelt sich die weit zurückreichende Geschichte wider, die schon die reichen archäologischen Fundstellen verdeutlichen.

Der ausführliche Bericht von Monsignore Johann Schober reichte bis zu den Ortsnamen mit dem Buchstaben E. Das Interesse des Publikums an dem Thema war sehr groß – der Saal im Gasthaus Proske war bis auf den letzten Platz besetzt, und viele Zwischenfragen führten zu einer mitunter überaus regen Diskussion. An den Referenten wurde daher die Bitte gerichtet, mindestens einen weiteren Vortrag über die noch ausstehenden Ortsnamen zu halten, und zur Freude der Gäste zeigte sich Monsignore Johann Schober hierzu gerne bereit.

 

 

 

9.11.2012, Arlan Vereinsabend, Gasthaus Proske, Ergolding
Referent: Dr. Bernd Engelhardt

Ein Bericht von Elmar Stöttner

Die spätneolithischen Feuchtbodensiedlungen in Bayern
Das Isartal: Knapp am Weltkulturerbe vorbei
Ergolding: In Feuchtböden erhielten sich seltene Zeugnisse des Lebens in uralten Zeiten

Dr. Bernd Engelhardt, Peter GeldnerGanz ofenfrisch ist es nicht mehr, das erste nachweisbare Brot Mitteleuropas, das mit Sauerteig gebacken worden ist - aber dafür ist seine Entdeckung ein kleines wissenschaftliches Wunder. Dass der 5500 Jahre alte Laib erhalten geblieben ist, verdankt er der Tatsache, dass ihn eine Bäckerin der Jungsteinzeit in einer Feuchtboden-Siedlung verloren hatte, erläutert der Archäologe Dr. Bernd Engelhardt. In einer Siedlung also, wie es sie in der Jungsteinzeit auch in der Ergoldinger Fischergasse und beim Koislhof (Essenbach) gegeben hat - und in denen sich seltene Zeugnisse des Alltagslebens in der Steinzeit erhalten haben.

Die Moorsäure konserviert in dauerfeuchten Böden selbst kleinste Überreste des Speiseplans wie Fischgräten und Vogelknochen, aber auch Gerätschaften und Kleidung von Menschen, die vor Jahrtausenden gelebt haben – von der Zipfelmütze aus Eichenbast bis zum Lederschuh.  Berühmt sind die Pfahlbau-Siedlungen, die es in allen Ländern rings um die Alpen gab, von Slowenien bis Frankreich. Aber es gab sie auch im Isartal, wie Dr. Engelhardt vor zahlreichen Zuhörern beim Verein ArLan (Archäologie in Stadt und Landkreis Landshut) schilderte.

Vor Luft geschützt überdauerten auch Reste der Holzkonstruktionen von jungsteinzeitlichen Reihenhaus-Siedlungen wie in Pestenacker (bei Landsberg/Lech), hölzerne Scheibenräder von Karren jungsteinzeitlicher Bauern wie am Federsee in Oberschwaben oder, wie in Ergolding, Angelhaken, die aus den Hauern eines Wildschweins gefertigt waren. In normalen mineralischen Böden wären solche Dinge längst vom Zahn der Zeit zermalmt worden sind, erläuterte der Archäologe, unter dessen Ägide seit Mitte der 1970er Jahre die Vorgeschichte Niederbayerns erforscht worden ist.

Zu dem erwähnten Brotlaib, der bei Twann am Bielersee im Kanton Bern ausgegraben wurde, fand sich im Kreis Biberach in Oberschwaben eine passende hölzerne Backschaufel: Mit solchen Schaufeln wurden die Brotlaibe aus den aus Lehm und Flechtwerk hergestellten Backöfen geholt.

Das Schweizer Sauerteig-Brot aus der Zeit um 3500 vor Christus ist übrigens aus dem Korn der uralten Spelzweizen-Art Emmer gebacken worden. Sicher haben sich die Jungsteinzeitleute darauf verstanden, ein hervorragendes Emmer-Bier zu brauchen – so, wie es übrigens eine Oberpfälzer Brauerei seit einigen Jahren wieder macht.

