ArLan

Ein Überblick über Aktivitäten und Vorträge

 

 

10.12.2010, Bericht über Schottland-Reise

Referent: Franz Eberth

In seinem "Schottland-Vortrag" berichtet er von einer Busreise zu Städten, Burgen, Schlösser und Örtlichkeiten und deren geschichtlichen, sozialen und archäologischen Besonderheiten. Es geht dabei z.B. um Kriege zwischen England und Schottland, soziale Probleme im Zusammenhang mit der "Clearance", Erschließung der Insel Skye mit einer Brücke, über Archäologie auf den "Orkneys” und vieles Interessantes mehr.

 

 

 

12.11.2010, 19.30 Uhr, arLan-Stammtisch im Gasthaus Proske in Ergolding.

Referent: Historiker Max Tewes. M.A.

“Der Liebhaberei und Spielerei von Dilettanten preisgegeben”

Die lange Vorgeschichte der staatlichen Bodendenkmalpflege in Bayern. Erst 1908 kam es zur Institutionalisierung der Bodendenkmalpflege in Bayern. Vorangegangen waren zahlreiche Initiativen von privater wie staatlicher Seite zum Schutz und zur Erforschung der archäologischen Denkmäler Bayerns.
Der Vortrag des Historikers Max Tewes M.A. stellt die wichtigsten Akteure und ihre Aktivitäten vor: Etwa König Ludwig I. und sein geschichtspolitisches Programm, die historischen Vereine und ihre Verdienste um Erforschung und Erhalt unseres geschichtlichen Erbes oder die Prähistorische Staatssammlung und das aus den zahlreichen Ausgrabungen resultierende Problem der Aufbewahrung und Präsentation der geborgenen Objekte. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei den Verhältnissen in Niederbayern.

 

 

 

8.10.2010, 19.30 Uhr, arLan-Stammtisch, im Gasthaus Proske in Ergolding.

Referent: Werner Hübner

Die Erbauer der geheimnisvollen Keltenschanzen

In vielen Orten in unserem Landkreis sind sichtbar oder in Wäldern versteckt, die Reste von keltischen Siedlungen oder Kultanlagen vorhanden. Werner Hübner vom Archäologischen Verein arLan, trägt seit Jahrzehnten die Hinterlassenschaften zusammen, die auf Feldern zu finden sind. Er trägt die Funde in Fundstellenkarten ein und zeichnet so ein Bild der Siedlungslandschaft unserer keltischen Vorfahren. Besonders interessant sind die Anlagen mit tiefen Gräben und ehemals hohen Wällen, deren eigentliche Funktion noch immer nicht genau bekannt ist. Werner Hübner erzählte auch vieles über die ihre Religion, Sprache und ihre Handwerkskunst..

 

 

 

3.9.2010, 19.30 Uhr, arLan-Stammtisch im Gasthaus Proske in Ergolding

Referent: Hans Jell

Thema:  "Die Reichsherrschaft Fraunhofen"

Der Vortrag gibt eine Zeitreise vom 8. - bis ins 20. Jahrhundert der Geschichte derer von Fraunhofen wieder. Es geht über die Geschichte der Fraunhofen auf Alt-Neufraunhofen. Das Geschlecht der Fraunhofen nimmt innerhalb der bayerischen Geschichte eine ungewöhnliche Sonderstellung ein. Der Grund ist der Status der Reichsunmittelbarkeit, den dieses Geschlecht bis 1806 für sich beanspruchte. Die Hintergründe sind nur im Zusammenhang mit der komplizierten Rechts- und Verfassungsgeschichte des Mittelalters zu verstehen.

 

 

 

9.7.2010, 19.30 Uhr, arLan-Stammtisch im Gasthaus Proske in Ergolding.

Referent: Elmar Stöttner

Thema: Eine Reise durch 8 Jahrtausende niederbayerischer Kulturgeschichte

Mit einem Powerpoint-Vortrag zeigt der Referent Elmar Stöttner anhand von herausragenden Funden, welche reiche Hinterlassenschaft aus verschiedenen Epochen der Vorgeschichte sich in unserer Region erhalten hat. Der Vortragende ist Journalist und seit 2002 Pressesprecher des Landratsamts Landshut und begleitet die archäologische Erforschung Niederbayerns seit Jahrzehnten. Seit 2004 organisierte er die größte und erfolgreichste Ausgrabungsaktion für Laien im deutschsprachigen Raum. Unter der Leitung von grabungserfahrenen Archäologen nehmen Archäologie-Enthusiasten aus ganz Deutschland, aus Österreich, der Schweiz und Holland an einer wissenschaftlichen Ausgrabung teil. Es ist zudem eine großartige PR-Aktion für den Landkreis Landshut und darüber hinaus für Niederbayern. Auch diese Aktion stellte der Vortragende vor.

 

 

 

11.6.2010, 19.30 Uhr, arLan-Stammtisch im Gasthaus Proske in Ergolding.
Referent: Dr. Bernd Engelhardt

Thema: Die Brotlaibidole - Rätselhafte Tonobjekte der Bronzezeit

Brotleibidole sind mehrere Zentimeter große, mit rätselhaften Ritzungen und Einstichen verzierte Tonobjekte der Bronzezeit (ca. 2000 bis 1400 v. Chr.). Aus Bayern kennt man bis jetzt fünf dieser brotlaibförmigen Gegenstände. Der Referent stellte diese fünf Brotlaibidole vor, erklärte ihre Datierung und dann ihren Stellenwert innerhalb der mitteleuropäischen Bronzezeit. Außerdem erläuterte er die verschiedenen, alle nicht befriedigenden Deutungsversuche.

 

 

 

14.5.2010, 19.30 Uhr, arLan-Stammtisch im Gasthaus Proske in Ergolding.

Referentin: Monika Weigl

Thema: Geschichte im Baum - Erinnerung an eine Klimakatastrophe

Als vor fast 15 Jahren in Pfettrach–Höfen bei Grabungen zahlreiche hölzerne Überreste in einer Siedlung aus der Zeit der Bajuwaren gefunden wurden, erbrachten die Untersuchungen sensationelle Ergebnisse. Nicht nur die Klimaforscher waren an den rund 1400 Jahre alten Funden interessiert, auch Botaniker, Zimmerer, Historiker und viele weitere Wissenschaftler. Kreisheimatpflegerin Monika Weigl berichtet über die Grabung und deren Auswertung durch den polnischen Archäologen Prof. Dr. Kobylinski.

 

 

 

18.6. bis 20.6.2010, Reise, Sonnentempel im Weinviertel

Der Verein arLan Archäologie für Stadt und Landkreis Landshut hat die diesjährige Exkursion nach Österreich ins Weinviertel geplant. Dort liegen zahlreiche „Sonnentempel“, über die der Wiener Prof. Dr. Wolfgang Neubauer vor kurzem in Viecht einen viel beachteten Vortrag gehalten hat.
Prof. Neubauer hat für die 3-tägige Tour auch Vorschläge für die Reiseroute gemacht, um die interessantesten Kreisgrabenanlagen z.B. in Heldenberg, Steinabrunn, Porrau, Puch, Friebritz, Schletz sehen zu können. Ein ganzer Tag blieb für das Museum für Urgeschichte in Asparn a.d.Zaya.

 

 

 

9.4.2010, 19.30 Uhr, arLan-Stammtisch im Gasthaus Proske, Ergolding

Referent: Dr. Joachim Hamberger, Staatl. Führungsakademie für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten

Thema: Reichtum der Wälder an kulturellen Denkmalen

Herr Dr. Joachim Hamberger erzählte am 09. April über den Reichtum der Wälder an kulturellen Denkmalen, über den besonderen Schutz durch Baumvegetation aber auch über Gefährdungen.

 

 

 

18. März 2010, Sonderveranstaltung  in Viecht bei Landshut, Beginn 19.30 Uhr

Referent: Prof. Wolfgang Neubauer aus Wien

Thema: Bayerns Stonehenge – älter als die Pyramiden

Verein arLan, Gemeinde Viecht, Kulturpolitischer Arbeitskreis der CSU Landshut-Stadt und Landkreis luden zur Sonderveranstaltung in der Aula der Hauptschule Viecht in Kronwinkl bei Landshut ein. Es ging um das Bodendenkmal der Kreisgrabenanlage in Viecht. Kreisgrabenanlagen entstanden vor rund 6500 bis 6800 Jahren. Dieser Vortrag zeigte u.a. wie hoch das Wissen der damaligen Leute bereits war. Zur Information und Einstimmung zu dem herausragenden Vortrag von Prof. Wolfgang Neubauer aus Wien erschien ein, wie immer exquisiter, Artikel dazu von unserem Vereinsfreund Elmar Stöttner:.