Auf Tongefäßen aus der Jungsteinzeit (etwa 5600 bis 2200 vor Christus) aus Feuchtbodensiedlungen in der Schweiz haben sich zudem Abdrücke von Weintrauben-Kernen gefunden - was konkreten Anlass zu Vermutungen gibt, dass Europas Jungsteinzeit-Leute auch nördlich der Alpen schon sehr früh einen edlen Tropfen zu schätzen wussten.
Diese Menschen lebten in Moor- und Uferrand-Siedlungen, von denen das Freilichtmuseum in Unteruhldingen am Bodensee einen gewissen Eindruck vermittelt. Fundorte, die so viele und detaillierte Einblicke in das Alltagsleben vor Tausenden von Jahren – von der Zimmermannskunst über die Weberei und Schneiderei bis zu den Ernährungsgewohnheiten – sind so einzigartig, dass mehrere Staaten sie zur Aufnahme in die Weltkultur-Liste der UNESCO vorgeschlagen hatten.
Im Jahr 2011 ist das geschehen und auch Bayern hat somit drei Weltkulturerbe-Stätten aus der Jungsteinzeit und Bronzezeit bekommen, wie Dr. Engelhardt erläuterte: Pestenacker, Unfriedshausen (bei Landsberg/Lech) und die Roseninsel im Starnberger See.
Da der reiche Freistaat Bayern leider stets für archäologische Forschung nur bescheidene Mittel übrig hat, weiß man vergleichsweise wenig über Bayerns Anteile an dem Weltkulturerbe: Die systematische Erforschung hat man unter anderem engagierten Hobby-Taucharchäologen überlassen.
rekonstruierte FeuchtbodensiedlungDie beiden Feuchtboden-Siedlungen in der Region Landshut - Ergolding-Fischergasse und Koislhof - wurden, wie Dr. Engelhardt bedauerte, leider nicht in die UNESCO-Liste übernommen: Das liegt nach seinen Worten auch daran, dass seit der Isar-Regulierung im 19. Jahrhundert der Grundwasserspiegel sinkt und sich die Erhaltungsbedingungen für organische Stoffe wie Holz drastisch verschlechtert haben.
Glücklicherweise konnten Ende des 20. Jahrhunderts in Ergolding und beim Koislhof - unter anderem durch ein Team um die Archäologin Dr. Barbara S. Ottaway - kleinere Ausgrabungen durchgeführt werden. Der Landkreis Landshut verdankt ihnen das älteste exakte Datum seiner Geschichte: Im Jahr 3732 vor Christus wurde eine Eiche gefällt und zu  Bohlen für ein Holzhaus im damaligen Isar-Moos verarbeitet, dort, wo heute die Ergoldinger Fischergasse liegt. Das Jahr konnte man anhand der Dendrochronologie feststellen, der Altersbestimmung mit Hilfe der Jahresringe der Bäume.
Gürtelhaken aus HirschgeweihTrotz der schlechten Erhaltung der Hölzer konnten die Forscher festhalten, dass die Häuser in Ergolding ähnlich wie in der umfangreich ausgegrabenen Siedlung von Pestenacker eng in Zeilen geordnet beieinanderstanden. Beide Siedlungen waren zudem von einem Flechtwand-Zaun umgeben und durch einen Knüppeldamm mit der Isar-Hochterrasse verbunden.
Interessant ist auch, dass die Steinzeitleute nach Verlassen der Siedlung einen Toten in Hockerhaltung, auf dem blanken Boden liegend, zurückgelassen haben. Diese Beerdigungssitte gibt nach Dr. Engelhardts Worten wohl einen Hinweis darauf, warum man aus jener Zeit, der Epoche der Altheimer Kultur (3800 bis 3300 vor Christus) keine Bestattungen findet: Das Skelett des uralten Ergoldingers hat sich nur durch Zufall erhalten  - bei einem Regenschauer wurde die Leiche von angeschwemmter Erde überdeckt.
Die bedeutendsten Fundstücke sind freilich Schmuckstücke wie ein verzierter Knopf in Form einer Pfeilspitze, gefertigt aus dem Panzer einer Sumpfschildkröte und vor allem ein Gürtelhaken aus dem Geweih eines Hirschen mit einer geheimnisvollen Gravierung. Möglicherweise zeigt die Darstellung ein Paar beim Geschlechtsakt - bei einer hieros gamos (Heiligen Hochzeit).  

BILDTEXTE:

Peter Geldner (rechts), Vorsitzender des Verein ArLan freute sich über das große Interesse an dem Vortrag des Archäologen Dr. Bernd Engelhardt über Feuchtboden-Siedlungen als Geschichtsquelle. (Fotos: Stöttner)

Moor- und Uferrandsiedlungen kamen in mehreren Epochen in Mode - warum, darüber rätseln die Forscher seit Jahrzehnten. Das Luftbild zeigt eine rekonstruierte Siedlung in Unteruhldingen am Bodensee. (Foto: Klaus Leidorf)

Aus einer einstigen Jungsteinzeit-Siedlung in den Isarauen von Ergolding stammt diese prachtvolle Gürtelschnalle aus Hirschgeweih aus der Zeit um 3700 vor Christus.

 

 

 

12.10.2012, Arlan Vereinsabend, Gasthaus Proske, Ergolding

Themen:

1. Vorstellung der neuen Homepage
2. Die Möglichkeiten des Laserscannings, Kurzfilm

 

Ein Bericht von Susanne Hollmayer

 

Ein Wikipedia der Regionalgeschichte

Neue ArLan-Homepage: Informationsangebot und Plattform für Geschichtswissen

Das Geschichtswissen der Region – ein Teil davon liegt in Form von Heimatbüchern vor, und Heimatpfleger in den jeweiligen Gemeinden kümmern sich um die Dokumentation von Vergangenem. Nur: Wie oft kommt es vor, dass Aufzeichnungen unpubliziert in der Schublade verharren müssen und Wissen in Vergessenheit gerät, weil Möglichkeiten der unkomplizierten Veröffentlichung fehlen? Der Verein ArLan – Archäologie in Stadt und Landkreis Landshut – stellt nun mit seiner neuen Homepage (www.arlan.de) eine solche Möglichkeit zur Verfügung. Vorsitzender Peter Geldner stellte die Seiten kürzlich beim Vereinsabend im Ergoldinger Gasthaus Proske vor.

Zwar enthalte die Homepage Informationen über den Verein, wie die geplanten Aktivitäten, die Satzung oder den Mitgliedsantrag. Der eigentliche Sinn aber, so Geldner, gehe weit über die Werbung für den Verein hinaus: Die Homepage soll dazu dienen, sämtliches Wissen in der Region zu erfassen, das im weitesten Sinne mit Archäologie zu tun hat. Sie richtet sich nicht nur an Heimatforscher, die auf ihrem Gebiet erfahren sind, sondern auch an die breite Bevölkerung. Jeder, der zum bunten Mosaik der archäologischen und historischen Landschaft von Stadt und Landkreis Landshut ein oder mehrere Steinchen hinzufügen will, ist herzlich dazu eingeladen, und auch Anregungen und die Diskussion fördernde Kritik sind willkommen. Unter der einheimischen Bevölkerung, so Geldner, seien häufig sehr interessante Kenntnisse etwa zu Bodendenkmälern der Region anzutreffen. Aus dieser Feststellung heraus sei der Plan entstanden, mit der Homepage eine Art Wikipedia der Regionalgeschichte zu schaffen.

WebsiteTeam Geisselmann, Geldner, RamsauerErstellt hat die Website Vereinsmitglied Alfred Geisselmann aus Frauenberg, der auch weiterhin die technische Betreuung der Seiten übernimmt. Ansprechpartner für Beiträge und Materialien sind neben Alfred Geisselmann auch Vorsitzender Peter Geldner und Schriftführer Siegfried Ramsauer, deren Kontaktdaten auf der Homepage zu finden sind.

Im Folgenden erläuterte Peter Geldner die einzelnen Menüpunkte der Homepage. Interessante Inhalte finden sich auf den Seiten bereits viele: Auf der Startseite ist klar das Ziel des Vereins ArLan formuliert, nämlich, „die Belange der Archäologie und Bodendenkmalpflege zu fördern und unsere Mitbürger für diese wichtigen Themen zu sensibilisieren“. Der Verein stellt hierfür ein vielfältiges Beratungsangebot bereit, das von der Beratung hinsichtlich archäologischer Funde bis zu Vorträgen an Schulen reicht. Der Menüpunkt „Aktivitäten und Termine“ dient der Ankündigung aktueller Vorhaben, wie Fahrten zu Ausstellungen oder Feldbegehungen. Hier finden sich auch Informationen zum kürzlich eröffneten Landshuter Höhenwanderweg, Altstraßenforschung und Grabungen sind weitere Themen.

Viel Platz ist der Erfassung von Bau- und Bodendenkmälern, einerseits in der Stadt Landshut, andererseits in den Gemeinden des Landkreises Landshut, gewidmet. Über den Landshuter Stadtteil Frauenberg und die Gemeinden Altdorf und Hohenthann kann man sich hier bereits ausführlich informieren. Auf den Seiten zu finden sind auch die Artikel der aktuellen Stadtteilserie der Landshuter Zeitung, für deren Bereitstellung Peter Geldner der Landshuter Zeitung seinen Dank aussprach.
Der Menüpunkt „Geschichte“ dient der Sammlung von Familien- und Hofgeschichten sowie von Informationen zu Orts- und Flurnamen. Der Rubrik „Wissenswertes“ sind unter anderem Tipps zum Umgang mit archäologischen Funden zu entnehmen, und im Bereich „Funde“ sind die archäologischen Highlights der Region verzeichnet. Mit zahlreichen weiterführenden Links zu Institutionen, weiteren Ansprechpartnern und pdf-Dateien ist die Homepage gut vernetzt mit weiterführenden Angeboten.
 

Die Möglichkeiten des Laserscannings

Auf eine Diskussion, in der verschiedene Anregungen für die Homepage besprochen wurden, folgte Teil II des Programms für den Vereinsabend, nämlich ein Film über die Methode des 3D-Laserscannings. Hierbei handelt es sich um eine der modernen Technologien, die in der Archäologie immer häufiger anstelle von Ausgrabungen zur Erforschung von Bodendenkmälern angewendet werden. Beim 3D-Laserscanning wird das Gelände von einem Leichtflugzeug aus mittels eines Laserstrahls sehr genau vermessen („Airborne-Laserscanning“). Als Ergebnis erhält man eine detaillierte, dreidimensionale Aufnahme der Erdoberfläche, bei der auch kleinste Abweichungen und somit auch Bodendenkmäler sichtbar werden.
Da beim 3D-Laserscanning die Vegetation ausgeblendet werden kann, wird die Methode besonders gern bei der Untersuchung von Waldgebieten verwendet. So wurde sie bei der Erforschung des obergermanisch-raetischen Limes, seit 2005 UNESCO-Welterbe, von den Landesämtern für Denkmalpflege in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen eingesetzt, da in etwa 40 Prozent der gesamten Limesstrecke in bewaldeten Gebieten liegen. Der bayerische Teil des Limes, von dem sich ein großer Teil in Waldgebieten befindet, wurde in den Jahren von 2006 bis 2008 auf diese Weise untersucht. Die Einsätze lieferten wertvolle Erkenntnisse für die Wissenschaft. Der Verein ArLan erhofft sich von Laserscan-Aufnahmen aus der Region Aufschlüsse in der Altstraßenforschung und in der Erforschung der vom Brenner kommenden und östlich von Landshut in Richtung Regensburg verlaufenden Römerstraße. Vor allem Waldgebiete bei Frauenberg werden zunächst ins Blickfeld genommen. Die Straße verband das in der 2. Hälfte des 2. Jhs. n. Chr. entstandene Legionslager Castra Regina mit Italien.zum Seitenanfang

 

 

 

22.9.2012, Ausflug des Vereins nach Passau

 