Bayerns Stonehenge – älter als die Pyramiden
6800 Jahre alte Kreisgraben-Anlagen sind einzigartige Himmels-Observatorien

Die rund 6800 Jahre alten Kreisgraben-Anlagen, von denen die ersten in Niederbayern entdeckt wurden, waren nicht nur „Sonnentempel“ oder -Observatorien: Die Tore solcher aus Holz gebauten Kultstätten waren auch nach Sternbildern oder einzelnen besonders hellen Fixsternen ausgerichtet wie dem Deneb im Sternbild des Schwans. Die Kultanlagen offenbaren damit herausragende astronomische Kenntnisse der Europäer der Jungsteinzeit, schilderten Prof. François Bertemes (Halle) und Wolfgang Neubauer (Wien) auf dem 25.
Niederbayerischen Archäologentag in Deggendorf.
„Ja, gell, wenn ich ein Ägyptologe wäre, dann würden Sie mir das ohne Weiteres abkaufen“, kokettierte der österreichische Archäologe Neubauer vor mehreren hundert faszinierten Geschichtsfreunden aus Deutschland, Österreich und Tschechien: Aber er rede von den Menschen einer bäuerlichen Kultur im Mitteleuropa der Jungsteinzeit, in Niederbayern, Sachsen-Anhalt, Sachsen und
Niederösterreich – in der Zeit um 4800 Jahre vor Christus...
Mit modernster Computer-Technik und auf der Grundlage einer fachübergreifenden Zusammenarbeit mit Astronomen ging Neubauer den 44 „mittelneolithischen Kreisgraben-Anlagen“ oder „Rondellen“ – so die wissenschaftlichen Namen für die „Sonnentempel“ – auf den Grund. Er kann heute nachweisen, dass die Tore zahlreicher Anlagen auf die Aufgangspunkte von Sternbildern wie dem der Plejaden ausgerichtet waren. In einer Computer-Animation zeigte Neubauer, wie im Osttor der Kultstätte von Immendorf (Niederösterreich) vor über 6500 Jahren „exakt am Morgen des ersten Frühlingstages das Sternbild der Plejaden bis zum Herbst zum letzten Mal zu sehen ist“: Bereits am Tag darauf werden die Plejaden, deren Erscheinen am Himmel in der Antike die Zeitpunkte für Aussaat und Ernte markierten, von der Sonne überstrahlt.
Neubauers Forschungsergebnissen liegen minuziöse dreidimensionale Computer-Rekonstruktionen der monumentalen Kultstätten (bis zu 135 Meter Durchmesser) und ihrer Holzpalisaden-Ringe zugrunde: Sie zeigen die Anlagen in der sie umgebenden Landschaft und mit ihren Sichthorizonten. Insbesondere wurden mit Hilfe eines Computer-Programms auch der Sternenhimmel der Jungsteinzeit wiederhergestellt: Unter Einbeziehung der Erdachsen-Rotation wurde gewissermaßen die Uhr um mehr als 6500 Jahre zurückgestellt. Von vielen dieser Kultstätten ist aufgrund der Forschungen des Münchner Geophysikers Helmut Becker bekannt, dass ihre Tore (erkennbar als meist
symmetrische Unterbrechungen in den Palisaden-Reihen) auf den Ausgangs- und den Untergangspunkt der Sonne an besonderen Tagen ausgerichtet ist – an den Sommer- und Winter-Sonnenwenden sowie an Frühlings- und Herbstanfang (Tagundnachtgleiche).
Neubauer und seine Kollegen fanden heraus, dass auch jene Kreisanlagen nach astronomischen Gesichtspunkten errichtet wurden, bei denen eine Funktion als „Sonnentempel“ nicht in Frage kommt: Nordtore sind nach dem Stern Deneb ausgerichtet, Südtore nach dem Rigel im Sternbild des Orion, die Westtore nach Antares, einem Doppelstern im Sternbild Skorpion, und die Osttore nach dem Siebengestirn der Plejaden.
In Niederösterreich ist eine solche Kultanlage nachgebaut worden und ebenso in Sachsen-Anhalt – hier sogar am Originalschauplatz bei Goseck (südlich von Halle). Prof. Bertemes von der Universität Halle-Wittenberg legte nicht nur Forschungsergebnisse rund um die 17 bekannten Rondelle in Sachsen-Anhalt dar, sondern auch elementare Erfahrungen, die durch den Nachbau wieder möglich
geworden sind. So erzählte er, dass im Inneren der Anlage ein eigenartiger Widerhall zu vernehmen ist: Man glaube, die eigene Stimme mit etwa einer Sekunde Verzögerung noch einmal zu hören.
Die ersten zwei Kreisgraben-Anlagen waren in Niederbayern in den 1920er Jahren von Heimatforschern entdeckt worden: bei Kothingeichendorf (Landau/Isar) und bei Künzing (Landkreis Deggendorf). Früher war Bayern einmal führend bei der Erforschung der Epoche der Sonnentempel: Das war zwei Forschern zu verdanken –neben dem Geophysiker Becker dem Luftbildarchäologen Otto Braasch (Landshut).
Braasch entdeckte ab 1980 aus der Luft fünf weitere niederbayerische Jungsteinzeit-Tempel, die aus der Zeit um 4800 vor Christus stammen – und damit über 2000 Jahre älter sind als Ägyptens Pyramiden. Nach 1990 fand er reihenweise Rondelle in Sachsen-Anhalt (zum Beispiel Goseck) und in Sachsen.
Becker untersuchte die Fundstätten mit einem Cäsium-Magnetometer, einem Gerät, das geringste Abweichungen des Erd-Magnetfelds registriert, den Untergrund durchleuchtet und Unsichtbares sichtbar macht – frühere Gräben, einstige Palisadenreihen, Erdgruben und Wälle. Der Geophysiker war der Erste, der Parallelen zu der weltberühmten Kultstätte von Stonehenge (Südengland) herstellte, deren Hauptachse auf den Tag der Sommer-Sonnenwende ausgerichtet ist: Er erntete viel Kopfschütteln dafür – und manchmal auch Hohn, was heute kaum noch einer wahrhaben will. Schlimmer ist für ihn und alle Geschichtsfreunde, dass das Land Bayern mittlerweile bei der Förderung archäologischer Forschungen das absolute Schlusslicht in Deutschland ist. Während Österreicher und Ostdeutsche diese Tempel, „Perlen des Kulturerbes Europas“ (Neubauer), erforschen, geben die Bayern die Sternen-Observatorien durch Untätigkeit und Desinteresse dem langsamen, aber sicheren Verfall preis.

 

 

 

12.03.2010, 19.30 Uhr Jahreshauptversammlung

Anschließend ein Vortrag
Referent: Hans Jell:

Thema: 2500 Jahre von den Kelten bis heute, Sitten - Brauchtum - Religion - Mythen - , was hat die Zeiten überdauert ?

Das Referat bezog sich auf die in der germanisch - keltischen Welt üblichen Riten, der Kultur, der Religion und der Mythen. Was wissen wir über die Sitten und Gebräuche und der religiösen Rituale der keltischen Bevölkerung im Süddeutschen - Österreichischen Raum, speziell in den späteren römischen Provinzen Rätien und Noricum ? Vergleicht man nun diese mit heutigen volkstümlichen Brauchtum, der Heiligen-Verehrung und der Feste und Bräuche im Kirchenjahr, so ergeben sich durchaus interessante Aspekte. So manches hat sehr alte Wurzeln und geht in weit vergangene Zeiten zurück.                                          
Finden sich noch Wurzeln aus dieser Zeit im volkstümlichen und kirchlichen Brauchtum im Raum Südbayern und Österreich ( Rätien - Noricum) ?

Jell wies darauf hin, dass dieses Referat nichts mit Esoterik und sonstigen modernen Trends zu tun hat. Die Idee kam erst durch intensives Studium dieses rätselhaften Volkes, das vor den Römern auch in unserer Heimat siedelte.