Passau StadtansichtDa der geplante Ausflug des Vereins ARLAN Archäologischer Verein Stadt und Landkreis Landshut ins Frankenland auf das kommende Frühjahr verschoben werden musste, wurde von der Vorstandschaft kurzfristig auf das Reiseziel Passau umdisponiert. Am vergangenen Samstag trafen sich Vereinsmitglieder und mehrere archäologisch Interessierte am Landshuter Hauptbahnhof um kurz vor 8 Uhr. Insgesamt zwanzig Reiseteilnehmer machten sich von dort per Zug auf die Reise in die Dreiflüssestadt.
Dort angekommen konnte Vorsitzender Peter Geldner weitere fünf Teilnehmer begrüßen. Danach stellte er die beiden Reiseleiter vor und zwar das Vereinsmitglied Dr. Bernd Engelhardt, der nach Aussage des Vorsitzenden für die Erläuterung des archäologischen Teils zuständig sei, Rupert Wimmer, ein „Altpassauer“, ebenfalls Mitglied beim Verein, der sich bereit erklärt habe, der Reisegruppe das alte und neue Passau näher zu bringen.
Als erster Punkt des Besichtigungsprogramms führte der Weg durch die Heiliggeist-Gasse zum Unterer und Oberer Sand. In der  Grabengasse erläuterte Dr. Engelhardt die Wehranlage der Altstadt, die sog. Römerwehr, weiter führte der Weg zum Rindermarkt. Nach einer kurzen Kaffeepause ging es zum Paulusbogen einer Toranlage zur Altstadt. Auch hier wusste Rupert Wimmer Interessantes zu berichten. An der  Michaelskirche, die leider nicht geöffnet war ging es weiter zur Niedernburg  einer romanischen Kirche. Dort besuchte man das Grab der seligen Gisela, Gattin des ungarischen Königs Stefan. Weiter führte der Weg zur Ortsspitze zum Zusammenfluss von Ilz, Donau, Inn. Da man das Orgelkonzert mittags im Passauer Dom nicht versäumen wollte, ging’s anschließend im Eilschritt dort hin. Noch tief beeindruckt vom halbstündigen Konzert der größten Orgel der Welt besichtigten die Teilnehmer die angrenzende Ortenburg- sowie Andreas-Kapelle und erfuhren von Dr. Engelhardt von den Ausgrabungen im Domhof, bei denen dieser mitgewirkt hatte.
Den heftigen einsetzenden Regen überbrückte man beim vorzüglichen Mittagessen im Gasthaus Zum Grünen Baum in der Höllgasse. Frisch gestärkt marschierte die Gruppe zum  Rathausplatz. Hier konnte man sich an Hand der dortigen Hochwassermarken ein klein wenig vorstellen, dass das Leben am Fluss nicht immer nur schön ist. Mit Blick auf das Oberhaus erfuhr die Reisegruppe durch Dr. Engelhardt viel Archäologisches über verschiedene Ausgrabungen in diesem Bereich. Danach ging es über den Residenzplatz zum Innbrucktor und über die Marienbrücke. Einige Schweißtropfen verlangte der anschließende Aufgang über die steile  Betstiege zu Mariahilf. Vom dortigen Aussichtspunkt hatte man einen wunderschönen Blick auf Passau.
Vereinsmitglied Rupert Wimmer führt durch PassauAnschließend führte die Besichtigungstour vorbei an der  mittelalterliche Stadtbefestigung zum Kastell  Boiotro. Dort erfuhr man viel Interessantes von Dr. Engelhardt zum Thema „Römer“.  Der Weg führte dann durch das Severinstor zur Severinskirche mit dem ältestes „aufgehenden“ Mauerwerk in Niederbayern. Über den sog.  Fünferlsteg ging es dann Richtung Bahnhof. Dabei querte man das  ehemalige. Nikolakloster, und über den Exerzierplatz, dem ehemaligen Klostergarten ging’s zur Passauer Neuen Mitte, dem  Ludwigsplatz. Kurz vor dem Hauptbahnhof genehmigten sich die müden Wanderer noch eine kleine Stärkung um dann wieder per Zug heimzukehren.

 

 

 

14.9.2012, Besuch des Stadtmuseums, Führung durch die Ausstellung "ArchäologieRegion Landshut”

Führung: Museumsarchäologin Isabelle Denk

Museumsarchäologin Isabella DenkThema: Die Innovationen der Ur-Niederbayern

Zeitungsbericht von Susanne Hollmayer:


Um eine interessante archäologische Kulturlandschaft zu erkunden, müssen Leute aus Stadt und Landkreis gar nicht so weit fahren: Denn eine solche befindet sich direkt vor ihrer Haustür. Hiervon zeugt die Ausstellung „ArchäologieRegion Landshut“, konzipiert von Museumsarchäologin Isabella Denk. Die Vor- und Frühgeschichtlerin, seit August 2010 bei den Museen der Stadt, gab kürzlich eine Führung für die Mitglieder des Vereins ArLan - eine Führung zu den archäologischen Fundplätzen der Region mit ihren reichen materiellen Hinterlassenschaften, die immer wieder überraschende Aussagen über die Lebensweise der vorgeschichtlichen Menschen ermöglichen.

Seit März zeigt die Ausstellung die archäologische Sammlung der Museen Landshuts auf ungewöhnliche Art: mit modernen Medien, witzigen gestalterischen Ideen und einem pädagogisch ansprechenden Farbkonzept. Isabella Denk erklärte ihren Gästen zunächst einmal die ArchäologieRegion Landshut auf der Karte: Sie umfasst zum einen bedeutende Fundstätten in Stadt und Landkreis Landshut, wie die jungsteinzeitliche Siedlung von Sallmannsberg oder auch das berühmte Altheimer Erdwerk. Zum anderen geht sie, entsprechend der Herkunft der Sammlungsobjekte, weit über diese Grenzen hinaus: in den Nordwesten mit Funden vom Römerkastell Eining und der „Kelheimer Kanne“ vom keltischen Oppidum Alkimoennis, in den Südosten mit der Fundstätte des „Wagengrabs von Hader“ zwischen Passau und Altötting. Der Nachbau eines steinzeitlichen Zelts aus Leder und Fellen im Eingangsbereich gilt als Symbol für die Lebensweise in der Alt- (bis 9600 v. Chr.) und Mittelsteinzeit (9600 bis 5500 v. Chr.), so Isabella Denk. Mittels eines Meterstabs verdeutlichte sie ihren Besuchern, welch lange Zeit diese Epochen in der  Entwicklungsgeschichte der Menschheit einnahmen: Legt man bei Null die Zeit vor ungefähr 800000 Jahren fest – seit dieser Zeit ist der Homo erectus in Mitteleuropa nachgewiesen – , und bei zwei Metern das Jahr 2012, so ist das Ende der Steinzeit, circa um 2200 v. Chr., bei 1,99 Meter vor der Zwei- Meter-Marke anzusetzen. Die ersten Spuren menschlicher Besiedelung im Umkreis von Landshut stammen in etwa aus der Zeit um 5500 v. Chr. – doch dass schon viel früher Menschen auf ihren weiten Wanderungen durch die Gegend streiften, ist sehr wahrscheinlich.

Es wurde wärmer in Bayern

Infolge der großen Klimaerwärmung nach dem Ende der Eiszeit – und infolge der veränderten Flora und Fauna – verbreitet sich eine ganz neue Lebensweise, die geprägt ist von Ackerbau, Viehzucht und Sesshaftigkeit. Die fruchtbaren Lössböden der Landshuter Region eignen sich hervorragend für die Landwirtschaft. Im „Steinzeit-Raum“ erklärte Isabella Denk, welche Innovationen damals zur Jungsteinzeit auch hier Einzug hielten: der Bau großer Häuser mit Wänden aus Weidengeflecht und Lehm, wie bei der Siedlung von Sallmannsberg, übrigens der ältesten Siedlung Landshuts, und eigenartig verzierte Keramik, die Linienbandkeramik, sind nur einige davon. Noch immer in der Jungsteinzeit, aber etwa zwei Jahrtausende später, ist das Altheimer Erdwerk anzusetzen, nach dem die sogenannte „Altheimer Kultur“ (rund 3800 bis 3200 v. Chr.) benannt ist. Die rätselhafte Wall-Graben- Anlage mit Palisadenring, deren Funktion noch immer nicht geklärt ist, ist eine international berühmte Fundstätte: Isabella Denk, die ihre Doktorarbeit zeitweise im französischen Dijon schrieb, stellte überrascht fest, dass die dortigen Archäologen ihren Heimatort Altheim genau lokalisieren konnten – wegen des Altheimer Erdwerks

Neue Zeit bricht an

Weiter führte die Museumsmitarbeiterin die ArLaner zu einem ganz wichtigen Landshuter Fundort, dem Höglberg – und damit auch gleich in ein ganz neues Zeitalter, die Bronzezeit, in der sich die neue Technik des Bronzegusses verbreitet. Die Funde, darunter Bronzeobjekte, Keramik, Gewichte und Gussformen, wurden im 19. Jahrhundert von Carl Lorber, einst Bürgermeister der Stadt Landshut, geborgen und begründeten die archäologische Sammlung der Museen. Bronzezeitliche Hortfunde und reiche Grabinventare, wie das Wagengrab von Hader, werfen ein Licht auf eine ganz neue Situation: Ein weites Handelsnetz zum Austausch von Kupfer und Zinn ist entstanden, es entsteht eine wohlhabende Oberschicht, und die Zeiten werden kriegerischer. Anhand des Brucherzdepots von Winklsaß zeigte Isabella Denk, wie wertvoll das wie Gold glänzende Metall damals für die Menschen war – ging ein Bronzeobjekt kaputt, so wurde es eingeschmolzen und sozusagen immer wieder „recycelt“. Nachdem die Museumsarchäologin die Besonderheiten der Hallstatt- und Latènezeit (800 bis 450 und 450 bis 15 v. Chr.) erklärt hatte, ging es in den „Raum der Römer“. Lassen sich an latènezeitlichen Fundstücken wie der  Kelheimer Kanne“ die Einflüsse des Südens auf die hier ansässigen Völkerschaften erkennen, so sind seit dem Alpenfeldzug des Drusus und Tiberius um 15 v. Chr. die Römer selbst im Lande. In der Landshuter Gegend versorgten landwirtschaftliche Güter, die Villae Rusticae, die römischen Truppen in den Kastellen an der Donau, wie die Kohorte in Abusina bei Eining.

Wichtige Straße im Isartal

Als es um den Verlauf der römischen Isartalstraße ging, gab die Archäologin das Wort an den Landshuter Feldforscher Werner Hübner, dem die Wissenschaft zahlreiche vorbildlich dokumentierte Fundstellen in Stadt und Landkreis verdankt. Werner Hübner erkannte einst, dass die römische Isartalstraße von Augsburg nach Moos-Burgstall im Bereich von Landshut nicht, wie in der älteren Forschung dargestellt, südlich der Isar über das Hügelland verläuft, sondern nördlich der Isar auf einem Kiesrücken. Mit dieser Feststellung und seinen Entdeckungen schrieb der Landshuter die hiesige Geschichte neu, so Isabella Denk. Die ArLaner bedankten sich bei der Museumsmitarbeiterin abschließend mit einem kräftigen Applaus  für die aufschlussreiche und ausführliche Führung, die die vor- und frühgeschichtlichen Epochen unserer Region auf sehr anschauliche Weise lebendig werden hat lassen.zum Seitenanfang

 

 

 

10. 8. 2012, Arlan Stammtisch, Gasthaus Proske, Ergolding

Referent: Kreisarchäologe und Vereinsmitglied Thomas Richter

Thema: Überblick über die Besiedlungsgeschichte des Landkreises Landshut Teil 2 – Von den Becherkulturen bis ins Mittelalter

Referent Thomas RichterDer Landkreis Landshut ist mit seiner 7.500 jährigen Besiedlungsgeschichte reich an archäologischen Fundstellen. Laufende und vergangene Baumaßnahmen ermöglichen immer wieder Einblicke in Siedlungen und Bestattungen aller Epochen der bewegten Vergangenheit des Landkreises
Im Rahmen dieses zweiteiligen Vortrages wurde versucht – anhand ausgewählter Einzelfundstellen – einen Überblick über die im Landkreis Landshut vertretenen archäologischen Kulturen zu geben. Ein Schwerpunkt der Betrachtungen war dabei das Zusammenspiel zwischen Mensch und Umwelt. Der zweite Teil dieses Überblicks über die Besiedlungsgeschichte des Landkreises setzt kurz vor der Ausbreitung der Bronzeverarbeitung ein und endet im Mittelalter.