Die Kelten:
Lasst mich ganz kurz auf dieses Volk eingehen, sie haben in unserm  Land vor -und während der römischen  Besatzung gesiedelt. Der Begriff “Kelten”  geht auf  griechische Überlieferungen bei Herodot und anderen Autoren aus dem 6. und 5. Jahrhundert v.  Chr. zurück, die sie als “celtoi”, celtae oder “galli” und galati benannten.

Verbreitung:
Das Kernland dieses indogermanischen Volkes der Kelten oder ( Gallier ), in dem es zuerst geschichtlich fassbar wurde,  betrachtet man derzeit den Ostalpenkreis ( Österreich ) Süd - und Mitteldeutschland , aber auch noch Böhmen und Ostfrankreich.
Die erste Kultur die wir mit den Kelten verbinden, stellt die Hallstadtkultur dar, benannt nach dem Fundort Hallstadt in der Nähe von Salzburg. Das Verbreitungsgebiet dieser Kultur erstreckte sich von Ostfrankreich bis zu den Ausläufern der Ostalpen und vom Südrand der Alpen bis Mitteldeutschland nördlich des Mains, vereinzelt auch von Nordspanien bis England. Vermutlich in einer langsamen Wanderbewegung.

Die Kenntnis der Eisenverarbeitung war von entscheidender Bedeutung für ihre Ausbreitung in Europa. Sie führte zu einem mächtigen Aufblühen von Bergbau, Handwerk, Ackerbau und Handel. Die Kelten besiedelten das Land flächendeckend und erschlossen es mit Wegen und Straßen. Ihre Landwirtschaft und ihre Handwerkskunst war hoch entwickelt und wurde selbst von den Römern sehr bewundert, denn die Kelten  kannten bereits einen eisernen Pflug, der die Scholle wendete. Zudem wurden bereits Töpferscheiben und Metalldrehscheiben im Handwerk verwendet.

Mit der Latenezeit ca. 480 v. Chr. - 50 v. Chr., kam  die letzte Blüteperiode keltischer Kultur, sie gründeten Oppida (Städte und kleine Reiche). Ein Siedlungsgebiet der Galater war in Anatolien, was durch antike Quellen bezeugt ist, durch den “Galaterbrief” des Apostels Paulus. Beim Zug der Kelten nach Italien  in die Poebene im Jahre 387 v. Chr. war unter anderen Stämmen auch der keltische Stamm der Boier beteiligt, dessen Name erst wieder in Cäsars “De Bello Gallico”  von in der jetzigen Schweiz besiegten Völkern auftaucht und später nach vielen Jahrhunderten zum Namen Böhmens  und der Baiuwaren beigetragen hat.

Befestigte Höhensiedlungen:
Die Befestigung auf dem Staffelberg ca. 3 ha. ist hier neben vielen ähnlichen ein schönes Beispiel, die strategische Lage ist von großer Bedeutung. Im übrigen ist das Kirchlein das sich auf dem Plateau befindet, ein schönes Beispiel für das Vorgehen der Missionare bei der Christianisierung unseres Landes. Kultplätze der Heiden wurden gerne als Standorte für Kirchen und Kapellen verwendet, entsprechend der Weisung Papst Gregor des Großen.

Es gab  Höhensiedlungen auf dem Michelsberg bei Kehlheim, die Fentbachschanze bei Weyarn, Weltenburg-Frauenberg, die Ehrenbürg bei Forchheim, den Margaretenberg bei Burgkirchen.

Fürstengräber:
Aus der Zeit des 6. und 5. Jh.v.Chr. sind uns sogenannte Fürstengräber bekannt, zum Beispiel das Grab bei Hochdorf  Kr. Ludwigsburg. Diese waren reich ausgestattet es befanden sich sogar vierrädrige Wagen darin. Solche  Wagen gehörten seit der späten Bronzezeit zur Ausstattung reicher Gräber. In Poing wurde von 1989 bis 1992 ein Gräberfeld untersucht, darunter befand sich auch eine Grabstätte eines spätbronzezeitlichen Wagenfahrers.

Spätlatene - Oppidakultur:
Ab der 2. Hälfte des 3.Jahrh. v Chr. wurden vom Osten und Süden ausgehend auch im Bereich des Alpenvorlandes bis hinauf zum nördlichen Rand der deutschen Mittelgebirge wieder große befestigte Siedlungen, sogenannte “Oppida” gegründet. Die Bezeichnung “Oppida” geht dabei auf römische Schilderungen z.B. von (Julius Caesar) zurück. Diese Oppida wiesen stadtähnliche Strukturen auf und konnten in Einzelfällen beträchtliche Einwohnerzahlen aufweisen, ca.5.000 bis 10.000 Bewohner.
Als Beispiele für diese Siedlungen können der Staffelberg in Oberfranken, Manching in Oberbayern, das Heidetränk-Oppidum in Taunus, der Dünsberg bei Gießen die Heidenmauer bei Bad Dürkheim und weitere gelten.
Die keltische Oppidakultur erlebte ab Ende des 2.  bis ins späte 1. Jhrh. v. Chr.  ihre Blüte. In hochentwickelter Handwerks- und Kunstfertigkeit sowie die durch den  Fernhandel bedingte Einführung des Münzwesens  sogenannter (Regenbogenschüsselchen) wurde die Stufe zur Hochkultur erreicht.

Lediglich das Fehlen einer allgemeinen Schrift, steht dieser Bezeichnung entgegen. Auf Grund antiker Schilderungen in römischen und griechischen Quellen darf man jedoch von einer hochentwickelten Kultur und Technik und der exakten Weitergabe mündlichen Wissens im Bereich der keltischen Stämme ausgehen


Viereckschanzen - Keltenschanzen:
Den Schanzen in Süddeutschland und der Schweiz  gemeinsam ist das viereckige Wall-Grabensystem, welches in der Regel mit einer Toröffnung gegen Osten (aber fast nie nach Norden) versehen war. Neuere großflächige Ausgrabungen in Baden-Württemberg und Bayern erbrachten die Erkenntnis, dass kultisch geprägte Elemente in Viereckschanzen zu den Ausnahmen gehörten. Es zeigt sich, dass die Innenbebauung der Schanzen  scheinbar einer allgemeinen Regel unterlagen. Gegenüber dem Tor befand sich das größte Gebäude. Typische Speicherbauten zeichnen sich durch vorhandene Pfostenlöcher ab.  Da das Fundgut aus den Schanzen dem bekannten Spektrum von Siedlungen entspricht und oft eine Anbindung in umliegende Ansiedlungen nachgewiesen werden kann, geht man heute davon aus, dass die Nutzung durch eine gehobene Bevölkerungsschicht erfolgte. Trotzdem könnten auch kultische Handlungen stattgefunden haben, man vergleiche die ersten christlichen Klöster. Innerhalb einer Schutzmauer befanden sich eine Kirche sowie Konvent- und Wirtschaftsgebäude.

Kelten und Römer:
Nach der Eroberung des nördlichen Voralpenrandes und Galliens durch die Römer unter Caesar (in Gallien) bzw. unter Augustus (in Rätien), lebten  große Teile der keltischen Bevölkerung und Kultur in den nun römischen Provinzen Rätien, Noricum und Pannonien sowie in einer Übergangszone zwischen den römischen und germanischen Einflussbereich fort.

In den von den Römern eroberten Gebieten verschmolzen nach der Zeitenwende mit zunehmender Romanisierung keltische und römische Kulturelemente zur relativ eigenständigen gallo-römischen Kultur im Westen bzw. der norisch - pannonischen Kultur im Osten, einzelne Elemente der keltischen Kultur lebten dort bis in die Spätantike fort.  Zahlreiche Grabdenkmäler aus der römischen Zeit zeigen noch typisch keltische Gesichter Frisuren und auch Namen.

Die Haartracht der Frauen war die uns gut bekannte sogenannte “Gretlfrisur“ und die Männer liebten große nach oben stehende Schnauzbärte.