Vom Mammutjäger zum Häuslebauer

Kreisarchäologe Thomas Richter referierte über Regionalgeschichte von der Alt- bis zur Jungsteinzeit (von Susanne Hollmayer)

Gefroren hat es niemanden. Eher gerieten die vielen Gäste des letzten Archäologischen Stammtisches desVereins ArLan im Ergoldinger Gasthof Proske ins Schwitzen beim rasanten und spannenden Vortrag von Thomas Richter, dem Kreisarchäologen des Landkreises Landshut. Er referierte über die Besiedelungsgeschichte des Landkreises Landshut von der Eiszeit bis zur Chamer Kultur. Klimaveränderungen beeinflussten von jeher die Beschaffenheit einer Landschaft, die Tier- und Pflanzenwelt und damit die Lebensweise des Menschen  – ein hochbrisantes Thema vor dem Hintergrund des aktuellen, erstmals vom Menschen mitverursachten Klimawandels und seiner Folgen für die Umwelt. Peter Geldner, Vorsitzender des Vereins ArLan, betonte, dass Archäologen hier mit ihrem Wissen zur Vergangenheit auch Perspektiven für die Zukunft aufzeigen können.
Uns heutigen Menschen steckt noch die Eiszeit in den Knochen, so Richter – das merken wir daran, dass wir nach einem Skiausflug in die Berge noch relativ fit sind, während viel Bewegung an einem heißen Sommertag uns schnell schlappmachen lässt. Schon der Neandertaler, der sich in Mitteleuropa als Nachfahr des Homo Erectus entwickelt hat, war an die Eiszeit – die vor 2,2 Millionen Jahren begann und vor rund 10000 Jahren endete – optimal angepasst. Im Landkreis Landshut sind Spuren menschlicher Besiedlung in Form archäologischer  Funde erst seit dem Ankommen der Linienbandkeramiker mit Beginn der Jungsteinzeit (5500-2200 v. Chr.) nachgewiesen. Dass sich aber der Mensch seit seinem Ankommen in Mitteleuropa auch schon zur Alt- (500000-9600 v. Chr.) und Mittelsteinzeit (9600-5500 v. Chr.) in unseren Breiten aufhielt, ist mehr als wahrscheinlich, und um die Lebensumstände dieser Vorfahren zu veranschaulichen, entführte Richter seine Zuhörer zu den entsprechenden Fundstellen wie zum Beispiel ins Altmühltal.
Was passierte 40000 v.Chr.? Besonders interessant an Richters Vortrag war, dass er den Gästen zahlreiche Ergebnisse, Theorien  und Fragestellungen aus der aktuellen Forschung präsentierte. Zu gern wüssten wir, was genau um 40000 v.Chr. passierte, als der Homo Sapiens, der Moderne Mensch, der sich in Afrika entwickelt hatte, hier einwanderte und der Neandertaler plötzlich verschwand. Die C14-Daten der jüngsten Knochenfunde des Neandertalers und der ältesten Knochenfunde des Modernen Menschen gleichen sich, und gerade bei Objekten dieses Alters werden die Messdaten ungenau. Die Theorie der Wissenschaft: Der Moderne Mensch besetzte infolge seiner Einwanderung einfach den angestammten Wohnraum des Neandertalers, der während einer Kältephase vorübergehend südlichere Gefilde aufgesucht hatte. Als Populationsdichte zur Altsteinzeit kann man sich bis zu 100 Menschen auf einer Fläche so groß wie Niederbayern vorstellen, so Richter. Um 10000 v. Chr. begann der große Klimawandel. Bäume wie die Eiche und die Ulme siedelten sich wieder hier an, ein Urwald entstand.

Die “Neolithische Revolution”

Tier und Mensch passten sich an. Standwild löste die großen Tierherden ab, die Jagdtechniken des Menschen veränderten sich, er lebte in kleineren Gruppen, die zurückgelegten Entfernungen verringerten sich. Richter betonte, wie wichtig die folgende „Neolithische Revolution“ für unsere gegenwärtige Lebensweise ist. Ackerbau, Viehzucht und die damit einhergehende Sesshaftigkeit, ein Konzept, das im Vorderen Orient entstanden und um 5500 v. Chr. mit der Ankunft der Linienbandkeramiker in unserer Gegend angelangt war, prägen uns bis heute. Das Nomadentum der Mittelsteinzeit war beendet, nun bauten die Menschen Häuser. Die ersten Bauern ließen sich an einigen ausgewählten Plätzen nieder, dort, wo sie die fruchtbarsten Böden vorfanden – unter anderem im Landkreis Landshut, der dichte Besiedelungsspuren aus dieser Zeit aufweist. Die aufgefundenen Hausgrundrisse legen sogar das Vorhandensein einer Siedlungsstruktur nahe, und auf eine Fläche so groß wie Niederbayern kamen nun Berechnungen zufolge schon bis zu 20000 Menschen – ein enormer Bevölkerungsanstieg. Im bis heute andauernden Holozän, der Warmzeit, war das Klima einem ständigen Wandel unterworfen.

Laut Richter ist es schon auffällig, dass einige Entwicklungen in der Weltgeschichte mit – im Rahmen des Holozän kleineren – Klimaveränderungen zusammenfallen. Beweise für solche Wechselwirkungen gibt es aber noch nicht.

In der Folge beschrieb der Kreisarchäologe die aufeinander folgenden Epochen der Jungsteinzeit im klimatischen Wandel, indem er die entsprechenden archäologischen Funde im Landkreis vorstellte, darunter so bekannte Anlagen wie die Viechter Kreisgrabenanlage (4900-4500 v. Chr.) oder das Altheimer Erdwerk (3800-3200 v. Chr.).