Die keltische Mythologie:
Sie verehrten göttlich die Sonne, den Mond, das Wasser und Quellen, Berge und Bäume vornehmlich Eichen, ferner Feen, Elfen und Dämonen. Der keltische Himmelsgott in seiner dreifachen Form, Teutanes, Taranis und Esus führte über 100 Beinamen, wodurch sich die große Zahl von Familien, Lokal und Landesgöttern erklärt. Die Kelten waren von Furcht vor den Göttern durchdrungen und besaßen einen lebendigen Unsterblichkeitsglauben. Die Götterfurcht bestimmte die sittlichen Handlungen.
Kultplätze waren mit Vorliebe an besonders geheimnisvollen und exponierten Stellen, wie in  Berghöhlen, an Quellen und an Moorlöchern. Auch auf Berggipfeln und Bergvorsprüngen, auf oder an großen Steinen (Findlingen)  in heiligen Hainen und auf  Waldlichtungen fanden Kulthandlungen statt. Die Kelten schufen kaum Skulpturen von den Göttern, da ihre Naturreligion sie nicht benötigte. Im Mittelpunkt des keltischen Geisteslebens stand die Priesterschaft der Druiden, die ihre Kult-Überlieferungen nur mündlich weitergegeben  haben.
Bei den Kelten waren auch Menschenopfer üblich. Sie glaubten nämlich, die unsterblichen Götter ließen sich dadurch befriedigen.

Die Opfer, die mit Gebeten verbunden sind, wurden von Priestern “Druiden” genannt dargebracht. Wahrsager  kannte man ebenfalls. Die Druiden waren auch gleichzeitig Zauberer. Der römische Geschichtsschreiber Plinius berichtet von den Druiden, dass sie weiß gekleidet waren. Sie gehörten zu den Ranghöchsten der Stämme und vermittelten zugleich das allgemeine Wissen mündlich, da uns keine schriftlichen Aufzeichnungen vorliegen. In einer Mondnacht schneidet der Druide mit einer goldenen Sichel die zauberkräftige  Mistel von den Eichen die dann von den Jungfrauen aufgesammelt wurden.
Eine Natur-Kultstätte der Kelten schildert der römische Dichter “Lucanus”. Er erzählt von einem Hain der sich unweit von Massilia (Marseille) befand, dessen Gipfel so dicht waren, dass kein Sonnenstrahl durchdringen konnte. Hier herrschte beständige Dunkelheit und Kühle. Dieser Hain war der Feier schrecklicher Mysterien geweiht. Man sah Altäre , auf denen Menschen geopfert wurden die Rinde der umstehenden Bäume war von ihren Blut gerötet. Tempel lernten die Kelten erst durch die Römer kennen.

Sprachen:
Eine urkeltische Sprache ist auf Grund fehlender Schriftzeugnisse nicht überliefert. Eine größere Anzahl von Götternamen, meistens erst aus der römischen Epoche und häufig erweitert um eine römische Götterbezeichnung sind wieder rekonstruiert worden.
In Ortsnamen klingen manchmal noch keltische Götter an. Viele unserer Flüsse tragen keltische Namen, sehr oft von keltischen Göttern, z.B. Isar, Inn, Donau, Iller, Isen, Vils um nur einige zu nennen.
Allerdings ist die keltische Sprache im deutschen Raum ganz untergegangen und kann daher nicht mehr sicher erfasst werden.
Einen Anhalt bilden nur die in der Bretagne und in Irland, Wales und Schottland weiterlebenden Keltensprachen.

Keltische Gottheiten:
Keltische Gottheiten: Lug = in der irisch - keltischen Mythologie der Gott für “gewandt in den Künsten“. Das römische Gegenstück :“Merkur “  der Gott der Kaufleute und Erfinder der Künste.
Tiergötter waren bei den keltischen Religionen  wichtig, “Epona“ wurde vor allem als Pferdegöttin verehrt, sie war später sogar die Patronin der römisch- britischen Kavallerie. Bedaius vermutlich der Gott des Chiemsees, wurde zum Namensgeber des römischen Kleinkastells Bedaium - in (Seebruck).
Auch der Mütterkult war in Rätien vorhanden, solche Weihungen an weibliche, meistens im Dreigestirn dargestellte Gottheiten waren eine oft wiederkehrende Erscheinung. In ihnen ist eine alte bodenständige Art der Götterverehrung  lebendig, die mit Haus und Familie eng verbunden war. Es waren dies  Ainbeth, Vilbeth und Warbeth, im rheinländischen Fides, Spes und Charitas.
Der Vergleich mit heute:
die Verehrung der drei hl. Madeln, Barbara mit dem Turm, Margareta mit dem Wurm, Katharina mit dem Radl, das sind die drei heiligen “Madl”.Ostara: Frühlingsgöttin der Kelten, sie galt auch als Göttin des aufsteigenden Lichts, der Morgenröte. Das Osterfest wurde nach ihr benannt. In den Osterfeuern wurde der  Winter verbrannt, der Winterriese wurde als Strohpuppe in die Flammen geworfen.

Vergleiche mit Heute:
Es gibt Bräuche wie das Austreiben des Winters an Fasching.
In Dorfen  wird nach dem Faschingstreiben am “Unsinnigen Donnerstag” der Winter in Form der Verbrennung einer Strohpuppe ausgetrieben, ähnliches findet sich an anderen Orten, speziell im Schwäbisch - Allemanischen  Bereich. Man denke an die schönen Perchten-Masken,  bei deren Tanz ebenfalls der Winter ausgetrieben wird. Wer nun römische Weihedenkmale aufmerksam betrachtet, wird bald merken, dass unter der römischen Decke  sich nicht selten keltische Gottheiten verbergen.
“ Apollo “ trägt auf den uns bekannten Inschriften stets den Beinamen “Grannus“ dieser war ein Heilgott der Kelten, und da auch dem “Apollo“ heilende  Kräfte zugeschrieben wurden, lag es nahe beide Gottheiten einander anzugleichen. Taranis  “der Donnerer” mit seinem Speichenrad scheint er ein Gott des Donners gewesen zu sein. Die Römer setzten ihn mit ihrem Gott der Toten “Dis Pater” , sowie mit “Jupiter” dem Himmelsgott und Schleuderer von Blitzen gleich. Keltische Gottheiten und Rituale wurden schon während der römischen Herrschaft mit ihren griechisch - römischen Gegenstücken vermischt.

Der Baumkult:
Die Verehrung eines Baumes als einer Erscheinungsform der Mutter Erde, war über den nordischen Kulturkreis hinaus verbreitet. Nirgends ist aber der Glaube an die Ehrwürdigkeit von Bäumen und Quellen so verbreitet wie in Deutschland.
Der eigentliche Baumkult gründet wahrscheinlich im Erdkult und ist die Ausdrucksform  der Erdgöttin. Dieser fetischistische Naturdienst konnte sehr wohl mit einer christlichen Legende umhüllt werden. Derart war zum Beispiel die Verehrung der Eiche Mambre durch die Christen und Heiden, von der uns Sozomenus berichtet.

Siehe auch Schröders “Germanentum in Deutschland“, sowie H. Mang “Menschliche Uranlagen und Entwicklung im Wallfahrtswesen” von 1934.
Arnold von Sankt Emmeran in Regensburg spricht noch 992 n. Chr. von hl. Bäumen, unter denen geweissagt wird. Er sprach von Bauern aus der Gegend von Regensburg. Diese wollten bestimmte Bäume nicht fällen, weil unter ihnen ihre Vorfahren gebetet und geopfert haben. Diese Bauern waren immerhin seit zehn bis zwölf Generationen Christen.

Vergleiche mit heute:

Der Baumkult verbindet sich oft mit christlichen Gnadenstätten, zum Beispiel bei der Wallfahrt  in Maria Thalheim, deren Madonnenbild in einer Hollunder - Staude gefunden wurde, die Wallfahrt besteht mindestens seit dem Ende des 14. Jh.
Noch 1963 sagt Pfr. Andreas Kleiner aus Niederding, es würden sich Pilger einen Zweig dieser Staude als Andenken mitnehmen. Die Entstehung der Sage über die Wallfahrt von  Weihenlinden  ist ähnlich zu betrachten. Brigitta Klemenz schreibt in “Marienwallfahrten im Bistum München-Freising”, dass dort wo die heutige Kirche steht, sich ein  eingezäunter Platz mit zwei großen Lindenbäumen und einer Martersäule befand. Der Weichlindengarten galt seit “uralten Zeiten her” laut einem Dokument von 1645 als geheiligter Bezirk. Dieser musste wie ein Gottesacker vom Mesner des Nachbardorfes Högling gepflegt werden.
Zu Beginn des 17.Jh. stellten die Höglinger in die Martersäule eine Marienfigur. Diese wurde im Dreißigjährigen Krieg zum Gegenstand besonderer Verehrung. Bei der Linde in Puch Lk. Fürstenfeldbruck, in deren Höhlung St. Edigna gewohnt haben soll, gibt es den Baumkult.

Rudolf Kriß in “die religiöse Volkskunde Altbayerns“ von 1950, urteilt über solche Legenden. “Es entspringe im Grunde genommen derselben Geistesart, ob man im Rauschen der Bäume und im Murmeln der Bäche höhere Wesen zu erfühlen glaube. Oder ob man an solchen Orten Muttergottesbilder aufstelle und dort seine Andacht verrichte. Ein und dieselbe Manifestion  religiöser Naturverbundenheit tritt uns hier im germanisch-heidnischen Gewande, dort in christlicher Einkleidung entgegen“.

Vergleiche mit heute:
Sehr viele Kapellen wurden an Wasserquellen errichtet, sogenannte “Bründl- Kapellen”, oft wird dem Wasser sogar Heilkraft für unterschiedliche Leiden und Gebrechen zu geschrieben. Die Menschen kommen heute noch mit Plastikkanistern und füllen das Wasser ab um es mit nach Hause zu nehmen. Die meisten Quellen und Marienkapellen befinden sich heute noch in oder an Wäldern z.B. die Bründl- Kapelle bei Hofstarring, die Kapelle bei Oberhofkirchen unweit der Keltenschanze im Hollholz, die Haiderkapelle bei Loiperstätt, die Kapelle im Michaelhölzl bei Bodenkirchen, das Silverbründl bei Jaibing. Das Zellbründl bei Felizenzell befindet sich in einem Hain des Erlbachtales und ist seit langem als Heilquelle bis  heute ein viel besuchter Ort. Das Frauenbründl bei Großhöhenrain, ist seit 1635 als Heilquelle bezeugt. Unter prächtigen Linden befindet sich das Heilwasserbründl in Annabrunn bei Schwindegg um nur einige zu nennen.

Christliche Wallfahrtsstätten als Fortführung germanischer Heiligtümer:
Es ist bekannt, dass bei der Christianisierung ab 350 nach Chr. von den ersten Missionaren sehr häufig vorhandene  heidnische Kultplätze gerne als Standort der ersten Kirchen und Kapellen benutzt wurden, da diese Orte und Plätze dem Volke bereits bekannt waren bzw. von diesem seit langen frequentiert wurden. Wie bei der Höhensiedlung Staffelberg, auf dem Bergplateau  befindet sich eine Kirchlein. Dr. Alois Huber schreibt in “Einführung und Verbreitung des Christentums in Südostdeutschland 1. Band Römer-Zeit” von 1874, über Sagen von Standorten alter Heidentempel die historischen Ursprung haben.

Zitat: “Man belächelte  die Bewohner von Prutting im Chiemgau, wenn sie allen Ernstes  behaupteten dass ihre Pfarrkirche einst ein Götzentempel gewesen sei” Zitat Ende. Bis man im Jahre 1848 bei einer Restauration und Umbau der Kirche. den unversehrt erhaltenen Dedicationstein eines Victoria-Tempels der Römer unter einem Seitenaltar auffand.
Laut Hefners “Röm.Bayern” geht aus der Dedications - Inschrift hervor, dass die Errichtung am 27.Juni 312 stattgefunden habe.
In Prutting ist erstmals im Jahre 924 in der Tauschverhandlung zwischen Erzbischof Adalbert von Salzburg und der hochadeligen Dynastin Rihni eine Kirche beurkundet, was aber nicht ausschließt, dass es schon vorher eine Kirche gegeben hat, da Prutting ja an der  römischen  Konsularstraße lag.
Von der Altöttinger Rundkapelle in der 1489 die berühmte Marienwallfahrt entstand, erzählen Veit Arnpeck und der Chorherr Jakob Issickemer 1497, dass die Kapelle ein Heidentempel gewesen ist und von Karl dem Großen in den Dienst der Himmelsgöttin gestellt worden sei.
Die ungewöhnliche Bauform - die Heidentempel auf mittelalterlichen Tafelbildern  zeigen, sind öfters Rundbauten. Auch der ursprüngliche Teil der Altöttinger-Kapelle ist ein Rundbau, Altötting war übrigen auch karolingische Herzogspfalz.

Es ist ein gewagter Versuch, eine Kontinuität oder eine Nachwirkung keltischer Riten und Bräuche, in  den volkstümlichen und  christlichen Bräuchen bis heute auf zuzeigen.
Trotzdem will ich einen Versuch wagen, es gibt manche Ähnlichkeiten die sich nicht leugnen lassen.

Wann entstanden die Bräuche ?                                           
In unserer Region sind noch vereinzelt heidnische Überlieferungen aus keltisch - germanischer Zeit spürbar. Früher blühte ein reicher Volksglaube, der unerklärte Kräfte aus der Natur zu deuten versuchte.
Eine Mischung aus Heidentum mit griechisch-römischen Götterglauben, mythischen Wesen und  bösen Geistern formten zahlreiche Handlungen heraus, die uns heute bei Ritualen begegnen, in ihrem Ursprung aber nicht  mehr deutbar sind.
Bereits in den christlichen Anfängen versuchte die Kirche die gängigen Feste abzulösen, zu verdrängen oder umzudeuten. Die großen Festkreise bestimmten Leben und Handeln der Menschen. Neben liturgischen Veranstaltungen entwickelte sich ein reiches Brauchtum, das einerseits als Kommunikations-mittel diente, um die christlichen Inhalte und Abläufe bildlich zu erklären.
Anderseits aus dem Aberglauben des Volkes, das sich seine eigenen Rituale zum Wohlwollen seiner Geister und Dämonen zurechtlegte.  Heute blicken wir auf ein reiches gewachsenes Brauchtum zurück.
Die Germanen opferten der Göttin “Freya” Schweine. Auch dieser Brauch hat sich erhalten, wurde aber christlich verbrämt, als es nicht gelang die Sitte abzuschaffen. So besteht zum Teil ja noch in Niederbayern der Brauch, den Ernteabschluss mit einem Schweineschlachtfest zu feiern, bei dem es das beliebte Mettenwurst- und Schweinskopfessen gibt.
Der Ursprung vieler Bräuche und Feste ist den meisten Menschen heute unbekannt. Doch leere Rituale sind auch gefährliche Rituale. Sie bringen uns zu Handlungen die wir vielleicht nicht mehr vertreten würden, wenn wir wüssten, woher sie stammen.

Vierzig Feste im Jahreslauf und fünf Feiern im Lebenskreis lohnt es , genauer zu untersuchen.
Sich mit ihren Ursprüngen zu beschäftigen, macht deutlich, was eigentlich hinter den Ritualen und Worthülsen steckt. Vieles bleibt dabei unbekannt, über anders wird spekuliert. Die Wissenschaft forscht seit Jahrzehnten, jedoch können keine sicheren Antworten gegeben werden. Feste und Bräuche entwickelten sich über lange Zeiträume, ebenso wie die wissenschaftlichen oder volkstümlichen Erklärungen  und sie verändern sich ständig wie das gelebte Brauchtum damals und jetzt.

Die Jahresfestkreise:
Bräuche zu den unterschiedlichen Jahreszeiten damals und heute:
Die Feste “Samhain” und “Beltane” teilen das irisch-keltische Jahr in eine dunkle und helle Hälfte, ursprünglich mit dem Winter (Jahresnacht) und dem Sommer (Jahrestag) gleichgesetzt, was sich auch in der Bezeichnung des Ahnenfestes Samhain widerspiegelt. Später ging man zu den uns vertrauten “ Vier-Jahreszeiten-Kreislauf” über, in dem die vier  Hochfeste ( Samhain, Inbolc, Beltane, und Lughnassadh) die Jahreszeiten einläuteten.
Winter und Sommer stehen jedoch weiterhin auch für die “Hauptjahreszeiten”. Der Sommer begann, mit Fest Beltane am Vorabend des 1.Mai. Während des Festes zu Ehren des “ Feuers von Bel”, Bel war ein alter Gott des Feuers, der irische Bile war ein alter Gott des Lebens und des Todes, löschte man das häusliche Feuer und zündete es mit druidischen Feuer neu an.
Der keltische Winter begann am 1.November. Im Voraus ging das Fest “ Samhain “ - Halloween, an dem nach keltischen Glauben die “ Side “- “Feen” der Anderswelt unterwegs waren. Die Anderswelt war das Reich des Jenseits, das Totenreich. Das keltische “ Jenseits” oder auch die andere Welt, ist die Welt der Kräfte und Stärken.