Hierarchische Gesellschaftsordnungen

Eine interessante Theorie vertrat Richter zu Zusammenhängen zwischen dem verwendeten Werkstoff und Gesellschaftsordnungen. Die Jungsteinzeit endete in etwa 2200 v.Chr., als sich Bronze, eine Legierung aus Kupfer und Zinn, als Werkstoff etablierte. Kupfer wurde allerdings schon früher verwendet, seit der Altheimer Kultur. War die Gesellschaftsordnung in der früheren Steinzeit offenbar noch egalitär, so gibt es in den späteren Phasen Anzeichen dafür, dass sich mit dem zunehmenden Aufkommen von Metall die Gesellschaft mehr und mehr hierarchisiert und die Zeiten kriegerischer werden. Im Landkreis Landshut legen dies eine befestigte Siedlung der Chamer Kultur (3200-2600 v. Chr.) auf einer Anhöhe bei Ergolding-Kopfham nahe, ebenso wie Gräber der Kulturen der Schnurkeramiker und der  Glockenbecherleute (2800-2200 v. Chr.), in denen Kinder bereits mit Objekten bestattet werden, die als Statussymbole gelten können.
Der mit viel Applaus bedachte Vortrag wird beim kommenden Archäologischen Stammtisch am 10. August im Gasthaus Proske in Ergolding fortgesetzt.zum Seitenanfang

 

 

 

13.7.2012, 19.30 Uhr, ArLan-Stammtisch, Gasthaus Proske, Ergolding

„Referent: Thomas Richter

Thema: Überblick über die Besiedlungsgeschichte des Landkreises Landshut Teil 1 – Von der Eiszeit bis zur Chamer Kultur.“

Der Landkreis Landshut ist mit seiner 7.500 jährigen Besiedlungsgeschichte reich an archäologischen Fundstellen. Laufende und vergangene Baumaßnahmen ermöglichen immer wieder Einblicke in Siedlungen und Bestattungen aller Epochen der bewegten Vergangenheit des Landkreises.
Im Rahmen dieses zweiteiligen Vortrages wurde versucht – anhand ausgewählter Einzelfundstellen – einen Überblick über die im Landkreis Landshut vertretenen archäologischen Kulturen zu geben. Ein Schwerpunkt der Betrachtungen lag dabei auf dem Zusammenspiel zwischen Mensch und Umwelt. Im ersten Teil des Vortrages steht die Steinzeit im Mittelpunkt der Betrachtungen.

 

 

 

13.6.2012, 19.30 Uhr, Arlan-Stammtisch, Gasthaus Proske, Ergolding

Referent Hans JellReferent: Hans Jell

Die Befestigungen am Rande des Erdinger tertiären Hügel- und Holzlandes

Die Landschaft in der wir uns bewegen, erzählt bei genauer Betrachtung viel mehr über die Vergangenheit als wir meinen.
Hans Jell stellte in den Fokus seines Vortrages eine Reihe von Erdwerken wie Keltenschanzen, römische Turmhügel und mittelalterliche Burgställe und Wallanlagen, die sich an der westlichen Hangkante entlang des tertiären Hügellandes im Landkreis Erding und des Holzlandes von Forstinning bis Buch am Erlbach befinden. Weiter geht die  Reihe der Bodendenkmäler entlang des südlichen Isarhochufers von Kronwinkl bis in den Raum Dingolfing.
Er zeigte mögliche Zusammenhänge zwischen kontinuierlicher Besiedlung, Verteidigungslinien und Schutz von Handelsrouten auf, erläuterte frühere Deutungen als römische Gutshöfe oder keltische Heiligtümer und zog Vergleiche mit mittelalterlichen Klöstern.

 

 

 

05.5.2012, Arlan-Ausflug  mit Franz Attenkofer zu Kirchen und Kapellen

Referent Franz AttenkoferVereinsmitglieder Franz Attenkoferr hatte die Mitglieder von arLan zu einer Besichtigungsfahrt verschiedener Kirchen und Kapellen und zwar nach  Untergolding, Preisenberg,Grammelkam, Rammelkam und Berndorf eingeladen. Es wurde eine äußerst interessanten Fahrt die Franz Attenkofer mit seinem umfassenden Wissen um die Geschichte und Geschichten der Sakralbauten zu einem unvergesslichen Erlebnis machte.

 

unten:
Kirche St. Dionys Untergolding, Kirche St. Petrus Grammelkam, Kapelle St. Vitus Rammelkam,
Kirche  Mariä Himmelfahrt Preisenberg, Kapelle St. Laurentius Berndorf

Preisenberg, Kirche Mariä HimmelfahrtUntergolding, Kirche St. DionysGrammelkam, Kirche St. PetrusRammelkam, Kapelle St. VitusBerndorf, Kapelle St. Laurentius

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13. April 2012, 19.30 Uhr, Jahreshauptversammlung, Gasthaus Proske, Ergolding

Tagesordnung:
1. Begrüßung
2. Protokoll der letzten Jahreshauptversammlung
3. Bericht des 1. Vorsitzenden
4. Bericht des Kassenverwalters
5. Entlastung der Vorstandschaft
6. Wünsche und Anträge

Peter Geldner berichtete zunächst über die aktuelle Entwicklung im Verein. Als wichtigsten Aspekt nannte er die erfolgreich verlaufene Etablierung des Kreisarchäologen Thomas Richter, der seit Beginn 2011 über den Verein mit Mitteln des Landkreises angestellt ist. Richter kümmert sich im Landkreis Landshut um alle Belange der Archäologie und Bodendenkmalpflege, er betreut Ausgrabungen und fungiert als Vermittler zwischen Gemeindevertretern und Archäologen. Eine weitere aktuelle Aufgabe von Tomas Richter ist die Koordination des sogenannten Landshuter Höhenwanderweges, ein Projekt der Tourismusabteilung des Landratsamtes und des Vereins ArLan.
Weiter berichtete Peter Geldner über die Ausgaben des Vereins. Ein höherer Betrag sei sinnvoll für historische Kleidung für KIinder verwendet worden. Diese mittelalterlichen Wappenröcke und keltischen Kittel kommen bei den museumspädagogischen Programmen von Monika Weigl, der zweiten Vorsitzenden und Leiterin des Museums Adlhoch-Haus zum Einsatz.
Im Anschluss berichtete Kassenverwalter Christoph Stein über Kassenstand und Ausgaben.
Monika Weigl schließlich gab mittels eines bilderreichen Powerpoint-Votrags einen informativen und unterhaltsamen Rückblick über die letzten beiden Jahre. Die Aktivitäten reichten von Vorstandssitzungen über Feldbegehungen, Wanderungen und Ausflüge bis hin zu Heimatpflegertreffen.