Vergleiche heute bzw. mit dem christlichen Kalender. Da wird am 1.November das Fest Allerheiligen gefeiert, am nächsten Tag ist Allerseelen, da Gedenken wir der Verstorbenen.
Viele volkstümliche - und  kirchliche Bräuche und Sitten zu unterschiedlichen Jahreszeiten lassen sich sehr weit zurück verfolgen und sind in der bäuerlichen - ländlichen Bevölkerung von enormer Bedeutung.
Lichtmess früher das Ende des bäuerlichen Jahreskreises, da wurden die Dienstboten entlohnt, nur da durften sie den Arbeitsplatz (Bauern) wechseln, zu diesem Zeitpunkt hat der Bauer auch die Handwerker (Schmiede, Wagner und Sattler) ausbezahlt.
Den Reigen beginnt im Kirchenjahr der Osterfestkreis, Ostern das Hauptfest der Christen ist immer am Frühlingsanfang.
Am Palmsonntag werden die Palmbuschen geweiht und Zweige davon in Haus Hof und Stall verteilt, um Unheil ab zuwenden. In der Osternacht wird am Osterfeuer der Stamm angebrannt. Das Osterlicht und  das Weihwasser werden geweiht, die Osterkerze angezündet und  das Osterlicht wird nach Hause getragen.

Vergleiche bei den Kelten zum Sommeranfang das Löschen des häuslichen Feuers und das neu anzünden mit dem Druidische Feuer. Die zeitliche Nähe ist gegeben zu dem Fest Beltane am Vorabend des 1. Mai. Am Ostersonntag erfolgt die Speisenweihe (Osterlamm, Weckerl, Rauchfleisch, Salz und Ostereier) sind meistens in den Speisenkörben, die beim Gottesdienst geweiht werden.  Am Emmaustag - Ostermontag nach dem Mittagessen ging der Bauer mit seiner Familie und den Knechten und Mägden von Acker zu Acker. Der uralte bayerische - österliche Brauch des Saatsegens wurde vollzogen, an den vier Enden des Ackers  wurden die Schalen der geweihten Ostereier in die Erde gegeben, mit einem Spritzer Weihwasser und einem geweihten Palmzweigerl.                                 
Dabei sprach man  Gebete um gute Ernte und um Schutz vor Unwettern. Es gibt  Gegenden wo dieser Brauch auch heute noch gepflegt wird.
Um gute Ernte und um Schutz vor Unwettern  gab es bis in die 70 Jahre des letzten Jahrhunderts im Frühjahr auch noch die kirchlichen Felderprozessionen, z.B. auch am Schauer-Freitag, am Markustag. Sowie die vielen Bittgänge meist zu nahe liegenden Wallfahrtsorten, diese finden auch heute noch statt. Wir kennen die Sonnwendfeuer zum Sommeranfang, die Pfingstumritte, Georgiumritte. Maria Himmelfahrt 15.August - Frauentag:
Es wurden bzw. werden auch heute noch Kräuterbuschen geweiht. Früher wurden die geweihten Kräuter  in verschiedenen Winkeln in Stube und Stall verwahrt, teils als Heilmittel, teils als Schutzmittel gegen Unheil in Haus und Stall.
In den Raunächten wurde früher abends mit den Resten des Büschels Feuer angemacht, mit dem rauchenden Brande wurde dann betend durchs Haus und der Stallungen gegangen, um Unglück von Haus und Vieh fern zuhalten.

Pfr: Josef Schlicht schreibt 1875:
Das heidnische Volk der Kelten und Germanen trug dieselben Heilkräuter, welche nun das christliche trägt, Hauswurz, Baldrian, Gundermann, Wermut, Teufelsbiss, Farn, Wegwarte, Bärenklau und Hasel, welche der Heide mit magischen Brauch und Segen weihte, einverleibte sich auch der Getaufte in seinem Himmelfahrtsbüschel. Das religiöse Weiheband um seine köstlichen Kräuter wollte der Germane nicht aufgeben, selbst nachdem er mit Hingabe Christ geworden ist.
Die Weisen volkstümlichen Erstlingsbischöfe von Mainz, Würzburg, Augsburg, Eichstätt, Regensburg, Passau, Freising und Salzburg lösten nun diese wichtige Aufgabe mit apostolischer Meisterschaft, sie schonten das Volksherz und entwurzelten aber doch den Aberglauben.
In der selben Hochsommerzeit, da der Germane seine Kräuter sammelte, um sie mit Zaubersegen zu weihen, feierten  die Bischöfe Maria-Himmelfahrt. Sie weihten die Kräuter mit christlichen Auslegungsworten und Segen. Die heiltätige Naturkraft blieb unberührt in der Pflanze, entschwinden musste nur die vermeintliche abergläubische, heidnische Zaubermacht.

Kath. Volkskultur:
Josef Staber schreibt in dem Buch “Katholisches Bayern” anlässlich des Eucharistischen Weltkongresses 1960 in München, über den Reichtum bayerischer Volkskultur. Es sei eigentlich nicht die Aufklärung, die diesen Reichtum zerstört hat. Das Christentum kam ja als “Aufklärung” zu den Franken, Alemannen und Baiuwaren. Das wenige das wir von der Missionspredigt  bei den germanischen Stämmen wissen, ist ja nicht der Kampf gegen den “Aberglauben”, und zwar kaum gegen die theologischen Inhalte des germanischen Glaubens.
Die Aberglaubensverzeichnisse der Missionäre berichten äußerst wenig  über die  Mythologie unserer Vorfahren, sondern es ging gegen den Kult und gegen Brauchtumsformen. Man staunt immer wieder, wie wenig es gelungen ist, die vorchristliche Überlieferung auszurotten oder auch nur umzugestalten. Wenn wir die Bräuche in den unterschiedlichen Jahreszeiten betrachten, die bei uns heute noch  fest im Volk verankert sind, so  gibt es eine Vielfalt davon. Da wären um nur einige Beispiele die jeder von uns kennt zu nennen, der Leonhardi Umritt mit Pferdesegnung, die Pfingstumritte, das Räuchern von Haus und Stall an Heiligdreikönig mit Weihrauch, die Palmzweige im Herrgottswinkel in der Stube und im Stall, die Sonnwendfeuer. Speziell kirchliche Riten, wie das Weihwasser, die
Weihe des Osterfeuers, die Kerzenweihe an Lichtmess, der Blasius Segen. Dazu gibt es ja noch eine Reihe anderer profaner Bräuche, all dieses geht sehr weit zurück und war bereits vor der Christianisierung unseres Land vorhanden, wenn auch in etwas anderer Form und Bedeutung. Es gibt des weiteren die Raunächte, die Losnächte und die Walpurgisnacht, selbst die sind in manchen Gegenden heute noch von einer gewissen Bedeutung.

Raunächte - Freinächte:
Erste Raunacht  24.12.
Letzte Raunacht 05.02.
Walpurgisnacht 30.04.
Frei - Druiden - Losnacht 30.04.
Sonnenwende 20.06.
Tag - Nachtgleiche - Herbstanfang 24.06.
Orakeltag 13.10.
Freinacht 01.11.
1.Klopfernacht 25.11.
Los - Perchtennacht 29.11.
2. Klopfernacht 02.12.
3. Klopfernacht 09.12.
Geister - Orakelnacht 20.12. (Thomasnacht)
1. Raunacht - Los - Freinacht 24.12.
Vielleicht hat die chaotische Zeit des ausgehenden Mittelalters die seelischen Vorbedingungen zum Neuerwachen längst vergangener Kultformen geführt.

Heilige Patrone:
Im Vergleich zu den heidnischen Göttern für alle möglichen Belange, haben wir im Volksglauben für Vieh, Krankheiten und Feuer unsere entsprechenden Volksheiligen und Patrone.
Hl. Antonius 17.01. Patron der Kutscher, der Schweine, St. Sebastian 20.01. Patron der Schützen und der Sterbenden
St. Blasius 03.02. Patron für Halsleiden, der Ärzte,
Hl. Matthias 24.02. Patron der Handwerker, sowie  für Glücks- oder Liebesorakel,
Hl. Walpurga 25.02. Patronin für Augenleiden, der Pest und Bauernpatronin,
Hl. Josef 19.03. (Josefitag) Patron der Zimmererleute, Patron der Sterbenden,
Hl. Georg 23.04. Patron der Reiter, Soldaten, Pfadfinder, der Pferde,
Hl. Markus (Markustag) 25.04. Patron der Bittprozessionen, Patron des Wetters, Wettersegen,
St. Florian 04.05. Patron des Feuers, der Schornsteinfeger, Wasserpatron, für Kindersegen
Hl. Johannes d. Täufer 24.06. Patron der Schneider, Hirten und der Leidenden,
Hl. Christophorus 24.07. Patron der Fuhrleute, Schiffer, Flößer, Kraftfahrer,
Hl. Jakobus (Jakobitag) 25.07. Patron der Schiffer bei Sturm und Todesnot, der Pilger und Reisenden,
Hl. Laurentius 10.08. Patron des Feuers, der Bäcker, Köche und Bierbrauer, Hilfe bei Brandwunden
Schützer gegen das Böse.                                            
Hl. Michael 29.09. Patron der Soldaten, Schützer gegen das Böse, Patron der Kaufleute und Apotheker,
St. Hubertus 03.11. Patron der Jagd, gegen Tollwut, gegen Krankheiten,
St. Leonhard (Leonharditag)  06.11. Patron der Gefangenen, Wöchnerinnen, Vieh und Pferdepatron,
Hl. Martin 11.11. Patron der Soldaten, Gefangenen, Bettler, der Reisenden, der Gastwirte und Winzer, der Pferde und des Viehs,            Hl. Katharina  25.11. Patronin der Chirurgen, Müller, der Ammen, gegen Krankheiten, Helferin in der Todesstunde,
Hl. Thomas (Thomastag )21.11. Patron der Architekten, Bauleute,
Hl. Barbara 04.12. Patronin der Bergleute, Sterbepatronin,
Hl. Stephanus  26.12. Pferde und Viehpatron, Patron der Maurer und der Zimmerleute,
Nicht vergessen darf man die “14 Nothelfer” sie haben auch alte Wurzeln bis in die Vorzeit.

 Dieses war ein Versuch, die Bedeutung mancher Bräuche im Jahr sowie die der kirchlichen Feste und Riten auf ihren Ursprung zurück zu führen, sowie der Darstellung eines Bezuges zu den Brauch- und Kultformen der Bewohner unseres Landes in längst vergangener Zeit.


Literatur-Verzeichnis:
Schröder :                         Germanentum in Deutschland
Hermann Dannheimer:     Das Keltische Jahrtausend            1993
Rupert Gebhart, Gerhard Herm:     Die Kelten                      1997
Dr. Peter Krön:                 Die Kelten in Mitteleuropa           1980
John u. Caitlin Mattews:  Lexicon der der Keltischen  Mythologie 1997
David Bellingham:           Die Kelten, Kultur - Mythen        2008
Hermann Noelle:              Die Kelten                                    1974
H.Mang:                           Menschliche Uranlagen und   Entwicklung im Wallfahrtswesen 1934
Brigitta Klemenz:            Marienwallfahrten im Bistum Mü. - Fs.  
Rudolf Kriß.                    Die religiöse Volkskunde Altbayerns 1950
Dr. Alois Huber:              Einführung und Verbreitung des Christentums in Süd - Ostdeutschland, 1. Band Römerzeit   1874
Heffner:                            Röm. Bayern
Pfr. Josef Schlicht:           1875
Josef Staber:                  Kath. Bayern                                 1960
Anke Fischer:                 Feste und Bräuche in Deutschland 2004
Albert Bichler:               Freunde im Himmel, mit baerischen Heiligen durchs Jahr 2009
Hugo Schnell:                Bayerische Frömmigkeit, 1400 Jahre Christliches Bayern  1960
 

 

 

 

12.02.2010, 19.30 Uhr arLan-Stammtisch im Gasthaus Proske, Ergolding

Referent Otmar ReiterReferent: Otmar Reiter

Thema: Zwischen Ägäis und Euphrat.

Bericht über eine KFZ-Reise über 8000 km mit dem Schiff und zu Lande in einige Landesteile der Türkei u.a. in Gebiete abseits des Tourismus. Vorgestellt werden vor allen Dingen die vielfältigen Landschaftsformen und geschichtlichen Plätze aller Art, Ausgrabungen und neue Forschungsergebnisse aus Asia Minor, wie früher auch die Türkei genannt wurde.
Otmar Reiter berichtet auch über eine Bootstour auf dem Euphrat, an dessen Ufern sich eine große lange Geschichte von Völkerschaften bis in unsere Gegenwart abspielte. Dort verlief auch der Orientalische Limes des Römischen Reiches.

 

Asia Minor – Zwischen Ägäis und Euphrat –
Eine faszinierende Reise durch Jahrtausende der bewegten Geschichte der Türkei.

Zu Beginn seiner Ausführungen vermerkte Otmar Reiter, dass er Mitglied der Landshuter Orientgruppe mit Schwerpunkt Türkei sei, die seit fast 50 Jahren den Nahen Osten mit dem Auto bereist. Heute nun wolle er alle zu einer über 8000 Kilometer langen Reise mitnehmen, die teils per Kraftfahrzeug, teils per Schiff bewältigt wurde. Dabei werde man Kleinasiatische Landschaftsbilder, heiße Steppen, raue Bergwelten, antike Stätten aus verschiedenen Epochen und archäologische Ausgrabungen der geschichtsträchtigen Türkei von der Steinzeit bis heute, abseits des Tourismus, erleben. Die ersten Bilder zeigten die Einschiffung der Tourteilnehmer in dem von Touristen überlaufenen Venedig.
Mit einem der modernen Fährschiffe erreichte man in nur 22 Stunden das erste Ziel - Nordhellas -. Von dort war dann noch eine Halbtagesreise notwendig um die  türkischen Grenze zu erreichen. Nach dem Übersetzen an den Dardanellen führte die Route auf einsamen Straßen nach Zentralanatolien. Die Bilder zeigten nun bereits eine asiatisch geprägten Landschaft und die Fahrt führte durch eine von der heißen Augustsonne verbrannten Steppe, vorbei an schneebedeckten Vulkangebirgen zum Hochplateau Inneranatoliens.

Berg der Götterstatuen:
Erstes Ziel im Bereich des Flusses Euphrat, so der Referent,  war die heutige Provinz Adiyaman. Dort befand sich vor über 2000 Jahren der Zentralbereich des Kommagenischen Königreiches, welches 163 v. Chr. seine Unabhängigkeit erreichte und insgesamt ca. 2 Jahrhunderte existierte,  bevor es die Römer im ersten vorchristlichen Jahrhundert mit ihren Legionen eroberten und der Provinz Syrien zuschlugen. In einer in den Sommermonaten steppenhaften Gebirgslandschaft befindet sich auf einem der vielen Berggipfel in 2.150 Metern  Höhe eine große Begräbnis- und Kultstätte, die Antiochos I. erbauen ließ und dort im Jahre 32 v. Chr. begraben wurde. Mit beeindruckenden Aufnahmen zeigte der Vortragende  zwei künstlich geschaffenen Terrassen auf denen beidseitig, bis zu 8 Meter hohe Götterfiguren, unter ihnen auch die Personifikation der Landschaft Kommagene und des Königs, zu sehen sind. Zwischen diesen mächtigen Figuren deren Köpfe durch Erdbeben herabgestürzt sind, befindet sich ein ca. 50 Meter hoher Tumulus (Grabhügel), in dem sich das eigentliche Grab des Herrschers befindet.