 

 

 
9.3.2012, 19.30, Arlan-Stammtisch, Gasthaus Proske, Ergolding

Referent Prof. Otto BauerReferent: Prof. Otto Bauer

Thema: Eine Zeitreise durch die bauliche Vergangenheit Deutschlands

In der 2. Hälfte des vergangenen Jahrhunderts wurden erfolgreich archäologische Grabungen ausgeführt und entdeckte geschichtliche Anlagen experimentell in Freilandmuseen rekonstruiert.
Vereinsmitglied Architekt Prof. Otto Bauer schildert in einem Bildvortrag seine Deutschlandrundreise zu Zeugen deutscher Bau - und Kulturgeschichte. Erstes Besuchsziel war die Funkenburg in Thüringen, 35 km nördlich der Blumenstadt Erfurt gelegen, eine einzigartige Nachbildung einer germanischen Höhensiedlung aus der Zeit des 2. Jh. v. Chr. bis zum frühen 1. Jh. n. Chr. Nächster Halt galt der Slawenburg Raddusch in der Niederlausitz, eine der etwa 30 Ringburgen der Lusizi des 9. / 10 Jh. n. Chr. Der eindrucksvolle Rundbau am Rande der beliebten, romantischen Auenlandschaft des Spreewaldes liegt nahe an der A 2, welche von Cottbus nach Berlin führt.
Nach einer glücklichen Ostumrundung unserer Hauptstadt rollten die Räder weiter nordwärts nach Mecklenburg-Vorpommern über Schwerin zum Freilandmuseum Groß Raden, einem altslawischen Tempelort des 9./ I0 Jh. n. Chr. mit frühmittelalterlicher Burganlage am Hernberger See.
Nördlichstes Ziel ist das Wikingermuseum Haithabu an der Schlei, Schaufenster in ein frühes städtisches Fernhandelszentrum an der Ostsee aus dem 9. - 11. Jh. n. Chr. Im archäologische Freilandmuseum in Oerlinghausen nahe Bielefeld mit Bauten aus der Steinzeit bis zum Frühmittelalter fand die Rundreise nach 7 Tagen ihren Abschluß.

 

 

 

10.2.2012, 19.30 Uhr, Arlan-Stammtisch, Gasthaus Proske, Ergolding

 Referent Prof. Dr. SpitzlbergerReferent: Prof. Dr. Georg Spitzlberger

Thema: Landshut in der Kriegs- und Nachkriegszeit (Diavortrag)

Herr Prof. Dr. Georg Spitzlberger, langjähriger Leiter des Stadtmuseums Landshut und Stadtheimatpfleger schöpft aus einem reichen Wissen über das Leben in dieser schweren Zeit und die sie prägenden Persönlichkeiten. In einem Diavortrag vermittelt der Referent lebendige Heimatkunde über die jüngste Geschichte der Stadt Landshut aus erster Hand von einem Zeitzeugen, der zugleich profunder Kenner der Landshuter Stadtgeschichte ist.

 

 

 

 

 

 

13.1.2012, 19.30 Uhr, Gasthaus Proske, Ergolding, Veranstaltung in Zusammenarbeit mit dem Historischen Forum Altdorf

Referent: Kreisarchäologe Thomas Richter

Thema: ...haben Sie schon Gold gefunden ?  - Bericht über 12 Monate Kreisarchäologie Landkreis Landshut

Referent Thomas RichterDie Funde des Jahres 2011 und ihre Bedeutung für die frühe Geschichte des Landkreises sind Thema des Vortrags aus der Reihe des Historischen Forums

Der Landkreis Landshut zählt zu den Landkreisen mit der höchsten Dichte an archäologischen Bodendenkmälern in Bayern.
Bereits die ersten Bauern erkannten die Güte der Lößböden für die Landwirtschaft. Sie errichteten hier vor 7.500 Jahren eines der ältesten Dörfer Mitteleuropas. Seit dieser Zeit ist das Gebiet des Landkreises kontinuierlich dicht besiedelt.

Spuren dieser Siedlungstätigkeit seit 7.500 Jahren konnten im Laufe des letzten Jahres in vielen Gemeinden des Landkreises geborgen werden.
In Vilsbiburg – Solling wurde beispielsweise unter der Erweiterung eines Schrottplatzes ein Dorf aus der älteren Jungsteinzeit um 5.000 v. Chr. entdeckt.
Baugebiet EssenbachMit dem Grab der Dame von Weihenstephan und dem Fürstengrab von Essenbach fanden sich zwei reiche Zeugnisse früher Elitenbildung in Bayern vor rund 3.300 Jahren. In Ergolding gewährte eine besondere Grabung den Forschern Einblick in ein Machtzentrum des frühen Mittelalters.
Mit Funden aus der gesamten Zeitspanne der Besiedlung des Landkreises ist das erste Jahr der Kreisarchäologie im Landkreis Landshut erfolgreich zu Ende gegangen. Und auch die Frage „… haben Sie schon Gold gefunden?“, die Archäologen gerne gestellt wird, konnte mehr als einmal mit „Ja“ beantwortet werden.

 

 

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