Kultstätte der Steinzeit:
Otmar Reiter machte nun auf eine archäologische Sensation aufmerksam, die einige Kilometer, nordöstlich der Stadt Ufa, das frühere Edessa der Kreuzritter, durch Ausgrabungen zum Vorschein gekommen war. In einer heute wüstenhafte Hügellandschaft nordwestlich der Mesopotamischen Tiefebene, stieß der deutsche Archäologe Dr. Klaus Schmidt in einem Hügel, den die Einheimischen Göbekli Tepe nennen, auf monumentale Funde aus der Steinzeit. Es war die Zeitepoche der Jäger und Sammler, die dort die ersten steinernen Monumente mit Tierfiguren in größeren Stückzahlen schufen. Die T-förmigen Steine, mit einer Höhe bis zu einem Meter und teilweise 50 Tonen schwer, wurden vor 11.000 Jahren errichtet, wie die Forschung ergab.

Der römische Limes am Euphrat:
Ins Blickfeld des Vortrages kam dann der größte Fluss Vorderasiens, der Euphrat, der in den Bergen der nordöstlichen Türkei entspringt und nach einem Lauf von 2700 Kilometern, nach Vereinigung mit dem Tigris in den Persischen Golf mündet. Dieser Fluss, so Otmar Reiter,  bildete lange Zeit den östlichen Limes des römischen Reiches. Als die römischen Legionen dort aufmarschierten wurden alsbald Kastelle, Verteidigungsanlagen, Verbindungsstraßen und Brücken gebaut, die man zum Teil heute noch benützen kann, wie Fotos zeigten. Die damaligen Eroberer hatten einen schweren Stand, die Armee verlor so manche Einheit. Hauptgegner waren die Sassaniden und Perser, denen es sogar gelang, den römischen Kaiser Valerian gefangen zu nehmen; dieser sah Rom nie wieder. Ein markanter Punkt in der
Flusslandschaft ist auch heute noch die Rumkale, übersetzt aus dem türkischen, die Römerburg.  Der Referent berichtete dazu, dass die "Landshuter"  in der kleinen Stadt Halfeti, am Ufer des Flusses gelegen, ein Boot mieteten und nach einer Stunde Fahrt auf dem aufgestauten Euphrat, die auf natürlichen Steilwänden gelegene, mächtige Burg erreichten. Die Festung galt als uneinnehmbar, dem war aber nicht so; die letzten Eroberer waren die Osmanen.

Vandalismus an Denkmälern:
Auch auf den Spuren der Hethiter war man bei der Tour unterwegs, vermerkte der Referent weiter. Ein Volk dessen Herrschaftsgebiet sich von ZentraIanatolien bis in das südlich gelegene Taurusgebirge erstreckte. Im Tal des Flusses Ivriz führte die Teilnehmer der Tour der Weg zu einer Schlucht in einem Hochtal, an deren Felswänden ein Relief aus der hethitischen Epoche, 800 v. Chr.,  zu sehen war. In seinen Ausführungen kam der Referent nun auf ein äußerst trauriges und dunkles Kapitel zu sprechen. Werden bekanntermaßen nicht wenige Denkmäler durch Erosion und Erdbeben beschädigt oder gar zerstört, so macht der aufkommende Vandalismus durch Schatzsucher selbst in einer so unzugänglichen Gebirgsschlucht nicht Halt vor den Relikten der Vergangenheit. Es werden so unersetzliche Denkmäler mutwillig für alle Zeiten zerstört.So wurde ein Relief, das einen Hethiterkönig darstellt, durch Abmeißeln schwer beschädigt. Wie weitere Bilder zeigten wurde außerdem am Fuße der Felswand ein ca. 4 Meter tiefer Schacht auf der Suche nach vermuteten Schätzen gegraben.

Der Taurus:
Weiter führte Otmar Reiter die Anwesenden nun in die südlichen Konya Ovasi. Dort befindet sich bei der Stadt Karaman am Rande des Gebirges, das Tal des Yesildere. Das Dorf in der Talsohle trägt auch diesen Namen. Der Referent zeigte eine ca. 30 m hohe, lange Felswand, die sich auf einer Talseite befindet. Diese ist übersäht mit Dutzenden von viereckigen Öffnungen,  aus denen  Balken mit Laufrollen ragen. Die gesamte Anlage mit den in den Stein gemeißelten Felskammern dient nur dem Zweck die Hartweizenvorräte des Dorfes zu speichern, wobei jeder Landwirt sein eigenes Depot hat. Westwärts führte nun die Betrachter die Route an den Oberlauf des Flusses Göksu, dem antiken Saleph, in dem im Jahre 1190 Kaiser Barbarossa beim Kreuzzug ertrank.
Heute erinnert am Fluss bei Silifke ein kleines Denkmal an die Begebenheit, die dieses Unternehmen zum Scheitern brachte. Weiter berichtete Otmar Reiter von einer Exkursion weiter im Westen Anatoliens. Das Ziel war die antiken Bergstadt Sagalassos, die sich im Taurusgebirge auf einer Höhe von 1500 m befindet. Die gewaltige Ruinenstätte aus griechisch-römischer Zeit wird seit Jahren von einem belgisch-türkischen Archäologenteam ausgegraben und restauriert. Die Stadt, die auch Alexander der Große einnahm, wurde von einem Erdbeben getroffen und durch Hangrutsche verschüttet. Die antike Stätte will man vollständig ausgraben und restaurieren, was sicherlich ehrere Jahrzehnte dauern wird.

Die antike Landschaft Lykien:
Die Reiseroute führte nun weiter an der Südwestküste der Türkei, zwischen Ägäis und dem Golf von Antalya. Dort erstreckt sich der Ausläufer des Taurus, meist dicht bewaldet, mit einer teilweise schwer zugänglichen mediterranen Bergwelt, so der Vortragende.  An diesen Gestaden des Mittelmeeres lebte in vorchristlicher Zeit das Seefahrervolk der Lykier. Dem Reisenden zeigen sich versteckt in den Bergen und an der buchtenreichen Küste, viele steinerne Zeugnisse der Vergangenheit und allenthalben stößt man auf eigentümliche Bauwerke, die eine einmalige Begräbniskultur in Stein darstellt. Tausende Gräber mit einer aus dem Felsen gemeißelten, freistehenden Kammer, verschlossen mit einem bis zu 9 Tonnen schweren Sargdeckel in Form eines Schiffskiels, stehen an den Bergrücken.
Vielfältige weitere Bestattungsanlagen sind zu sehen, geformt als Grabhäuser, die eine für damals übliche Architektur zeigen. Auch Nachahmungen von Tempeln mit Säulen, Zahnfries und Reliefs befinden sich als Fassade an den Felswänden. Viel Geschichte hat dieser Landesteil zu bieten, auch ist bezeugt, dass ein wundertätiger Bischof dort in der Stadt Myra lebte. Dieser ist bei uns in Europa als Heiliger St. Nikolaus bekannt.

Lydien das Reich des Königs Krösus
Auf der Heimreiseroute durch die Westtürkei, galt nun der Besuch der Landschaft, Bin Tepe, auf Deutsch "Landschaft der Tausend Hügel", wie der Referent zu berichten wusste. Unweit des ehemaligen antiken Herrschaftssitzes Sardes befinden sich, abseits der Touristenstraßen, die Lydischen Hügelgräber. Die Grabhügel erreichen eine Höhe von bis zu 50 m. In der fast flachen Ebene zeigen sich diese als markante Denkmäler des untergegangenen Volkes der Lyder.
Weiter schilderte Otmar Reiter, dass 600 v. Chr. hier der Lydische König Krösus herrschte, der die ersten Münzen aus Elektron, einer Gold-Silberlegierung, prägen ließ.
Einige der Grabanlagen wurden in Zusammenarbeit von türkischen Archäologen mit der Universität Boston untersucht, aber die Grabräuber waren auch hier schon am Werk gewesen. Das Grab des sagenhaft reichen Königs Krösus ist bis heute noch nicht gefunden worden.

Mit den letzten Bildern berichtete der Referent über die Einschiffung nach Europa, die Überfahrt an den Dardanellen, der hier 2 km breiten Meeresstraße, die schon viele Eroberer gesehen hat. Die Ufer sind gesäumt von Zeugnissen der Vergangenheit, so auch als letztes die Seefestung Kilitbahir, genannt der Schüssel des Meeres.
Am Ende seines Vortrages wollte es der Referent nicht versäumen, sich über die vorbildliche Gastfreundschaft der Menschen in der Türkei zu bedanken, die er und seine Freunde dort erfahren durften.

 

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